Helfer in der Krise

Verdacht auf Essstörung: erste Schritte

Geprüft von der Redaktion

Verdacht auf Essstörung: erste Schritte
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn du den Verdacht hast, eine Essstörung zu haben, ist der erste Schritt ein Gespräch, keine Diagnose und keine sofortige Therapie.
  • Du musst dir nicht sicher sein, bevor du dir Hilfe holst. Ein ungutes Gefühl über dein Essverhalten reicht als Grund völlig aus.
  • Eine Beratungsstelle hört zu, ordnet ein und zeigt dir die nächsten Möglichkeiten, kostenlos und oft anonym.
  • Die körperliche Seite lässt du bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt abklären. Das gehört von Anfang an dazu.
  • Je früher du reagierst, desto besser sind die Aussichten. Früh Hilfe zu suchen ist kein Überreagieren.
  • Kostenlose Beratung gibt es beim Beratungstelefon Essstörungen der BZgA unter 0221 892031 und bei Fachstellen wie ANAD.

Was tun bei Verdacht auf eine Essstörung?

Der erste Schritt bei einem Verdacht auf eine Essstörung ist, mit jemandem darüber zu sprechen, am besten mit einer Beratungsstelle. Das ist bewusst ein kleiner Schritt. Du musst dich damit zu nichts verpflichten, keine Diagnose annehmen und keine Therapie beginnen. Es geht nur darum, das erste Mal auszusprechen, was in dir vorgeht, und von jemandem eingeordnet zu bekommen, ob und wie es weitergeht.

Viele Betroffene warten lange, oft Jahre, bis sie sich Hilfe holen. Die Gründe sind fast immer dieselben: Scham, die Angst, übertrieben zu wirken, und der Gedanke, es sei ja noch nicht schlimm genug. Genau dieser Gedanke ist die gefährlichste Bremse. Eine Essstörung wird mit der Zeit nicht leichter zu behandeln, sondern schwerer. Deshalb gilt: Der beste Zeitpunkt für den ersten Schritt ist immer der jetzige.

Und noch etwas ist wichtig: Du musst dir nicht sicher sein, dass du eine Essstörung hast. Ein anhaltend ungutes Gefühl über dein Verhältnis zum Essen, zum Gewicht oder zu deinem Körper ist Grund genug, dir Unterstützung zu holen. Die Einordnung übernehmen dann die Fachleute.

Woran du einen Verdacht festmachst

Ein Verdacht muss sich nicht an einem einzelnen Merkmal festmachen. Oft ist es ein Bauchgefühl, dass das Essen zu viel Raum einnimmt. Die folgenden Fragen helfen dir, das Gefühl greifbarer zu machen. Sie ersetzen keine Diagnose, aber wenn du mehrere davon mit Ja beantwortest, ist das ein deutliches Zeichen, das Gespräch zu suchen.

  • Kreisen deine Gedanken oft und lange um Essen, Kalorien, Gewicht oder deinen Körper?
  • Bestimmen Essensregeln, Verzicht oder Essanfälle deinen Alltag?
  • Fühlst du dich nach dem Essen häufig schuldig oder hast das Bedürfnis, etwas ausgleichen zu müssen?
  • Ziehst du dich zurück, meidest gemeinsame Mahlzeiten oder versteckst dein Essverhalten?
  • Hängt dein Selbstwert stark davon ab, was die Waage oder der Spiegel zeigt?
  • Bemerkst du körperliche Zeichen wie ständiges Frieren, Erschöpfung oder Schwindel?
1Wahrnehmen2Aussprechen3Ärztlich abklären4Beratung suchen5Therapie beginnen
Die ersten Schritte bei Verdacht auf eine Essstörung, einer nach dem anderen und in deinem Tempo. Bild: KI generiert.

Der erste Schritt ist ein Gespräch, keine Diagnose

Sich Hilfe zu holen fühlt sich oft nach einer großen, endgültigen Entscheidung an. Das ist es nicht. Der erste Kontakt ist ein Gespräch, in dem du nichts beweisen und dich zu nichts festlegen musst. Eine Beratungsstelle für Essstörungen ist genau für diesen Moment da. Die Beraterinnen und Berater kennen das Zögern, urteilen nicht und gehen in deinem Tempo vor.

Wenn dir ein persönliches Gespräch zu groß erscheint, beginne am Telefon. Das Beratungstelefon Essstörungen der BZgA berät kostenlos und auf Wunsch anonym unter 0221 892031. Auch viele Beratungsstellen bieten eine Beratung per Telefon, Chat oder E-Mail an, sodass du nicht gleich jemandem gegenübersitzen musst. Diese Anonymität senkt die Hürde, und für viele Betroffene ist sie der Grund, warum der erste Schritt überhaupt gelingt.

Die körperliche Seite ärztlich abklären

Neben dem Gespräch gehört von Anfang an eine ärztliche Abklärung dazu. Eine Essstörung wirkt sich auf den Körper aus, auch wenn du dich noch leistungsfähig fühlst und auch dann, wenn dein Gewicht unauffällig ist. Deine Hausärztin oder dein Hausarzt kann prüfen, wie es um deinen Körper steht, etwa um Herz, Kreislauf, Blutwerte und Mineralstoffe, und ist zugleich ein guter Wegweiser zu einer passenden Behandlung.

Vor diesem Termin musst du dich nicht schämen und musst auch nicht schon alles benennen können. Es reicht, offen zu sagen, dass du dir um dein Essverhalten Sorgen machst. Ärztinnen und Ärzte sind an solche Gespräche gewöhnt und behandeln dich vertraulich. Wenn du dich unsicher fühlst, nimm eine Vertrauensperson mit.

Wo du kostenlose Beratung findest

Es gibt mehr Anlaufstellen, als viele denken, und die meisten kosten nichts. Der Einstieg gelingt oft am leichtesten über eine der überregionalen Stellen, die dich dann bei Bedarf an ein Angebot in deiner Nähe weiterleiten.

AnlaufstelleWas sie bietet
Beratungstelefon Essstörungen der BZgAKostenlose, auf Wunsch anonyme telefonische Beratung unter 0221 892031 und eine Datenbank mit Beratungsstellen vor Ort.
ANADFachberatung für Betroffene und Angehörige, telefonisch, online und persönlich.
Bundesfachverband EssstörungenÜbersicht über Fachberatungsstellen und Hinweise zu freien Therapieplätzen.
Beratungsstellen vor OrtPersönliche Gespräche in deiner Nähe, oft angebunden an Kliniken oder Wohlfahrtsverbände.

Was dich beim ersten Gespräch erwartet

Viele zögern, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Das erste Gespräch, ob am Telefon oder persönlich, ist kein Verhör und keine Prüfung. Du entscheidest, wie viel du erzählst. Die Beraterin oder der Berater stellt ein paar Fragen, hört zu und ordnet gemeinsam mit dir ein, wie belastend die Situation ist und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten. Es gibt keine falschen Antworten, und du musst nichts vorbereiten.

Oft entlastet schon dieses eine Gespräch, weil das, was lange nur in deinem Kopf war, zum ersten Mal ausgesprochen ist. Du bekommst keine Diagnose aufgedrückt und wirst zu nichts gedrängt. Am Ende steht meist ein kleiner, machbarer nächster Schritt, den ihr gemeinsam festlegt. Wenn dir das Gespräch nicht gutgetan hat, darfst du dich auch an eine andere Stelle wenden. Es ist völlig in Ordnung, den Ort zu suchen, an dem du dich verstanden fühlst.

Und falls dich die Scham fast davon abhält anzurufen: Genau dieses Gefühl kennen die Beratungsstellen von fast allen, die sich bei ihnen melden. Die Scham ist kein Hindernis, sondern der ganz normale Anfang. Sie verliert an Gewicht, sobald du den Hörer in der Hand hast.

So gehst du vor

  1. Nimm dein ungutes Gefühl ernst und erlaube dir, dass es ein guter Grund ist, ohne dass alles feststehen muss.
  2. Sprich mit einem Menschen, dem du vertraust, oder ruf das Beratungstelefon Essstörungen der BZgA unter 0221 892031 an.
  3. Vereinbare einen Termin bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt für die körperliche Abklärung.
  4. Lass dir von der Beratung zeigen, welche Behandlung zu dir passt und wie du einen Platz findest.
  5. Geh Schritt für Schritt vor und hol dir Unterstützung, damit du den Weg nicht allein gehen musst.

Wenn du dich in einer akuten seelischen Krise befindest oder Gedanken hast, dir das Leben zu nehmen, hol dir sofort Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 für dich da. Bei akuter körperlicher Gefahr, etwa Ohnmacht oder Herzrasen, wählst du die 112. Kostenlose Beratung zu Essstörungen bekommst du beim Beratungstelefon Essstörungen der BZgA unter 0221 892031.

Häufige Fragen

Ab wann sollte ich mir bei einer möglichen Essstörung Hilfe holen?

Am besten so früh wie möglich. Du musst nicht warten, bis es schlimm genug ist, und du musst dir nicht sicher sein, dass du eine Essstörung hast. Ein anhaltend ungutes Gefühl über dein Verhältnis zum Essen reicht als Grund. Je früher du reagierst, desto besser sind die Aussichten, denn eine Essstörung wird mit der Zeit schwerer zu behandeln.

Muss ich beim ersten Kontakt schon in Behandlung?

Nein, der erste Kontakt ist ein Gespräch, in dem du dich zu nichts verpflichtest. Eine Beratungsstelle hört zu, ordnet ein und zeigt dir Möglichkeiten, ohne dass eine Diagnose oder eine Therapie folgen muss. Du entscheidest in deinem Tempo, wie es weitergeht. Genau das macht den ersten Schritt so viel kleiner, als er sich anfühlt.

Kann ich mich anonym beraten lassen?

Ja, das Beratungstelefon Essstörungen der BZgA berät auf Wunsch anonym unter 0221 892031. Auch viele Beratungsstellen bieten eine Beratung per Telefon, Chat oder E-Mail an, bei der du deinen Namen nicht nennen musst. Für viele Betroffene ist diese Anonymität der Grund, warum der erste Schritt überhaupt gelingt.

Es spricht auch nichts dagegen, dir vor dem Anruf ein paar Stichworte zu notieren, damit du im Moment nicht den Faden verlierst. Du musst nichts auswendig können und nichts richtig formulieren. Schon der Satz, dass dein Verhältnis zum Essen dir Sorgen macht, reicht als Einstieg völlig aus. Alles Weitere ergibt sich im Gespräch, und du bestimmst das Tempo. Wenn du magst, kann eine Vertrauensperson beim ersten Anruf neben dir sitzen.

Zu welchem Arzt gehe ich mit dem Verdacht auf eine Essstörung?

Die erste Anlaufstelle ist in der Regel deine Hausärztin oder dein Hausarzt. Dort lässt sich die körperliche Seite abklären, etwa Herz, Kreislauf und Blutwerte, und du bekommst eine Wegweisung zu einer passenden Behandlung. Sag einfach offen, dass du dir um dein Essverhalten Sorgen machst. Solche Gespräche sind vertraulich und für Ärztinnen und Ärzte alltäglich.

Was, wenn ich mir Sorgen um jemand anderen mache?

Auch dann ist der erste Schritt ein Gespräch. Sprich das veränderte Verhalten in einem ruhigen Moment an, ohne Vorwürfe und ohne über Gewicht oder Essen zu urteilen. Biete deine Unterstützung an und ermutige die Person, sich beraten zu lassen. Hol dir zusätzlich selbst Rat bei einer Angehörigenberatung, etwa bei ANAD, damit du gut begleitet bist.

Quellen

  1. BZgA, Wie finde ich Beratung? bzga-essstoerungen.de
  2. IQWiG, Gesundheitsinformation.de, Woran kann man eine Essstörung erkennen? gesundheitsinformation.de
  3. ANAD, Beratung für Betroffene und Angehörige anad.de

Verwandte Ratgeber aus Essstörungen

Weitere Artikel zum selben Themenbereich, die dir hier weiterhelfen können.