Beratungsstellen für junge Menschen
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Für junge Menschen gibt es viele kostenlose Beratungsangebote, per Telefon, im Chat, per Mail oder persönlich vor Ort. Du musst dafür nichts bezahlen.
- Du hast ein Recht auf Beratung, auch ohne dass deine Eltern davon erfahren. Das steht in Paragraf 8 SGB VIII.
- Beratung ist vertraulich. Die Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht und geben nichts einfach weiter.
- Die Nummer gegen Kummer erreichst du kostenlos und anonym unter 116 111. Rund um die Uhr im Chat hilft dir krisenchat.
- Du brauchst kein großes Problem, um dir Hilfe zu holen. Reden hilft oft schon, bevor etwas richtig schlimm wird.
- Wenn es dir gerade sehr schlecht geht, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 116 123 da. Bei akuter Gefahr wähle 112.
Wo bekommst du als junger Mensch Beratung?
Beratung findest du auf ganz unterschiedlichen Wegen, und du darfst den wählen, der sich für dich am leichtesten anfühlt. Du kannst anonym anrufen, im Chat schreiben, eine Mail schicken oder persönlich in eine Beratungsstelle gehen. Fast alle diese Angebote sind kostenlos, viele sind rund um die Uhr erreichbar, und bei den meisten musst du nicht einmal deinen Namen nennen. Egal, ob es um Streit zu Hause, Liebeskummer, Angst, Mobbing, Sucht oder Geldsorgen geht: Für jedes Thema gibt es jemanden, der zuhört und weiterhilft.
Der wichtigste Satz zuerst: Du musst kein großes Problem haben, um dir Rat zu holen. Beratung ist nicht erst für den Notfall da. Oft hilft es schon, mit einer neutralen Person zu sprechen, bevor sich etwas festfährt. Und wenn du dir unsicher bist, ob dein Anliegen zählt, ist das genau die Situation, in der ein Anruf oder eine Nachricht sich lohnt.
Du hast ein Recht auf Beratung, auch ohne deine Eltern
Viele junge Menschen trauen sich nicht, weil sie denken, ihre Eltern müssten zustimmen oder würden alles erfahren. Das stimmt nicht. Nach Paragraf 8 SGB VIII haben Kinder und Jugendliche das Recht, sich in einer Not- oder Konfliktlage auch ohne Wissen der Eltern beraten zu lassen. Du kannst dich also selbst an eine Beratungsstelle wenden, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.
Das gilt besonders dann, wenn das Problem gerade mit deinen Eltern zusammenhängt, etwa bei Streit, Gewalt oder Überforderung zu Hause. Niemand zwingt dich, deine Eltern einzubeziehen. Eine gute Beratung wird mit dir gemeinsam überlegen, ob und wann es sinnvoll ist, jemanden aus der Familie dazuzuholen, aber du entscheidest das Tempo.
Beratung ist kostenlos, anonym und vertraulich
Drei Dinge machen Beratung sicher für dich. Erstens ist sie kostenlos, sowohl die telefonische Beratung als auch die Angebote der Beratungsstellen. Zweitens ist sie oft anonym, du musst also weder deinen Namen noch deine Adresse angeben, wenn du das nicht möchtest. Drittens ist sie vertraulich: Die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht und geben nichts ohne dich weiter.
Es gibt nur wenige Ausnahmen von der Vertraulichkeit, und die dienen deinem Schutz. Wenn Lebensgefahr besteht, etwa weil du oder ein anderer Mensch in akuter Gefahr ist, muss und wird eine Beratung handeln, um zu helfen. Das ist keine Bestrafung, sondern der Sinn der Sache. Ansonsten bleibt, was du erzählst, bei der Beratung. Du kannst also offen sprechen, ohne fürchten zu müssen, dass es am nächsten Tag in der Schule oder zu Hause bekannt ist. Genau diese Sicherheit ist der Grund, warum eine Beratung dir Dinge sagen darf und wird, die dir sonst niemand so ehrlich sagt.
Welche Beratungsstellen es gibt und wofür
Es gibt allgemeine Angebote für alle Themen und spezielle für bestimmte Fragen. Die folgende Übersicht hilft dir, die passende zu finden.
| Angebot | Wofür es da ist |
|---|---|
| Nummer gegen Kummer, 116 111 | Telefon und Mail für alle Sorgen, kostenlos und anonym |
| krisenchat | Chat rund um die Uhr für junge Menschen bis 25 in Krisen |
| bke-Jugendberatung | Online-Beratung im Chat, Forum und per Mail, anonym |
| JugendNotmail | vertrauliche Online-Beratung bei schweren Belastungen |
| Erziehungs- und Familienberatung | Beratung vor Ort nach Paragraf 28 SGB VIII, auch für dich |
| Schulsozialarbeit | schnelle Ansprache direkt an deiner Schule |
| Fachberatung | spezielle Stellen für Sucht, Sexualität, Schulden oder Essstörungen |
Beratung für ein bestimmtes Thema: von Sucht bis Sexualität
Neben den allgemeinen Angeboten gibt es Fachstellen, die sich auf ein Thema besonders gut auskennen. Wenn du mit Alkohol, Cannabis oder anderen Drogen zu kämpfen hast, ist eine Suchtberatung die richtige Adresse, und auch sie berät kostenlos und vertraulich. Für Fragen rund um Körper, Liebe, Sexualität und Verhütung ist zum Beispiel pro familia da. Bei Geldsorgen und Schulden hilft die Schuldnerberatung von Caritas, Diakonie oder deiner Kommune, und bei einem gestörten Essverhalten gibt es spezielle Beratungsstellen für Essstörungen.
Auch für schwere Themen gibt es geschützte Anlaufstellen. Wenn du Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebst oder erlebt hast, kannst du dich an spezialisierte Fachberatungsstellen wenden, bundesweit zum Beispiel an das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch. Der Vorteil einer Fachberatung ist, dass die Menschen dort genau dein Thema kennen und dir konkrete nächste Schritte zeigen können. Welche Stelle in deiner Nähe passt, erfährst du auch über die Nummer gegen Kummer, wenn du dir unsicher bist.
Was in einem Beratungsgespräch passiert
Viele haben ein mulmiges Gefühl vor dem ersten Kontakt, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Die Wahrheit ist unspektakulär: Es hört dir jemand zu. Du erzählst, was dich beschäftigt, so viel oder so wenig, wie du magst. Die Beratung fragt nach, ordnet ein und überlegt mit dir, wie es weitergehen kann. Es gibt kein richtig oder falsch, keine Noten und keine Vorwürfe.
Du musst dich auf nichts festlegen und kannst jederzeit sagen, dass du über etwas noch nicht reden willst. Ein erstes Gespräch verpflichtet dich zu nichts. Wenn es dir nicht passt oder die Chemie nicht stimmt, darfst du eine andere Stelle ausprobieren. Beratung ist ein Angebot, kein Zwang.
So findest du die passende Beratung
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, hilft dir diese Reihenfolge. Sie führt dich vom ersten Impuls zum konkreten Kontakt.
- Überlege grob, worum es geht, aber quäle dich nicht mit der perfekten Beschreibung.
- Wähle den Weg, der dir am leichtesten fällt: anrufen, chatten, schreiben oder hingehen.
- Für den schnellen Einstieg eignet sich die Nummer gegen Kummer unter 116 111.
- Für ein bestimmtes Thema suche gezielt eine Fachberatung, etwa zu Sucht oder Schulden.
- Bleib dran, wenn die erste Stelle nicht passt, und probiere eine andere aus.
Beratung rund um die Uhr, wenn es dir gerade schlecht geht
Manche Krisen halten sich nicht an Öffnungszeiten. Für solche Momente gibt es Angebote, die Tag und Nacht erreichbar sind. Über krisenchat kannst du rund um die Uhr im Chat schreiben, ohne Anmeldung, auch spät nachts. Die Telefonseelsorge ist ebenfalls immer erreichbar, kostenlos und anonym unter 116 123.
Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, nimm das ernst und sag es jemandem. Wende dich sofort an krisenchat, an die Telefonseelsorge oder, bei akuter Gefahr, an den Notruf 112. Es gibt Menschen, die dir durch diese Nacht helfen, und danach sieht vieles anders aus. Du musst das nicht allein durchstehen.
Wenn es dir schlecht geht, hol dir Hilfe, du musst nicht warten, bis es unerträglich wird. Die Nummer gegen Kummer ist für Kinder und Jugendliche kostenlos und anonym unter 116 111 erreichbar. Über krisenchat bekommst du rund um die Uhr Unterstützung im Chat. Die Telefonseelsorge hilft ebenfalls jederzeit unter 116 123. Wenn du oder ein anderer Mensch in akuter Lebensgefahr ist, wähle sofort 112.
Häufige Fragen
Erfahren meine Eltern, wenn ich mir Beratung hole?
Nein, nicht ohne dein Einverständnis. Nach Paragraf 8 SGB VIII darfst du dich in einer Not- oder Konfliktlage auch ohne Wissen deiner Eltern beraten lassen, und die Beratung unterliegt der Schweigepflicht. Du entscheidest selbst, ob und wann deine Eltern einbezogen werden. Nur bei akuter Lebensgefahr muss eine Beratung handeln, um zu schützen.
Kostet Beratung etwas?
Nein. Die telefonischen Angebote wie die Nummer gegen Kummer, die Online-Beratungen und die Erziehungs- und Familienberatungsstellen sind für dich kostenlos. Auch krisenchat ist gratis. Sei nur vorsichtig bei privaten Angeboten im Internet, die Geld verlangen, seriöse Beratung für junge Menschen kostet dich nichts.
Ist mein Problem groß genug für eine Beratung?
Ja, denn es gibt keine Mindestgröße für Sorgen. Beratung ist ausdrücklich auch für alltägliche Themen da, für Streit, Unsicherheit, Liebeskummer oder Stress in der Schule. Oft hilft ein Gespräch schon, bevor aus einer kleinen Sache eine große wird. Wenn dich etwas beschäftigt, ist das Grund genug, dich zu melden.
Was ist der Unterschied zwischen Chat, Telefon und persönlicher Beratung?
Sie unterscheiden sich vor allem in der Nähe. Ein Chat oder eine Mail ist besonders niedrigschwellig und anonym, gut für den ersten Schritt oder wenn dir Reden schwerfällt. Am Telefon hörst du eine echte Stimme, das ist persönlicher. In einer Beratungsstelle vor Ort kannst du regelmäßig und ausführlich an einem Thema arbeiten. Du darfst mit dem beginnen, was sich am leichtesten anfühlt.
Was mache ich, wenn ich mich gerade in einer akuten Krise befinde?
Dann hol dir sofort Hilfe, du musst das nicht allein aushalten. Über krisenchat bekommst du rund um die Uhr Unterstützung im Chat, die Telefonseelsorge erreichst du jederzeit unter 116 123. Wenn du daran denkst, dir etwas anzutun, oder in akuter Gefahr bist, wähle sofort den Notruf 112. Diese Hilfe ist genau für solche Momente da.
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