Helfer in der Krise

Was bei Suizidgedanken jetzt hilft

Geprüft von der Redaktion

Was bei Suizidgedanken jetzt hilft
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Suizidgedanken sind ein Zeichen für unerträglich gewordenen seelischen Schmerz, nicht für den Wunsch zu sterben.
  • Der Wunsch zu sterben ist fast immer ein vorübergehender Zustand. Mit Hilfe lässt die Krise nach.
  • Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, auch per Chat und Mail.
  • Den Moment zu überbrücken und dich jemandem anzuvertrauen, senkt die Gefahr sofort und spürbar.
  • Bei akuter Lebensgefahr zählt jede Minute: Der Notruf 112 hilft ohne Umweg.

Was bedeuten Suizidgedanken?

Suizidgedanken bedeuten meist nicht, dass du sterben willst, sondern dass du so, wie es gerade ist, nicht mehr weiterleben kannst. Der Schmerz, die Erschöpfung oder die Ausweglosigkeit sind in diesem Moment größer als alles andere, und der Kopf sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus genau diesem Zustand. Suizidgedanken sind damit ein Symptom, vergleichbar mit anderen Warnzeichen einer seelischen Krise. Sie zeigen an, dass etwas dringend Aufmerksamkeit braucht, nicht, dass eine Entscheidung bereits gefallen ist.

Fachleute unterscheiden passive und aktive Suizidgedanken. Passive Gedanken sind der Wunsch, einfach nicht mehr da zu sein oder nicht mehr aufzuwachen, ohne dass ein Plan dahintersteht. Aktive Gedanken gehen weiter und beziehen konkrete Vorstellungen mit ein, wie, wann oder wo. Nahezu jeder Mensch hat irgendwann im Leben zumindest kurz mit dem Gedanken gespielt, dass alles einfacher wäre, wenn er nicht mehr da wäre. Das allein macht dich nicht zu einem besonderen Fall. Es macht dich zu einem Menschen, der gerade sehr viel trägt.

Fast immer stecken beide Seiten gleichzeitig in einem Menschen mit Suizidgedanken: der Wunsch, dass der Schmerz aufhört, und der Wunsch weiterzuleben. Dieser innere Konflikt heißt Ambivalenz, und er ist der wichtigste Ansatzpunkt für Hilfe. Wer mit dir über Suizidgedanken spricht, spricht fast immer mit dem Teil in dir, der leben will, auch wenn sich das im Moment nicht so anfühlt.

Warum diese Gedanken wieder vergehen

Der Wunsch zu sterben ist in einer Krise fast immer nur vorübergehend da, auch wenn er sich in diesem Moment endgültig anfühlt. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe formuliert es so: Jede gewonnene Minute kann helfen, denn der Wunsch zu sterben ist häufig ein vorübergehender Zustand. Selbst in sehr belastenden Lebensphasen kehrt der Lebensmut zurück. Das ist keine leere Beruhigungsformel, sondern eine Beobachtung aus jahrzehntelanger klinischer Erfahrung mit genau dieser Krise.

Suizidgedanken treten überwiegend im Rahmen behandelbarer Zustände auf, etwa einer Depression, einer akuten Belastungsreaktion oder einer anderen seelischen Erkrankung. Wird diese Erkrankung behandelt, lassen die Suizidgedanken in aller Regel nach. Das bedeutet nicht, dass eine Behandlung sofort wirkt oder dass der Schmerz von heute auf morgen verschwindet. Es bedeutet, dass es einen Weg gibt, der nicht durch den Tod führt, auch wenn er in der akuten Krise gerade unsichtbar ist. Wer diese Krise übersteht, gewinnt fast immer die Möglichkeit zurück, das Leben wieder anders zu sehen.

1Den Moment aushalten2Mit jemandem sprechen3Zugang zu Gefahr entfernen4Professionelle Hilfe holen
Was bei Suizidgedanken jetzt hilft. Bild: KI generiert.

Was in diesem Moment sofort hilft

In einer akuten Krise hilft vor allem, die nächsten Minuten zu überstehen und dabei nicht allein zu bleiben. Vier Dinge kannst du sofort tun, unabhängig davon, wie die Krise begonnen hat.

Den Moment selbst kannst du überbrücken. Nimm dir vor, nur die nächsten zehn Minuten durchzustehen, statt über den ganzen Tag oder das ganze Leben nachzudenken. Das kann die Anspannung spürbar senken. Etwas Konkretes zu tun hilft dabei: kaltes Wasser über die Hände laufen lassen, laut zählen, ein Fenster öffnen, den Raum wechseln. Es geht nicht darum, das Problem zu lösen. Es geht darum, den Moment zu überstehen, bis Hilfe erreichbar ist.

Vertrau dich jemandem an. Das entlastet fast immer, auch wenn die Scheu davor groß ist. Das kann ein vertrauter Mensch sein, jemand aus der Familie, eine Freundin oder ein Freund, oder eine fremde Stimme am Telefon der TelefonSeelsorge. Wichtig ist nicht, wer zuhört, sondern dass jemand zuhört. Der innere Druck, allein mit diesen Gedanken zu sein, ist oft ein großer Teil der Not.

Wo es geht, verringere den Zugang zu allem, was in diesem Moment gefährlich werden könnte, und sei es nur, indem ein anderer Mensch das für eine Weile übernimmt oder einfach in deiner Nähe bleibt. Diesen Schritt musst du nicht allein gehen. Wenn du selbst gerade nicht weißt, wie das gehen soll, darfst du genau das am Telefon sagen.

Und professionelle Hilfe ist immer erreichbar, auch nachts, auch am Wochenende, auch an Feiertagen. Die TelefonSeelsorge ist dafür da, unabhängig davon, wie dringend oder wie klein deine Krise dir gerade erscheint.

Wo es sofort Hilfe gibt

Mehrere Anlaufstellen sind in Deutschland kostenlos, anonym und ohne Wartezeit auf einen Termin erreichbar. Welche davon zu dir passt, hängt davon ab, wie akut die Lage gerade ist und ob du am liebsten telefonierst, schreibst oder persönlich sprichst.

AngebotErreichbarkeitKontakt
Notruf bei akuter Lebensgefahrrund um die Uhr112
TelefonSeelsorgerund um die Uhr, kostenlos, anonym116 123, Chat und Mail über telefonseelsorge.de
Nummer gegen Kummer (bis 25 Jahre)Mo bis Sa, 14 bis 20 Uhr116 111
[U25] Onlineberatung (bis 25 Jahre)Antwort meist innerhalb von 48 Stundenu25-deutschland.de, anonym per Mail
Terminservicestelle für einen zeitnahen Facharztterminwerktags116 117
Nächstgelegene psychiatrische Klinikrund um die Uhrdirekt aufsuchen, kein Termin nötig

Zu Stoßzeiten kann es vorkommen, dass die TelefonSeelsorge nicht sofort erreichbar ist. Versuch es dann noch einmal oder weich auf den Chat aus. Bei akuter Lebensgefahr solltest du ohne Umweg die 112 wählen, oder direkt in die Notaufnahme der nächsten psychiatrischen Klinik gehen.

Was über den Moment hinaus hilft

Über die akute Krise hinaus hilft vor allem eine Behandlung der zugrunde liegenden seelischen Belastung, sei es eine Depression, eine Angststörung oder eine andere Erkrankung. Der erste Schritt dahin ist meist die hausärztliche oder psychiatrische Praxis, ein Psychotherapeut oder eine Psychotherapeutin. Wenn du aktuell Suizidgedanken hast, sprich sie beim Termin klar an, auch wenn das schwerfällt. Es kann helfen, sich vorher aufzuschreiben, was gesagt werden soll, zum Beispiel: In letzter Zeit bin ich so verzweifelt, dass ich manchmal Gedanken habe, mir etwas anzutun.

Ein Krisenplan ist eine schriftliche Vorbereitung für den nächsten schwierigen Moment, angelegt, solange es gerade etwas ruhiger ist. Er enthält typischerweise Warnzeichen, an denen du eine beginnende Krise erkennst, eigene Strategien, die schon einmal geholfen haben, und die Telefonnummern der Menschen und Stellen, die du im Ernstfall anrufen kannst. In einer akuten Krise fällt klares Denken schwer. Ein Krisenplan nimmt dir einen Teil dieser Entscheidung vorweg, für den Moment, in dem dafür keine Kraft mehr bleibt.

Die ersten Schritte bei akuten Suizidgedanken

  1. Hol dir sofort jemanden dazu, egal ob persönlich, am Telefon oder im Chat. Allein mit diesen Gedanken zu bleiben, macht die Krise schwerer als sie sein muss.
  2. Ruf die TelefonSeelsorge unter 116 123 an oder schreib in den Chat auf telefonseelsorge.de. Das Gespräch ist kostenlos, anonym und rund um die Uhr möglich.
  3. Bitte jemanden, alles wegzuräumen oder für eine Weile zu übernehmen, was in diesem Moment gefährlich werden könnte, wenn du das gerade nicht allein tun kannst.
  4. Vereinbare einen zeitnahen Termin bei einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten, oder geh direkt in die nächste psychiatrische Klinik, wenn die Anspannung nicht nachlässt.
  5. Leg dir, sobald es geht, eine kurze Liste mit Kontakten an, die im nächsten schwierigen Moment sofort griffbereit ist.

Wenn du in akuter Gefahr bist oder daran denkst, dir das Leben zu nehmen, hol dir jetzt Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, auch per Chat und Mail. In akuter Lebensgefahr wähle sofort die 112. Du musst das nicht allein durchstehen.

Häufige Fragen

Bedeuten Suizidgedanken, dass ich es tatsächlich tun werde?

Nein, Suizidgedanken bedeuten nicht, dass eine Entscheidung bereits gefallen ist. Sie zeigen an, dass der seelische Schmerz gerade unerträglich groß erscheint, und die meisten Menschen mit Suizidgedanken sind gleichzeitig hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, dass der Schmerz aufhört, und dem Wunsch weiterzuleben.

Wie lange halten Suizidgedanken normalerweise an?

Suizidgedanken sind meist ein vorübergehender Zustand, der mit der akuten Krise steigt und wieder abklingt, besonders wenn die zugrunde liegende Belastung behandelt wird. Wie lange die einzelne Krise dauert, ist von Mensch zu Mensch verschieden, aber sie geht in aller Regel vorüber.

Was kann ich tun, wenn die TelefonSeelsorge gerade besetzt ist?

Zu Stoßzeiten kann es vorkommen, dass die TelefonSeelsorge nicht beim ersten Versuch erreichbar ist. Es hilft, es kurz danach erneut zu versuchen oder auf den Chat unter telefonseelsorge.de auszuweichen. Bei akuter Lebensgefahr solltest du ohne Umweg die 112 wählen oder die nächste psychiatrische Klinik aufsuchen.

Muss ich zu einem Arzt oder einer Therapeutin, wenn ich Suizidgedanken habe?

Ein Arztbesuch ist bei wiederkehrenden Suizidgedanken der Weg zu einer Behandlung, die diese Gedanken langfristig lindert. Die hausärztliche Praxis ist dabei ein guter erster Anlaufpunkt, ebenso eine psychiatrische Praxis oder ein Psychotherapeut, und die Terminservicestelle unter 116 117 vermittelt bei Bedarf einen zeitnahen Termin.

Was ist ein Krisenplan, und wozu dient er?

Ein Krisenplan ist eine schriftliche Übersicht aus ruhigeren Momenten, die im nächsten schwierigen Moment sofort griffbereit ist. Er listet eigene Warnzeichen, bewährte Bewältigungsstrategien und die Telefonnummern der Menschen und Stellen auf, die im Ernstfall angerufen werden können.

Wie spreche ich mit einer Ärztin oder einem Therapeuten über Suizidgedanken?

Suizidgedanken solltest du bei Behandelnden direkt und klar ansprechen, auch wenn das schwerfällt. Es hilft, sich vorher einen Satz zurechtzulegen und aufzuschreiben, etwa: In letzter Zeit bin ich so verzweifelt, dass ich manchmal Gedanken habe, mir etwas anzutun.

Was, wenn ich mit niemandem aus meinem Umfeld darüber sprechen will?

Ein Gespräch mit deinem Umfeld ist keine Voraussetzung für Hilfe. Die TelefonSeelsorge und die Onlineberatung von [U25] sind anonym, dein Umfeld erfährt davon nichts, und auch eine ärztliche oder therapeutische Praxis unterliegt der Schweigepflicht.

Kommen Suizidgedanken nach einer erfolgreichen Behandlung wieder?

Suizidgedanken können in einer erneuten Krise zurückkehren, auch nach einer erfolgreichen Behandlung. Ein vorbereiteter Krisenplan und eine bestehende Anbindung an eine Praxis oder Therapeutin verkürzen dann den Weg zurück zur Hilfe erheblich.

Quellen

  1. Informationen zur TelefonSeelsorge, Erreichbarkeit rund um die Uhr sowie Chat- und Mailberatung. telefonseelsorge.de
  2. Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Suizidalität erkennen und Hilfe finden, Informationen für Menschen mit Suizidgedanken und Angehörige. deutsche-depressionshilfe.de
  3. Freunde fürs Leben e.V.: Informationen und Warnzeichen zu Suizid und Suizidgedanken bei jungen Menschen. frnd.de

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