Einen Schutzplan bei Gewalt erstellen
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Schutzplan erhöht deine Sicherheit, egal ob du bleibst, dich vorbereitest oder gehst. Du planst ihn am besten, wenn es gerade ruhig ist.
- Eine Notfalltasche mit Papieren, Geld, Ersatzschlüssel, Medikamenten und einem eigenen Handy gehört an einen sicheren Ort außerhalb der Wohnung.
- Ein Codewort mit einer Vertrauensperson oder deinen Kindern sorgt dafür, dass im Notfall schnell Hilfe kommt.
- Die Zeit rund um eine Trennung ist besonders gefährlich. Kündige einen Auszug nicht an, sondern bereite ihn mit Beratung vor.
- Bei akuter Gefahr wähle die 110. Beratung und einen Platz im Frauenhaus vermittelt das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016, für Männer das Hilfetelefon unter 0800 123 9900.
Was ist ein Schutzplan und wozu brauche ich ihn?
Ein Schutzplan ist eine konkrete Vorbereitung darauf, wie du dich und deine Kinder in einer gefährlichen Situation schützt. Er beantwortet drei Fragen im Voraus: Wie erkenne ich, dass es gefährlich wird, wohin gehe ich, und was nehme ich mit. Gefährliche Angriffe lassen sich in einer gewalttätigen Beziehung nie ganz ausschließen, aber du kannst vieles tun, damit du im Ernstfall nicht erst überlegen musst, sondern handeln kannst.
Wichtig ist, den Plan in einer ruhigen Phase zu machen, nicht mitten in der Eskalation. In der Krise ist der Kopf voller Angst und der Spielraum klein. Ein Plan, den du vorher durchdacht hast, gibt dir in genau diesem Moment Halt. Er ist keine Entscheidung für oder gegen die Beziehung. Er ist deine Sicherheit, unabhängig davon, wie du dich später entscheidest.
Was gehört in einen Schutzplan?
Ein guter Schutzplan deckt vier Bereiche ab: die Einschätzung der Gefahr, eine gepackte Notfalltasche, einen Fluchtweg mit Codewort und ein klares Vorgehen im Notfall. Diese vier Phasen bauen aufeinander auf.
| Bereich | Was dazugehört |
|---|---|
| Gefahr einschätzen | Woran erkennst du, dass es gefährlich wird, etwa bestimmte Auslöser, Alkohol oder eine drohende Trennung. |
| Notfalltasche | Papiere, Geld, Ersatzschlüssel, Medikamente, Ladekabel, ein Wechsel Kleidung und Wichtiges für die Kinder. |
| Sicherer Ort | Wohin du gehst: eine Vertrauensperson, Verwandte oder ein Frauenhaus, und wie du dorthin kommst. |
| Codewort | Ein vereinbartes Wort, mit dem Kinder oder eine Vertrauensperson wissen, dass sie die Polizei rufen sollen. |
| Notfallnummern | Die 110 und weitere Nummern gespeichert und zusätzlich auf Papier, falls das Handy fehlt. |
Die Notfalltasche deponierst du am besten außerhalb der Wohnung, bei einer Freundin, einem Nachbarn oder Verwandten. Von wichtigen Dokumenten reichen Kopien, wenn du die Originale nicht unbemerkt mitnehmen kannst. Dazu gehören Ausweise und Pässe, Papiere der Kinder, Aufenthaltstitel, der Mietvertrag, Bankkarten und Unterlagen zu Konto und Einkommen. Ein eigenes Handy mit Guthaben und den wichtigsten Nummern ist Gold wert.
Wie bereite ich mich Schritt für Schritt vor?
Du musst nicht alles an einem Tag erledigen. Geh in kleinen, unauffälligen Schritten vor, damit die Vorbereitung nicht bemerkt wird. Diese Reihenfolge hat sich bewährt.
- Sprich mit einer Beratungsstelle. Das Hilfetelefon unter 116 016 hilft dir, deine Gefahr einzuschätzen und den Plan an deine Lage anzupassen.
- Pack nach und nach eine Notfalltasche und bring sie an einen sicheren Ort außerhalb der Wohnung.
- Leg dir Geld und einen Ersatzschlüssel zur Seite und deponiere sie ebenfalls sicher.
- Vereinbare ein Codewort mit einer Vertrauensperson und, altersgerecht, mit deinen Kindern.
- Präge dir Fluchtwege ein und überlege, in welchen Raum du dich bei einem Angriff begibst, am besten mit Tür nach draußen und ohne gefährliche Gegenstände.
- Speichere Notrufnummern und die Nummer eines Frauenhauses, und notiere sie zusätzlich auf einem Zettel in der Notfalltasche.
Worauf muss ich bei einer Trennung besonders achten?
Bei einer Trennung ist besondere Vorsicht wichtig, weil die Gefahr in dieser Zeit oft steigt statt sinkt. Viele schwere Übergriffe geschehen, wenn die gewalttätige Person die Kontrolle schwinden sieht. Deshalb ist es meist sicherer, einen Auszug nicht anzukündigen, sondern ihn still mit Unterstützung einer Beratungsstelle vorzubereiten und im geplanten Moment umzusetzen.
Beziehe deine Kinder altersgerecht ein. Erkläre ihnen, warum manches geheim bleiben muss, wie der Ablauf ist und wie sie sich verhalten sollen, etwa dass sie im Notfall selbst die 110 wählen dürfen. Wenn du in ein Frauenhaus gehst, halte dessen Nummer bereit. Das Hilfetelefon vermittelt dir bundesweit einen freien Platz und begleitet dich durch die ersten Schritte.
Bei akuter Gefahr wähle sofort die 110. Warte nicht ab, ob es sich beruhigt. Bring dich und deine Kinder an einen sicheren Ort. Beratung und einen Platz im Frauenhaus vermittelt das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016, rund um die Uhr, kostenlos und anonym. Männer erreichen das Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 9900. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111.
Achte darauf, dass deine Vorbereitung digital nicht auffällt. Lösche Suchverläufe, wenn du dich informiert hast, oder nutze das Gerät einer Vertrauensperson. Prüfe, ob dein Standort geteilt wird, und ändere Passwörter von einem sicheren Gerät aus. Wenn die andere Person Zugriff auf dein Handy hat, ist ein zweites, unbekanntes Telefon oft der sicherste Weg, Hilfe zu organisieren.
Wie schütze ich mich, wenn ich in der Wohnung bleibe?
Auch wenn du bleibst, kannst du einiges für deine Sicherheit tun. Überlege dir vorher, in welchen Raum du bei einem Streit gehst. Sicher ist ein Zimmer mit einer Tür nach draußen und ohne gefährliche Gegenstände. Küche und Bad mit harten Kanten und Messern eignen sich schlecht. Halte dein Handy immer bei dir, damit du im Notfall die 110 erreichst.
Weihe Menschen ein, die dir helfen können. Ein Nachbar, der bei lautem Streit die Polizei ruft, oder eine Freundin, die dein Codewort kennt, kann im Ernstfall entscheidend sein. Lass dich in einer aufgeladenen Situation möglichst nicht in die Enge treiben, und dräng auch die andere Person nicht in die Ecke. Deeskalation ist kein Nachgeben, sondern eine Möglichkeit, unbeschadet aus dem Moment zu kommen. Die große Frage nach der Zukunft der Beziehung klärst du in Sicherheit und mit Beratung, nicht mitten im Streit.
Was tue ich unmittelbar nach der Flucht?
Unmittelbar nach der Flucht steht deine Sicherheit an erster Stelle. Geh an den vorbereiteten sicheren Ort, zu einer Vertrauensperson oder in ein Frauenhaus, und lass die Adresse nicht durchsickern. Melde dich beim Hilfetelefon unter 116 016, wenn du noch keinen festen Zielort hast, es vermittelt dir rund um die Uhr einen freien Platz. Prüfe dein Handy auf Ortung, bevor du es weiter nutzt.
In den ersten Tagen sicherst du deine Rechte. Hol dir Beratung zu einer Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz und dokumentiere, was vorgefallen ist. Wenn die andere Person deine neue Adresse nicht erfahren darf, kannst du beim Einwohnermeldeamt eine Auskunftssperre beantragen. Kümmere dich außerdem um Geld, wichtige Papiere und, falls Kinder dabei sind, um Schule oder Kita am neuen Ort. Eine Beratungsstelle geht diese Liste mit dir durch.
Häufige Fragen
Was gehört in eine Notfalltasche bei häuslicher Gewalt?
In eine Notfalltasche bei häuslicher Gewalt gehören wichtige Papiere oder deren Kopien, etwas Geld, ein Ersatzschlüssel, Medikamente, ein Ladekabel, ein Wechsel Kleidung und das Nötigste für die Kinder. Sinnvoll ist ein eigenes Handy mit Guthaben und gespeicherten Notrufnummern. Deponiere die Tasche außerhalb der Wohnung bei einer Vertrauensperson, damit du im Notfall schnell darankommst, ohne lange zu suchen.
Warum ist die Zeit rund um eine Trennung besonders gefährlich?
Die Zeit rund um eine Trennung ist besonders gefährlich, weil viele schwere Übergriffe geschehen, wenn die gewalttätige Person die Kontrolle schwinden sieht. Deshalb ist es meist sicherer, einen Auszug nicht anzukündigen, sondern ihn mit Unterstützung einer Beratungsstelle still vorzubereiten. Ein durchdachter Schutzplan und ein sicherer Zielort senken das Risiko in dieser kritischen Phase deutlich.
Wie erkläre ich meinen Kindern den Schutzplan?
Deinen Kindern erklärst du den Schutzplan altersgerecht und ruhig. Sag ihnen, in welchen sicheren Raum sie im Notfall gehen, dass sie selbst die 110 wählen dürfen und was das vereinbarte Codewort bedeutet. Erkläre auch, warum manches geheim bleiben muss, ohne ihnen Angst zu machen. Kinder fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was zu tun ist, statt in einer Krise hilflos dazustehen.
Wie finde ich einen Platz im Frauenhaus?
Einen Platz im Frauenhaus findest du über das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016, das rund um die Uhr, kostenlos und anonym vermittelt und freie Plätze bundesweit kennt. Du kannst auch direkt bei einem Frauenhaus in deiner Nähe anrufen. Halte die Nummer griffbereit und speichere sie unauffällig. Ein Frauenhaus nimmt dich und deine Kinder auf und hilft dir bei den nächsten Schritten.
Was mache ich, wenn ich am Telefon nicht frei sprechen kann?
Wenn du am Telefon nicht frei sprechen kannst, hilft ein vorher vereinbartes Codewort. Damit weiß deine Vertrauensperson, dass sie die Polizei rufen soll, ohne dass die gewalttätige Person misstrauisch wird. Auch beim Notruf 110 kannst du in manchen Situationen mit knappen Angaben deine Adresse durchgeben. Sprich mit einer Beratungsstelle vorab durch, wie du im Ernstfall unauffällig Hilfe holen kannst.
Brauche ich einen Schutzplan auch, wenn ich noch nicht weggehen will?
Ja, ein Schutzplan ist auch dann sinnvoll, wenn du noch nicht weggehen willst oder kannst. Er erhöht deine Sicherheit in der aktuellen Situation und hält dir Möglichkeiten offen, falls sich die Lage zuspitzt. Ein Plan ist keine Entscheidung gegen die Beziehung, sondern eine Vorbereitung für den Notfall. Du kannst ihn in Ruhe mit einer Beratungsstelle erstellen und jederzeit anpassen.
Quellen
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen hilfetelefon.de
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes polizei-beratung.de
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bmfsfj.de
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