Helfer in der Krise

Gewalt gegen Maenner: Hilfe finden

Geprüft von der Redaktion

Gewalt gegen Maenner: Hilfe finden
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch Männer erleben häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Stalking und Zwang. Das ist keine Ausnahme und kein Zeichen von Schwäche.
  • Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt an Männern berät kostenlos und anonym unter 0800 123 9900 (Montag bis Donnerstag 8 bis 20 Uhr, Freitag 8 bis 15 Uhr).
  • Bei akuter Gefahr wählst du die 110. Die Polizei kann den Täter oder die Täterin sofort der gemeinsamen Wohnung verweisen.
  • In der Dunkelfeldstudie LeSuBiA (2023 bis 2025, rund 15.000 Befragte) berichteten Frauen und Männer ähnlich häufig von psychischer und körperlicher Partnergewalt in den letzten fünf Jahren.
  • Du kannst Verletzungen und Vorfälle beweissicher dokumentieren lassen, ohne sofort eine Anzeige zu erstatten.

Gilt Gewalt gegen Männer als eigenes Thema?

Ja, Gewalt gegen Männer ist ein eigenes und ernstes Thema, und es gibt seit 2020 ein bundesweites Beratungsangebot dafür. Männer werden geschlagen, gedemütigt, kontrolliert, sexuell übergriffig behandelt und verfolgt, in Partnerschaften genauso wie in Familien, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum. Lange galt das als Randerscheinung, weil betroffene Männer selten darüber sprechen. Die Dunkelfeldstudie LeSuBiA, für die von Juli 2023 bis Januar 2025 rund 15.000 Menschen befragt wurden, zeichnet ein anderes Bild: Frauen und Männer berichteten in den letzten fünf Jahren ähnlich häufig von psychischer und körperlicher Gewalt in einer Partnerschaft oder früheren Partnerschaft.

Das bedeutet nicht, dass alle Gewaltformen gleich verteilt sind. Bei sexualisierter Gewalt, sexueller Belästigung und Stalking sind Frauen weiterhin deutlich häufiger und oft schwerer betroffen. Und viele Taten gegen Männer werden von anderen Männern verübt. Wichtig ist der Kern: Wenn dir Gewalt angetan wird, zählt dein Erleben, nicht die Statistik. Du hast ein Recht auf Schutz und Hilfe.

Warum sprechen betroffene Männer so selten darüber?

Viele Männer schweigen, weil sie fürchten, nicht ernst genommen oder ausgelacht zu werden. Rollenbilder spielen eine große Rolle. Ein Mann soll stark sein, sich wehren können, keine Angst zeigen. Wer schlägt, ist in diesem Bild der Mann, wer geschlagen wird, passt nicht hinein. Genau dieses Bild hält viele davon ab, Hilfe zu suchen. Studien zeigen, dass Männer sich nach häuslicher Gewalt noch seltener Hilfe holen als Frauen.

Dazu kommt die Angst, dass eine Anzeige gegen die Partnerin oder den Partner nach hinten losgeht, gerade wenn Kinder im Spiel sind. Manche befürchten, selbst als Täter dazustehen. Diese Sorgen sind verständlich, aber sie dürfen dich nicht davon abhalten, dir Unterstützung zu suchen. Eine Beratung verpflichtet dich zu nichts. Du entscheidest in deinem Tempo, welche Schritte du gehst.

Welche Formen von Gewalt gegen Männer gibt es?

Gewalt ist mehr als ein Faustschlag. Sie reicht von körperlichen Angriffen über ständige Abwertung bis zur finanziellen Kontrolle. Oft treten mehrere Formen gemeinsam auf, und die sichtbaren Verletzungen sind nicht immer die schwersten.

körperlicheGewaltpsychischeGewaltsexualisierteGewaltdigitaleGewaltökonomischeGewalt
Gewalt gegen Männer reicht von sichtbaren Verletzungen bis zu Kontrolle, die niemand von außen sieht. Bild: KI generiert.
FormWie sie sich zeigt
Körperliche GewaltSchlagen, Treten, Werfen mit Gegenständen, Festhalten, Angriff mit Waffen oder heißen Flüssigkeiten.
Psychische GewaltStändige Abwertung, Drohungen, Kontrolle, Isolation von Freunden und Familie, Drohung mit dem Entzug der Kinder.
Sexualisierte GewaltErzwungene sexuelle Handlungen, Nötigung, Übergriffe, auch innerhalb einer Beziehung.
Digitale GewaltÜberwachung des Handys, Ausspähen von Nachrichten, Verbreiten intimer Bilder, Stalking über Apps.
Ökonomische GewaltKontrolle über das Geld, erzwungene Schulden, Verbot zu arbeiten, Wegnahme von Karten und Papieren.

Besonders bei psychischer und ökonomischer Gewalt merken Betroffene oft erst spät, wie eng ihr Spielraum geworden ist. Sie erklären das eigene Verhalten mit Rücksicht oder Liebe, während die andere Person immer mehr bestimmt. Wenn du dich in dieser Beschreibung wiedererkennst, ist das ein Grund, mit jemandem zu sprechen, nicht ein Grund, dich zu schämen.

Wo bekomme ich als Mann konkret Hilfe?

Die erste bundesweite Anlaufstelle ist das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Es berät kostenlos, anonym und auf Wunsch ohne dass du deinen Namen nennst. Erreichbar ist es montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr. Getragen wird es von mehreren Bundesländern, unter anderem Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Neben dem Telefon gibt es eine Onlineberatung und einen Chat über die Seite maennerhilfetelefon.de.

Dort beraten dich Fachleute, die auf die Situation von Männern spezialisiert sind. Sie hören zu, ordnen mit dir ein, was passiert, und zeigen dir Wege auf: eine Beratungsstelle in deiner Nähe, ein Schutzangebot, rechtliche Möglichkeiten oder die vertrauliche Sicherung von Beweisen. Auch Angehörige, Freunde und Kollegen können dort anrufen, wenn sie einen betroffenen Mann unterstützen wollen.

Bei akuter Gefahr wähle sofort die 110. Wenn du gerade bedroht oder verletzt wirst, geht Sicherheit vor allem anderen. Die Polizei kann eine gewalttätige Person der gemeinsamen Wohnung verweisen. Für Beratung ohne akute Gefahr erreichst du das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900 und den Weissen Ring unter 116 006. Wenn dich die Belastung überfordert, ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 116 123 erreichbar.

Was kann ich selbst tun, wenn ich betroffen bin?

Du musst nicht alles auf einmal entscheiden. Sinnvoll ist, in kleinen, sicheren Schritten vorzugehen. Die folgende Reihenfolge hat sich bewährt.

  1. Sorge zuerst für deine Sicherheit. Überlege, wohin du im Notfall gehen kannst, etwa zu Freunden oder Verwandten, und wo dein Handy und wichtige Papiere griffbereit sind.
  2. Ruf das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900 an oder nutze den Chat. Schon ein Gespräch hilft, die Lage zu ordnen.
  3. Dokumentiere Vorfälle. Notiere Datum, Uhrzeit und was passiert ist. Lass Verletzungen ärztlich untersuchen und beweissicher festhalten, auch ohne sofortige Anzeige.
  4. Sichere Beweise digital. Speichere bedrohliche Nachrichten und mache Screenshots, aber an einem Ort, auf den die andere Person keinen Zugriff hat.
  5. Hol dir rechtliche Beratung. Das Gewaltschutzgesetz erlaubt Kontakt- und Näherungsverbote sowie die Zuweisung der Wohnung an dich.
  6. Bau dir ein Netz. Sag einer Person deines Vertrauens, was los ist. Isolation ist Teil des Problems, ein Ansprechpartner ist Teil der Lösung.

Beweissichere Dokumentation von Verletzungen ist in vielen Kliniken und über spezielle Netzwerke kostenlos möglich, unabhängig davon, ob du später Anzeige erstattest. Die Unterlagen werden dann vertraulich aufbewahrt und stehen dir zur Verfügung, falls du dich zu einem späteren Zeitpunkt für rechtliche Schritte entscheidest.

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich?

Das Gewaltschutzgesetz gilt unabhängig vom Geschlecht. Ein Gericht kann der gewalttätigen Person untersagen, sich dir zu nähern, dich zu kontaktieren oder deine Wohnung zu betreten. Wenn ihr zusammenwohnt, kann dir die Wohnung für einen Zeitraum allein zugewiesen werden. Bei akuter Gefahr kann die Polizei die gewalttätige Person nach den Polizeigesetzen der Länder sofort für einige Tage aus der Wohnung verweisen, bevor ein Gericht entscheidet.

Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung und Nachstellung sind Straftaten. Du entscheidest, ob du Anzeige erstattest. Der Weisse Ring begleitet Opfer von Straftaten, vermittelt Beratung und kann bei Behörden- und Gerichtsterminen unterstützen. Für die Kosten einer ersten anwaltlichen Beratung gibt es Beratungshilfe, wenn dein Einkommen niedrig ist.

Wie unterstütze ich einen betroffenen Mann?

Einen betroffenen Mann unterstützt du am besten, indem du ihm glaubst und ihn nicht drängst. Viele Männer haben Angst, ausgelacht oder für schwach gehalten zu werden, deshalb zählt schon dein ruhiges Zuhören. Sag klar, dass Gewalt nicht seine Schuld ist und dass es Hilfe gibt. Biete an, gemeinsam beim Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900 anzurufen, statt ihm einen fertigen Plan vorzusetzen. Auch als Angehöriger, Freund oder Kollege kannst du dort selbst anrufen und dich beraten lassen, wie du helfen kannst. Ein Mann, der weiß, dass eine Person ihm glaubt, findet leichter den Weg zu weiterer Hilfe.

Häufige Fragen

Werden Männer als Opfer von häuslicher Gewalt ernst genommen?

Ja, Männer werden als Opfer häuslicher Gewalt ernst genommen. Es gibt mit dem Hilfetelefon Gewalt an Männern (0800 123 9900) ein bundesweites Fachangebot, das seit 2020 speziell für betroffene Männer da ist. Auch Polizei und Gerichte wenden das Gewaltschutzgesetz unabhängig vom Geschlecht an. Sollte dich eine einzelne Stelle nicht ernst nehmen, wende dich an eine andere. Dein Erleben ist der Maßstab.

Ist das Hilfetelefon Gewalt an Männern wirklich kostenlos und anonym?

Das Hilfetelefon Gewalt an Männern ist kostenlos und anonym. Der Anruf unter 0800 123 9900 taucht nicht auf der Telefonrechnung auf, und du musst deinen Namen nicht nennen. Neben dem Telefon gibt es eine Onlineberatung und einen Chat. Erreichbar ist die Beratung montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr.

Kann ich als Mann in ein Schutzangebot ziehen, wenn es zu Hause gefährlich wird?

Ja, für Männer in Gewaltsituationen gibt es Schutzangebote und Schutzwohnungen, auch wenn es weniger sind als für Frauen. Das Hilfetelefon Gewalt an Männern kennt die Angebote in den Bundesländern und vermittelt dir einen sicheren Platz. Auch die Zuweisung der gemeinsamen Wohnung an dich über das Gewaltschutzgesetz ist möglich, sodass die gewalttätige Person gehen muss statt du.

Muss ich Anzeige erstatten, wenn ich mich beraten lasse?

Nein, eine Beratung verpflichtet dich zu nichts. Du kannst dich anonym beraten lassen und in Ruhe überlegen, welche Schritte für dich passen. Auch Verletzungen kannst du beweissicher dokumentieren lassen, ohne sofort eine Anzeige zu machen. Die Unterlagen bleiben vertraulich, bis du sie brauchst. Ob und wann du zur Polizei gehst, entscheidest allein du.

Was ist, wenn mir vorgeworfen wird, ich sei der Täter?

Wenn dir zu Unrecht vorgeworfen wird, du seist der Täter, ist eine sachliche Dokumentation besonders wichtig. Halte Vorfälle mit Datum und Uhrzeit fest, sichere Nachrichten und lass Verletzungen ärztlich untersuchen. Das Hilfetelefon Gewalt an Männern und eine anwaltliche Beratung helfen dir, deine Sicht belegbar zu machen. Ruf im akuten Streit die Polizei, statt selbst gewalttätig zu werden.

Wo finde ich Hilfe, wenn ich als Junge oder junger Mann betroffen bin?

Als Junge oder junger Mann erreichst du kostenlos und anonym die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Dort beraten dich Fachleute zu Gewalt, Angst und schwierigen Situationen zu Hause. Bei akuter Gefahr wähle die 110. Auch das Hilfetelefon Gewalt an Männern ist für junge Erwachsene da und kann dich an ein passendes Angebot in deiner Nähe vermitteln.

Quellen

  1. Hilfetelefon Gewalt an Männern maennerhilfetelefon.de
  2. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes polizei-beratung.de
  3. Bundeskriminalamt zur Dunkelfeldstudie LeSuBiA bka.de

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