Helfer in der Krise

Suchtberatung und Therapie finden

Geprüft von der Redaktion

Suchtberatung und Therapie finden
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Suchtberatungsstelle ist bei einer Sucht meist der erste, kostenlose und vertrauliche Anlaufpunkt, offen für Betroffene und Angehörige.
  • Alle Gespräche unterliegen der Schweigepflicht. Ohne deine Zustimmung erfährt niemand davon, weder Arbeitgeber noch Familie noch Behörden.
  • In den Beratungsstellen arbeiten Sozialpädagogen, Psychologen und teils Ärzte zusammen, getragen meist von Wohlfahrtsverbänden oder Kommunen.
  • Von der Beratung aus führt bei Bedarf ein Weg zur Entwöhnungsbehandlung, die in der Regel die Deutsche Rentenversicherung oder die Krankenkasse bezahlt.
  • Selbsthilfegruppen wie das Blaue Kreuz ergänzen die fachliche Beratung durch den Austausch mit Menschen, die Ähnliches erleben oder erlebt haben.
  • Eine passende Beratungsstelle in der Nähe findet man über das bundesweite Suchthilfeverzeichnis der DHS, einfach nach Postleitzahl, oder anonym online über DigiSucht.

Die Suchtberatungsstelle ist der erste Anlaufpunkt bei einer Sucht

Wer ein Suchtproblem bei sich oder in der eigenen Familie vermutet, findet in einer Suchtberatungsstelle die niedrigschwelligste Form von Hilfe. Die Beratung ist in aller Regel kostenlos, weil Kommunen, Länder und Wohlfahrtsverbände sie finanzieren, und sie steht allen offen, die betroffen sind, ob als Konsumierende selbst oder als Angehörige. Einen Termin braucht es meist nicht lange im Voraus, viele Stellen bieten auch offene Sprechstunden ohne Anmeldung an.

Anders als oft befürchtet, ist der Gang in eine Beratungsstelle kein Schritt, der automatisch Folgen bei Arbeitgeber, Führerschein oder Jugendamt hat. Alle Gespräche unterliegen der Schweigepflicht, die Beratungsstellen geben ohne Zustimmung der ratsuchenden Person keine Informationen an Dritte weiter.

Wer in einer Suchtberatungsstelle arbeitet

In einer Suchtberatungsstelle arbeitet in der Regel ein Team aus mehreren Berufen zusammen, meist Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Psychologinnen und Psychologen, oft auch Ärzte oder Fachkräfte mit einer therapeutischen Zusatzausbildung. Getragen werden die Stellen überwiegend von den Wohlfahrtsverbänden, also von Caritas, Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt oder dem Paritätischen, sowie von Kommunen.

Eine bewährte Methode in der Beratung ist die motivierende Gesprächsführung, die die Psychologen William Miller und Stephen Rollnick entwickelt haben. Sie setzt nicht auf Vorhaltungen oder Druck, sondern hilft der ratsuchenden Person dabei, die eigenen Gründe für eine Veränderung selbst zu finden. Das ist mehr als ein netter Ton: Gerade weil Ambivalenz zum Suchtgeschehen dazugehört, wirkt eine Beratung, die diese Zwiespältigkeit ernst nimmt, nachhaltiger als eine, die schnelle Entscheidungen einfordert.

Was in der Suchtberatung tatsächlich passiert

In der Suchtberatung schildert man zunächst die eigene Situation, und gemeinsam mit dem Berater oder der Beraterin wird sortiert, was als Nächstes sinnvoll ist. Das kann eine Entgiftung sein, eine ambulante oder stationäre Entwöhnungsbehandlung, eine Selbsthilfegruppe oder zunächst nur ein regelmäßiges Gespräch, um überhaupt erst Klarheit zu gewinnen. Auch praktische Fragen gehören dazu: Wie spreche ich mit dem Arbeitgeber, was mache ich mit den Schulden, an wen wende ich mich bei rechtlichen Problemen.

Die Beratungsstelle übernimmt dabei auch eine Lotsenfunktion. Sie kennt die Wartezeiten der Kliniken in der Region, weiß, welche Krankenkasse oder Rentenversicherung für welchen Fall zuständig ist, und schreibt bei Bedarf den Sozialbericht, der für den Antrag auf eine Entwöhnungsbehandlung notwendig ist.

Beratung für Angehörige und das Thema Co-Abhängigkeit

Suchtberatung richtet sich ausdrücklich auch an Angehörige, also an Partner, Eltern, erwachsene Kinder oder Freunde. Sie können sich beraten lassen, ohne dass die betroffene Person selbst mitkommt oder überhaupt davon weiß. Das ist wichtig, weil Angehörige oft jahrelang mittragen, was eine Sucht im Alltag anrichtet, und dabei selbst an ihre Grenzen kommen.

Ein zentrales Thema in diesen Gesprächen ist die sogenannte Co-Abhängigkeit. Gemeint ist ein Verhalten, mit dem Angehörige die Sucht unbeabsichtigt am Laufen halten: Sie entschuldigen Fehlzeiten beim Arbeitgeber, gleichen Schulden aus oder übernehmen immer mehr Aufgaben, um den Schein zu wahren. Was aus Fürsorge geschieht, nimmt der betroffenen Person paradoxerweise den Druck, etwas zu verändern. Die Beratung hilft Angehörigen dabei, hilfreiche Unterstützung von schädlichem Schutz zu unterscheiden und dabei die eigene Gesundheit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Drei Wege der Hilfe ergänzen sich, statt sich zu ersetzen

Suchtberatungsstelle, Selbsthilfegruppe und Suchttherapie schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern lassen sich kombinieren, je nachdem, was gerade gebraucht wird. Die Beratungsstelle klärt und vermittelt, die Selbsthilfegruppe trägt über Jahre, und die Therapie setzt an der Abhängigkeit selbst an.

SuchtberatungsstelleSelbsthilfegruppeSuchttherapie
Wege zur Hilfe bei einer Sucht. Bild: KI generiert.

Die Angebote im Vergleich

AngebotKostenTypische DauerWas es leistet
SuchtberatungsstelleKostenlosEinzelgespräche, oft über Wochen bis MonateKlärung, Vermittlung, Sozialbericht für Anträge
SelbsthilfegruppeKostenlos oder geringer MitgliedsbeitragOffen, oft über JahreAustausch, gegenseitige Unterstützung, Rückhalt nach einer Therapie
Ambulante SuchttherapieVon Krankenkasse oder Rentenversicherung getragenMehrere Monate, ein bis zwei Termine pro WocheBehandlung der Abhängigkeit neben Alltag und Arbeit
Stationäre EntwöhnungsbehandlungVon Rentenversicherung oder Krankenkasse getragenMehrere Wochen bis wenige MonateIntensive Behandlung mit Abstand vom gewohnten Umfeld

Der Weg zur Entwöhnungsbehandlung führt über einen Antrag bei Renten- oder Krankenversicherung

Eine Entwöhnungsbehandlung muss beantragt werden, meist bei der Deutschen Rentenversicherung, wenn in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge eingezahlt wurden. Ohne diese Voraussetzung, etwa bei verbeamteten Personen oder ohne ausreichende Beitragszeit, prüft stattdessen die gesetzliche Krankenkasse die Kostenübernahme. Empfohlen wird die Behandlung meist vom Hausarzt, einer Fachärztin, dem Betriebsarzt oder eben der Suchtberatungsstelle.

Zum Antrag gehören ein ärztlicher Befundbericht und der Sozialbericht der Suchtberatungsstelle, der die bisherige Vorgeschichte und den Bedarf beschreibt. Die Behandlung selbst kann ambulant, ganztägig ambulant oder stationär stattfinden und dauert je nach Form mehrere Wochen bis Monate. Eine Zuzahlung von höchstens 10 Euro pro Tag für längstens 42 Tage im Jahr ist möglich, bei geringem Einkommen entfällt sie oft ganz.

Selbsthilfegruppen tragen über die Zeit nach der Beratung hinaus

Selbsthilfegruppen wie das Blaue Kreuz bringen Menschen zusammen, die dieselbe Erfahrung teilen, unabhängig davon, ob eine Therapie schon stattgefunden hat oder noch bevorsteht. Anders als eine Beratung oder Therapie sind sie zeitlich nicht befristet: Wer will, bleibt Jahre oder dauerhaft Teil einer Gruppe, auch als Rückhalt gegen einen Rückfall.

Viele Verbände bieten inzwischen neben den örtlichen Treffen auch Online-Gruppen an, für alle, die keine Gruppe vor Ort erreichen oder zunächst anonym bleiben wollen. Der Einstieg gelingt jederzeit, einen festen Startzeitpunkt oder eine Anmeldefrist gibt es nicht.

Eine Suchtberatungsstelle in der Nähe findet man über das bundesweite Verzeichnis der DHS

Eine passende Suchtberatungsstelle findet man am schnellsten über das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen im Internet. Dort reicht die Eingabe von Postleitzahl oder Ort, dazu lässt sich ein Umkreis von 2 bis 100 Kilometern einstellen, und die Trefferliste zeigt Adresse, Zuständigkeit und teils auch Beratung in weiteren Sprachen. Wer lieber zuerst telefonisch fragt, kann auch die Rufnummer der Krankenkasse oder der Kommune nutzen, die in der Regel an die zuständige Stelle weitervermittelt.

Online-Suchtberatung über DigiSucht

Wer den Weg in eine Beratungsstelle scheut oder keine in der Nähe erreicht, kann sich seit Oktober 2022 auch online beraten lassen, über die bundesweite Plattform DigiSucht. Die Beratung dort ist kostenlos und lässt sich vollständig anonym nutzen. An die Plattform sind mehrere Hundert örtliche Beratungsstellen und über tausend Fachkräfte angeschlossen, sodass man digital mit einer echten Beratungsstelle in Kontakt kommt und nicht mit einem anonymen Automatismus.

DigiSucht richtet sich an Betroffene ebenso wie an Angehörige und Eltern und deckt alle Themen ab, von Alkohol und anderen Substanzen über Glücksspiel bis zur exzessiven Mediennutzung. Der Austausch läuft schriftlich oder im Videogespräch, je nachdem, was für die ratsuchende Person passt. Damit ist die Hemmschwelle noch einmal niedriger als beim persönlichen Erstbesuch.

Die ersten Schritte auf dem Weg zur Beratung

  1. Über das Suchthilfeverzeichnis der DHS oder über DigiSucht eine Beratungsstelle finden.
  2. Anrufen oder die offene Sprechstunde nutzen, ein fester Termin ist meist nicht nötig.
  3. Die eigene Situation offen schildern, auch wenn sie unklar oder widersprüchlich wirkt.
  4. Gemeinsam mit der Beratung klären, ob Entgiftung, Therapie oder zunächst eine Selbsthilfegruppe sinnvoll ist.
  5. Bei Bedarf gemeinsam den Antrag auf Entwöhnungsbehandlung bei Rentenversicherung oder Krankenkasse vorbereiten.

Wenn dich die Sucht überfordert oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, die Sucht- und Drogen-Hotline unter 01806 313031, im Notfall die 112.

Häufige Fragen

Kostet eine Suchtberatung etwas?

Nein, die Beratung in einer Suchtberatungsstelle ist in aller Regel kostenlos, weil sie über Kommunen, Länder oder Wohlfahrtsverbände finanziert wird. Auch mehrere Gespräche über einen längeren Zeitraum kosten nichts.

Erfährt mein Arbeitgeber von meiner Suchtberatung?

Nein, alle Gespräche in einer Suchtberatungsstelle unterliegen der Schweigepflicht, und ohne deine Zustimmung erfährt niemand davon, auch nicht dein Arbeitgeber. Das gilt ebenso für Familie, Führerscheinstelle oder andere Behörden.

Kann ich mich als Angehöriger beraten lassen, auch ohne die betroffene Person?

Ja, eine Suchtberatung steht ausdrücklich auch Angehörigen offen, und du kannst sie ohne die betroffene Person und ohne deren Wissen in Anspruch nehmen. Ein wichtiges Thema ist dabei die Co-Abhängigkeit, also die Frage, wie man unterstützt, ohne die Sucht unbeabsichtigt am Laufen zu halten.

Wer bezahlt eine Entwöhnungsbehandlung?

Eine Entwöhnungsbehandlung bezahlt meist die Deutsche Rentenversicherung, wenn in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Monate Pflichtbeiträge eingezahlt wurden, sonst prüft die gesetzliche Krankenkasse die Kostenübernahme. Eine Zuzahlung von höchstens 10 Euro pro Tag für maximal 42 Tage im Jahr ist möglich und entfällt bei geringem Einkommen oft.

Kann ich eine Suchtberatung auch online in Anspruch nehmen?

Ja, über die bundesweite Plattform DigiSucht ist eine kostenlose und anonyme Online-Suchtberatung möglich, schriftlich oder im Videogespräch. Sie richtet sich an Betroffene und Angehörige und deckt Substanzen ebenso ab wie Glücksspiel und Mediennutzung.

Brauche ich eine Überweisung, um eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen?

Nein, eine Suchtberatungsstelle kannst du ohne Überweisung und ohne Anmeldung aufsuchen, viele bieten offene Sprechstunden an. Für eine Entwöhnungsbehandlung braucht es später einen ärztlichen Befund, den die Beratungsstelle mit dir zusammen organisiert.

Reicht eine Selbsthilfegruppe allein, oder brauche ich zusätzlich eine Therapie?

Ob eine Selbsthilfegruppe allein reicht, hängt vom Schweregrad der Sucht ab und lässt sich am besten in einer Suchtberatungsstelle klären. Bei einer ausgeprägten Abhängigkeit ersetzt eine Selbsthilfegruppe keine Entwöhnungsbehandlung, ergänzt sie aber sinnvoll, vor allem in der Zeit danach.

Quellen

  1. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Suchthilfeverzeichnis zur Suche nach Beratungsstellen. dhs.de
  2. Deutsche Rentenversicherung: Entwöhnungsbehandlung bei Abhängigkeitserkrankungen. deutsche-rentenversicherung.de
  3. Blaues Kreuz: Sucht-Selbsthilfegruppen vor Ort und online. blaues-kreuz.de
  4. DigiSucht: kostenlose und anonyme Online-Suchtberatung. suchtberatung.digital

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