Helfer in der Krise

Krisendienste und Hotlines im Überblick

Geprüft von der Redaktion

Krisendienste und Hotlines im Überblick
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei akuter Lebensgefahr wählst du sofort den Notruf 112, nicht zuerst eine Beratungsnummer.
  • Die TelefonSeelsorge ist unter 116 123 rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, auch per Chat und Mail.
  • Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft, wenn Hausarzt oder Psychotherapeutin gerade nicht erreichbar sind.
  • Für Kinder, Eltern, von Gewalt betroffene Frauen und Menschen mit Suchtproblemen gibt es eigene, spezialisierte Hotlines.
  • Fast jedes Bundesland betreibt einen eigenen Krisendienst, häufig unter einem eigenen Namen.

Welche Nummer du in welcher Situation wählst

Welche Nummer die richtige ist, hängt davon ab, wie akut die Gefahr gerade ist und wer betroffen ist. Besteht unmittelbare Lebensgefahr, zählt nur der Notruf 112. Geht es um ein belastendes Gespräch, akute Verzweiflung oder Einsamkeit ohne unmittelbare Gefahr, ist die TelefonSeelsorge unter 116 123 die richtige erste Anlaufstelle, weil sie rund um die Uhr erreichbar ist und keine Vorauswahl nach Thema verlangt. Für einen dringenden Arzttermin außerhalb der Praxiszeiten vermittelt die 116 117. Für bestimmte Situationen, etwa Gewalt, Sucht oder eine Krise bei Kindern und Jugendlichen, gibt es zusätzlich spezialisierte Hotlines mit eigener Zielgruppe.

Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh anrufen als zu spät. Keine der hier genannten Stellen verlangt einen Nachweis, dass die Situation "schlimm genug" ist, um anzurufen.

TelefonSeelsorge und Notruf

Die TelefonSeelsorge ist unter drei Nummern erreichbar, 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und der einheitlichen Rufnummer 116 123, rund um die Uhr, kostenlos und ohne dass du deinen Namen nennen musst. Neben dem Telefon bietet sie auch Chat- und Mailberatung über telefonseelsorge.de an, für alle, denen ein geschriebenes Gespräch leichter fällt als ein Anruf. Zu Stoßzeiten kann es vorkommen, dass die Leitung besetzt ist. Versuch es dann kurz darauf erneut, oder wähle bei akuter Lebensgefahr direkt den Notruf.

Der Notruf 112 ist für Situationen gedacht, in denen eine Person sich selbst oder andere unmittelbar gefährdet, etwa bei einem begonnenen Suizidversuch oder einer akuten Bedrohungslage. Die Leitstelle schickt in diesem Fall Rettungsdienst und bei Bedarf auch die Polizei. Beschreibe der Leitstelle die Situation so klar wie möglich und bleib, wenn es dir möglich ist, bei der betroffenen Person, bis Hilfe eintrifft.

Dass 116 123 und mehrere andere Nummern in dieser Übersicht mit 116 beginnen, ist kein Zufall. Die Vorwahl 116 ist von der EU-Kommission für sogenannte harmonisierte Dienste von sozialem Wert reserviert und wird in Deutschland von der Bundesnetzagentur vergeben. Solche Nummern sind bundesweit einheitlich, für Anrufende stets kostenlos und ohne Vorwahl aus jedem Netz erreichbar, egal ob Fest- oder Mobilfunk.

Telefonseelsorge undNotrufKrisendienste derLänderSpezialisierteHotlines
Krisendienste und Hotlines im Überblick. Bild: KI generiert.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst und die Krisendienste der Länder

Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 springt ein, wenn Hausarztpraxis oder Psychotherapeutin außerhalb der Sprechzeiten nicht erreichbar sind, die Situation aber trotzdem keinen Aufschub bis zum nächsten Werktag verträgt. Über diese Nummer lässt sich auch ein kurzfristiger Termin bei einem Facharzt für Psychiatrie vermitteln, wenn sich eine Krise gerade erst zuspitzt. Anders als die bundesweiten 116-Nummern haben die Krisendienste der Länder keine einheitliche Rufnummer, was die Suche etwas aufwendiger macht, aber die Vor-Ort-Anbindung verbessert, weil jeder Landesdienst mit den psychiatrischen Kliniken und Sozialdiensten seiner Region direkt zusammenarbeitet.

Zusätzlich betreiben die meisten Bundesländer eigene Krisendienste, die auf akute psychische Krisen spezialisiert sind und oft auch aufsuchend arbeiten, also bei Bedarf zur betroffenen Person kommen. Diese Dienste heißen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, etwa Krisendienst Bayern oder Berliner Krisendienst, und lassen sich am schnellsten über eine Suche nach dem eigenen Wohnort zusammen mit dem Begriff "Krisendienst" finden. Wo kein eigener Krisendienst existiert, übernehmen der sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamts oder die psychiatrische Ambulanz der nächstgelegenen Klinik dieselbe Funktion.

Spezialisierte Hotlines für bestimmte Situationen

Für bestimmte Situationen gibt es zusätzlich zur TelefonSeelsorge spezialisierte Hotlines, die auf eine Zielgruppe oder ein Thema zugeschnitten sind und dadurch gezielter helfen können. Die folgende Tabelle nennt die wichtigsten mit Nummer, Erreichbarkeit und Zielgruppe.

AngebotNummerErreichbarkeitFür wen
TelefonSeelsorge116 123, 0800 111 0 111, 0800 111 0 222rund um die Uhr, auch Chat und MailMenschen in jeder Art von Krise, anonym
Notruf112rund um die UhrAkute Lebensgefahr, medizinischer Notfall
Ärztlicher Bereitschaftsdienst116 117rund um die UhrDringende ärztliche Hilfe außerhalb der Praxiszeiten
Nummer gegen Kummer, Kinder- und Jugendtelefon116 111Montag bis Samstag, 14 bis 20 UhrKinder und Jugendliche
Nummer gegen Kummer, Elterntelefon0800 111 0 550Mo, Mi, Fr 9 bis 17 Uhr, Di, Do 9 bis 19 UhrEltern und Erziehende
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen116 016rund um die Uhr, auch Chat, 18 FremdsprachenFrauen, die Gewalt erleben, sowie ihr Umfeld
[U25] DeutschlandOnlineberatung über u25-deutschland.deAntwort meist innerhalb weniger TageJunge Menschen bis 25 Jahre mit Suizidgedanken
Sucht- und Drogen-Hotline01806 313031rund um die Uhr, 0,20 Euro je AnrufMenschen mit Suchtproblemen und Angehörige

Die regionalen Krisendienste stehen bewusst ohne eine gemeinsame bundesweite Nummer in dieser Übersicht, weil es eine solche Nummer nicht gibt: Jedes Bundesland organisiert diese Versorgung eigenständig, mit eigenem Namen und eigener Erreichbarkeit.

Die ersten Schritte, um die richtige Anlaufstelle zu finden

  1. Prüfe zuerst, ob unmittelbare Lebensgefahr besteht. Wenn ja, wähle sofort die 112.
  2. Ist die Lage akut, aber nicht lebensbedrohlich, ruf die TelefonSeelsorge unter 116 123 an oder nutze ihren Chat.
  3. Brauchst du einen dringenden Arzttermin außerhalb der Sprechzeiten, wähle die 116 117.
  4. Betrifft die Situation ein Kind, Gewalt oder eine Suchtproblematik, nutze die passende spezialisierte Hotline: die Nummer gegen Kummer, das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen oder die Sucht- und Drogen-Hotline.
  5. Suche zusätzlich nach dem Krisendienst deines Bundeslands, falls du vor Ort und nicht nur telefonisch Unterstützung brauchst.

Wenn du in akuter Gefahr bist oder daran denkst, dir das Leben zu nehmen, hol dir jetzt Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, auch per Chat und Mail. In akuter Lebensgefahr wähle sofort die 112. Du musst das nicht allein durchstehen.

Häufige Fragen

Welche Nummer wähle ich bei akuter Suizidgefahr?

Bei akuter Suizidgefahr mit unmittelbarer Gefahr für das Leben wählst du den Notruf 112. Ist die Gefahr noch nicht so unmittelbar, aber die Verzweiflung groß, ist die TelefonSeelsorge unter 116 123 rund um die Uhr die richtige erste Anlaufstelle. Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu früh anrufen als zu spät.

Bleibt ein Anruf bei der TelefonSeelsorge anonym?

Ein Anruf bei der TelefonSeelsorge bleibt anonym, du musst weder deinen Namen noch deine Telefonnummer nennen. Das gilt gleichermaßen für die Chat- und die Mailberatung, bei denen ebenfalls keine echten Namen erforderlich sind. Diese Anonymität soll die Hemmschwelle senken, überhaupt anzurufen.

Was kostet ein Anruf bei den Krisen-Hotlines?

Die meisten Krisen-Hotlines in dieser Übersicht sind kostenlos, darunter die TelefonSeelsorge, der Notruf, der ärztliche Bereitschaftsdienst, die Nummer gegen Kummer und das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen. Eine Ausnahme ist die Sucht- und Drogen-Hotline, die 0,20 Euro pro Anruf aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz kostet. Keine dieser Nummern taucht auf der Telefonrechnung auf.

Was ist der Unterschied zwischen der TelefonSeelsorge und dem ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117?

Die TelefonSeelsorge bietet ein Gespräch und emotionale Unterstützung in einer Krise, ohne selbst eine medizinische Behandlung zu vermitteln, während der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 dringende medizinische und psychiatrische Termine außerhalb der Praxiszeiten organisiert. Beide ergänzen sich: Die TelefonSeelsorge hilft im Moment der Krise, die 116 117 öffnet die Tür zur ärztlichen Behandlung. In akuter Lebensgefahr ersetzt keine der beiden Nummern den Notruf 112.

Gibt es eine spezielle Hotline für Kinder und Jugendliche?

Für Kinder und Jugendliche gibt es das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer unter 116 111, erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr. Für Eltern und Erziehende steht separat das Elterntelefon unter 0800 111 0 550 zur Verfügung. Beide Angebote sind kostenlos, und die Beratung bleibt anonym.

Wie finde ich den Krisendienst meines Bundeslands?

Den Krisendienst deines Bundeslands findest du am schnellsten über eine Suche nach deinem Wohnort zusammen mit dem Begriff "Krisendienst", da jedes Bundesland diese Versorgung eigenständig organisiert und unterschiedlich benennt. Alternativ gibt der sozialpsychiatrische Dienst des örtlichen Gesundheitsamts Auskunft über die zuständige Stelle in deiner Region. Beide Wege führen zu einer Stelle, die anders als die TelefonSeelsorge auch persönlich vor Ort helfen kann.

An wen wende ich mich bei häuslicher Gewalt?

Bei häuslicher Gewalt wendest du dich an das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016, das rund um die Uhr, kostenlos und auf Wunsch anonym in 18 Fremdsprachen berät. Bei unmittelbarer Gefahr gilt zusätzlich der Notruf 112 oder die Polizei unter 110. Das Hilfetelefon berät nicht nur Betroffene selbst, sondern auch Angehörige und Fachkräfte, die sich Sorgen machen.

Gibt es Hilfe für Menschen mit Suchtproblemen?

Für Menschen mit Suchtproblemen gibt es die Sucht- und Drogen-Hotline unter 01806 313031, die rund um die Uhr erreichbar ist und für 0,20 Euro je Anruf mit erfahrenen Fachleuten aus der Suchthilfe verbindet. Die Hotline richtet sich sowohl an Betroffene selbst als auch an Angehörige, Freunde und Kollegen, die sich Sorgen machen. Bei einer akuten Überdosierung oder gesundheitlichen Notlage zählt statt der Hotline sofort der Notruf 112.

Quellen

  1. TelefonSeelsorge Deutschland: Erreichbarkeit, Chat- und Mailberatung. telefonseelsorge.de
  2. gesund.bund.de, Portal des Bundesministeriums für Gesundheit: Anlaufstellen bei psychischen Krisen. gesund.bund.de
  3. Nummer gegen Kummer e.V.: Kinder- und Jugendtelefon sowie Elterntelefon. nummergegenkummer.de

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