Helfer in der Krise

Ins Frauenhaus: Ablauf und Aufnahme

Geprüft von der Redaktion

Ins Frauenhaus: Ablauf und Aufnahme
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Frauenhaus ist eine geschützte Unterkunft mit geheimer Adresse für Frauen und ihre Kinder, die vor Gewalt fliehen.
  • Die Aufnahme ist unbürokratisch, oft rund um die Uhr möglich und setzt keine Anzeige voraus.
  • Einen freien Platz findest du über die Frauenhaussuche oder über das Hilfetelefon 116 016, das dich vermittelt.
  • Am fehlenden Geld scheitert die Aufnahme nicht. Die Kosten übernehmen bei Leistungsbezug in der Regel Jobcenter oder Sozialamt.
  • Kinder kommen mit. Für ältere Söhne gelten je nach Haus Altersgrenzen, oft um die 12 bis 14 Jahre.
  • Wenn du nichts vorbereiten kannst, komm ohne alles. Wichtige Dinge lassen sich später beschaffen.

Ein Frauenhaus ist ein sicherer Ort, wenn dein Zuhause keiner mehr ist

Ein Frauenhaus ist eine Schutzunterkunft für Frauen, die von Gewalt bedroht sind, gemeinsam mit ihren Kindern. Die Adresse wird geheim gehalten, das Personal ist auf Gewaltsituationen spezialisiert, und du musst weder eine Anzeige gestellt haben noch irgendetwas beweisen, um aufgenommen zu werden. Der Aufenthalt ist freiwillig, und du kannst jederzeit wieder gehen.

Viele Frauen zögern lange, weil sie sich ein Frauenhaus als Notschlafstelle oder als letzten Ausweg vorstellen. Die Wirklichkeit ist eine andere: Es ist ein geschützter Raum zum Durchatmen, mit eigenen oder geteilten Zimmern, einer Gemeinschaftsküche und Mitarbeiterinnen, die dich bei den nächsten Schritten begleiten, ohne dich zu drängen. Du behältst die Kontrolle über dein Tempo und deine Entscheidungen.

Ein Platz im Frauenhaus ist kein Eingeständnis, dass etwas mit dir nicht stimmt. Er ist eine praktische Antwort auf eine gefährliche Lage, für die eine andere Person die Verantwortung trägt. Dass es diese Häuser gibt, liegt daran, dass Gewalt im eigenen Zuhause ein verbreitetes Problem ist, nicht dein persönliches Versagen.

Wie du einen Platz findest

Einen freien Frauenhausplatz findest du am schnellsten über die bundesweite Frauenhaussuche der Frauenhauskoordinierung oder über das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter 116 016. Das Hilfetelefon ist rund um die Uhr erreichbar, hilft dir bei der Suche und stellt auf Wunsch den Kontakt zu einem Haus in deiner Nähe oder bewusst weiter weg her.

Weil nicht jedes Haus jederzeit einen Platz frei hat, kann es sein, dass du mehrere anrufen musst oder in eine andere Stadt vermittelt wirst. Das ist mühsam, aber es lohnt sich. Manchmal ist ein Haus in einer anderen Region sogar der bessere Schutz, weil die gewalttätige Person dich dort nicht vermutet. Die Mitarbeiterinnen der Häuser und das Hilfetelefon kennen sich untereinander und suchen gemeinsam mit dir.

Wie die Aufnahme abläuft

Der Weg ins Frauenhaus beginnt mit einem Anruf, führt über eine kurze telefonische Klärung zur Aufnahme vor Ort und endet mit dem Ankommen in einem geschützten Zimmer. Danach planst du gemeinsam mit einer Mitarbeiterin die nächsten Schritte. Der Ablauf ist bewusst niedrigschwellig gehalten.

1Anruf beim Frauenhaus oder Hilfetelefon2Telefonische Klärung3Aufnahmegespräch vor Ort4Ankommen und Zimmer beziehen5Nächste Schritte planen
Der Weg ins Frauenhaus in fünf Etappen, von der ersten Nummer bis zum sicheren Ankommen. Bild: KI generiert.

Beim ersten Anruf klären die Mitarbeiterinnen, ob ein Platz frei ist und ob das Haus zu deiner Situation passt, etwa mit Blick auf das Alter deiner Kinder. Ist ein Platz da, vereinbart ihr, wie du kommst. Die Adresse erfährst du erst, wenn die Aufnahme feststeht, oft trefft ihr euch an einem neutralen Ort. Vor Ort folgt ein Aufnahmegespräch: Du bekommst das Haus gezeigt, erfährst die Regeln des Zusammenlebens und besprichst, was zuerst wichtig ist. Danach beziehst du dein Zimmer. Erst wenn du angekommen bist und etwas zur Ruhe gekommen bist, geht es um Behörden, Anträge und die längerfristige Planung.

Wenn du gerade fliehst und keine Zeit für Anrufe hast, wende dich an die Polizei über die 110. Sie kann dich in Sicherheit bringen und die Vermittlung in ein Frauenhaus unterstützen. Niemand erwartet von dir, dass du in einer akuten Situation alles selbst organisierst.

Was du mitnehmen solltest, wenn Zeit dafür ist

Wenn du deine Flucht vorbereiten kannst, nimm vor allem Dokumente mit, die sich später nur schwer wiederbeschaffen lassen. Alles andere ist zweitrangig, und was fehlt, lässt sich mit Unterstützung des Frauenhauses nachholen. Diese Übersicht hilft beim Packen.

KategorieWas wichtig ist
Ausweise und UrkundenPersonalausweis, Pass, Aufenthaltstitel, Geburts- und Heiratsurkunde, Urkunden der Kinder
Geld und KartenBankkarte, etwas Bargeld, Unterlagen zu Konto und laufendem Einkommen
Behörden und VerträgeBescheide von Jobcenter oder Sozialamt, Kindergeldbescheid, Mietvertrag, Versicherungsunterlagen
GesundheitKrankenversichertenkarte, Medikamente, U-Heft und Impfpass der Kinder
PersönlichesHandy und Ladekabel, Schlüssel, wenige Kleidungsstücke, ein vertrautes Kuscheltier für die Kinder

Falls die andere Person dich beobachtet oder du plötzlich gehen musst, gilt trotzdem: Deine Sicherheit ist wichtiger als jedes Dokument. Komm ohne alles, wenn es sein muss. Das Frauenhaus hilft dir danach, Papiere neu zu beantragen und an deine Sachen zu kommen.

Was der Aufenthalt kostet und wie lange er dauert

Die Beratung im Frauenhaus ist immer kostenlos. Für die Unterbringung fallen Nutzungsgebühren an, die aber bei Bezug von Bürgergeld oder geringem Einkommen in der Regel vom Jobcenter oder Sozialamt übernommen werden. Praktisch heißt das für die meisten Frauen: Der Aufenthalt kostet sie nichts aus eigener Tasche.

Wie lange du bleibst, hängt von deiner Situation ab. Manche Frauen bleiben wenige Tage, andere mehrere Monate, bis eine eigene Wohnung und die weiteren Schritte geregelt sind. Es gibt keine feste Höchstdauer, die dich unter Druck setzt. Das Personal unterstützt dich dabei, Anträge zu stellen, eine Wohnung zu finden und rechtliche Fragen zu klären, im Tempo, das für dich und deine Kinder passt.

Wie der Alltag im Frauenhaus aussieht

Im Frauenhaus lebst du weitgehend selbstbestimmt: Du versorgst dich und deine Kinder selbst, kaufst ein und gestaltest deinen Tag, während Mitarbeiterinnen ansprechbar sind, wenn du Unterstützung brauchst. Es ist kein Heim mit strengem Regiment, sondern eine Wohngemeinschaft auf Zeit mit ein paar klaren Regeln, die dem Schutz aller dienen.

Zu diesen Regeln gehört, dass die Adresse geheim bleibt und niemand von außen ins Haus kommt, damit die Sicherheit aller Bewohnerinnen gewahrt ist. Zur Schule und zur Arbeit kannst du in der Regel weiter gehen, oft mit Absprachen zur eigenen Sicherheit. Für Kinder gibt es in vielen Häusern eine eigene Betreuung, damit sie zur Ruhe kommen und du Zeit für Behördengänge hast. Viele Frauen beschreiben das Zusammenleben mit anderen Betroffenen als entlastend, weil dort niemand die Frage stellt, warum man so lange geblieben ist. Du bist nicht die Einzige, der so etwas passiert ist, und das zu erleben, tut oft gut.

Frauenhäuser nehmen Kinder gemeinsam mit ihren Müttern auf. Bei älteren Söhnen gibt es je nach Haus Altersgrenzen, häufig zwischen 12 und 14 Jahren, weil im Haus überwiegend Frauen und jüngere Kinder leben. Wenn dein Sohn älter ist, sag das beim ersten Anruf. Dann wird gemeinsam eine Lösung gesucht, etwa ein Haus mit anderen Regeln oder eine andere geschützte Unterbringung.

So gehst du vor

  1. Ruf das Hilfetelefon 116 016 an oder nutze die Frauenhaussuche, um einen freien Platz zu finden.
  2. Sag beim ersten Kontakt, wie viele Kinder du hast und wie alt sie sind.
  3. Pack, wenn möglich, deine wichtigen Dokumente ein, aber riskiere dafür nicht deine Sicherheit.
  4. Nutze bei akuter Gefahr die 110, die Polizei kann die Vermittlung unterstützen.
  5. Nimm dir im Haus Zeit anzukommen, bevor du dich um Behörden kümmerst.
  6. Lass dich beim Beantragen von Leistungen und beim Wohnungssuchen begleiten.

Bei akuter Gefahr wählst du sofort die 110. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" berät und vermittelt rund um die Uhr, kostenlos und mehrsprachig unter 116 016, Männer erreichen unter 0800 123 9900 das Hilfetelefon "Gewalt an Männern". Du musst den Weg nicht allein finden.

Häufige Fragen

Muss ich Anzeige erstattet haben, um in ein Frauenhaus aufgenommen zu werden?

Nein, für die Aufnahme in ein Frauenhaus brauchst du keine Anzeige und keine Nachweise. Die Aufnahme ist niedrigschwellig und freiwillig, entscheidend ist allein, dass du Schutz vor Gewalt suchst. Ob du später Anzeige erstattest, entscheidest du selbst und in deinem Tempo.

Was kostet ein Aufenthalt im Frauenhaus?

Die Beratung im Frauenhaus ist kostenlos, für die Unterbringung fallen Nutzungsgebühren an. Diese werden bei Bezug von Bürgergeld oder geringem Einkommen in der Regel vom Jobcenter oder Sozialamt übernommen. Am fehlenden Geld scheitert die Aufnahme nicht, das klärt das Haus gemeinsam mit dir.

Kann ich meine Kinder mit ins Frauenhaus nehmen?

Ja, du kannst deine Kinder mit ins Frauenhaus nehmen, sie werden gemeinsam mit dir aufgenommen und betreut. Für ältere Söhne gelten je nach Haus Altersgrenzen, oft zwischen 12 und 14 Jahren. Nenne das Alter deiner Kinder beim ersten Anruf, dann wird eine passende Lösung gesucht.

Wie finde ich einen freien Frauenhausplatz?

Einen freien Frauenhausplatz findest du über die bundesweite Frauenhaussuche der Frauenhauskoordinierung oder über das Hilfetelefon 116 016, das rund um die Uhr erreichbar ist und dich vermittelt. Da nicht jedes Haus immer Platz hat, kann eine Vermittlung in eine andere Stadt nötig sein, was den Schutz oft sogar erhöht.

Wie lange darf ich im Frauenhaus bleiben?

Es gibt keine feste Höchstdauer für den Aufenthalt im Frauenhaus. Manche Frauen bleiben wenige Tage, andere mehrere Monate, bis eine eigene Wohnung und die weiteren Schritte geregelt sind. Das Personal unterstützt dich dabei in deinem Tempo, ohne dich unter Zeitdruck zu setzen.

Erfährt mein gewalttätiger Partner, wo das Frauenhaus ist?

Nein, die Adresse eines Frauenhauses wird geheim gehalten und ist gerade darauf ausgelegt, dass die gewalttätige Person dich dort nicht findet. Du erfährst die Adresse erst, wenn die Aufnahme feststeht, und die Mitarbeiterinnen achten sorgfältig auf die Sicherheit aller Bewohnerinnen.

Quellen

  1. Frauenhauskoordinierung, Frauenhaus- und Fachberatungsstellensuche frauenhauskoordinierung.de
  2. Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, Schutz und Zuflucht im Frauenhaus hilfetelefon.de
  3. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frauen vor Gewalt schützen bmbfsfj.bund.de

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