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Bewerbung nach dem Jobverlust

Geprüft von der Redaktion

Bewerbung nach dem Jobverlust
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bewerbungsunterlagen nach einem Jobverlust brauchen vor allem eine Auffrischung, keine Neuerfindung: aktuelle Kontaktdaten, ein klares Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf.
  • Eine Lücke im Lebenslauf wird erst ab etwa zwei bis drei Monaten zum Thema und lässt sich mit einem kurzen, ehrlichen Satz erklären.
  • Die Arbeitsagentur übernimmt aus dem Vermittlungsbudget Bewerbungskosten wie Fotos, Druck und Porto sowie Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen.
  • Ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein zahlt ein professionelles Bewerbungscoaching bei einem zugelassenen Anbieter, ohne dass du dafür etwas zahlst.
  • Wenige, gezielt zugeschnittene Bewerbungen bringen erfahrungsgemäß mehr Gespräche als viele Schnellschüsse an beliebige Adressen.
  • Stärken aus dem bisherigen Job lassen sich fast immer auf eine neue Stelle übertragen, auch über Branchengrenzen hinweg.

Was gehört in aktualisierte Bewerbungsunterlagen?

Aktualisierte Bewerbungsunterlagen bestehen aus einem Anschreiben von höchstens einer DIN-A4-Seite und einem tabellarischen Lebenslauf von höchstens zwei Seiten, beide mit aktuellen Kontaktdaten und in absteigender zeitlicher Reihenfolge. Wichtiger als ein komplett neues Layout ist, dass beide Dokumente den letzten Job, die dort erworbenen Kenntnisse und alle relevanten Weiterbildungen enthalten. In den Lebenslauf gehören außerdem persönliche Daten, Schulbildung, Ausbildung, der berufliche Werdegang sowie IT-Kenntnisse und Sprachen, und das Anschreiben nimmt im Aktiv konkret Bezug auf die jeweilige Stellenanzeige, statt auf Konjunktive wie "würde" auszuweichen.

Wer beim Formulieren unsicher ist, muss das nicht allein lösen. Die Berufsinformationszentren der Arbeitsagentur stellen kostenlose Computerarbeitsplätze samt Vorlagen für Lebenslauf und Anschreiben bereit, ganz ohne Termin. Zusätzlich gibt es eine gebührenfreie Beratungshotline, die von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr erreichbar ist.

Ein aktuelles Arbeitszeugnis gehört mit in die Mappe, mindestens als letzte Anlage. Fehlt es noch, fordere es beim früheren Arbeitgeber an, denn darauf besteht ein gesetzlicher Anspruch. Bei einer Online-Bewerbung fasst du alle Anlagen zu einer einzigen PDF-Datei zusammen und benennst sie mit deinem Namen, damit sie im Postfach der Personalabteilung nicht verloren geht.

Eine Lücke im Lebenslauf braucht einen kurzen, ehrlichen Satz

Eine Lücke im Lebenslauf wird für Personalverantwortliche meist erst ab etwa zwei bis drei Monaten Arbeitslosigkeit zum Thema, kürzere Pausen fallen kaum auf. Wichtiger als das Verschweigen ist eine knappe, aktive Formulierung: statt "arbeitslos" lieber "aktive Arbeitsuche" oder "berufliche Neuorientierung" schreiben, das beschreibt denselben Zustand, ohne ihn negativ aufzuladen.

Eine Pflicht, den Kündigungsgrund im Anschreiben zu nennen, gibt es nicht. Zieht sich die Suche länger hin, lässt sich die Zeit sinnvoll füllen: eine Weiterbildung, ein Ehrenamt oder ein kleines eigenes Projekt gehören dann als eigene Zeile in den Lebenslauf. Wovon dringend abzuraten ist: Lücken mit erfundenen Stationen zu kaschieren. Das fliegt im Gespräch oder bei einer Anfrage beim früheren Arbeitgeber leicht auf und kostet am Ende mehr Vertrauen, als die ehrliche Lücke je gekostet hätte.

Warum gezielte Bewerbungen mehr bringen als Streuversand

Gezielte Bewerbungen, die konkret auf eine Stellenanzeige eingehen und die passenden Stärken herausstellen, kommen eher zum Zug als Massenbewerbungen mit demselben Anschreiben an zwanzig Adressen. Wer erklärt, welches konkrete Problem der neuen Stelle er mit welcher Erfahrung löst, liest sich für Personalverantwortliche greifbarer als ein allgemeines Interesse an "spannenden Herausforderungen".

Das lohnt sich derzeit besonders: Die Bundesregierung verfolgt seit 2022 eine eigene Strategie zur Fachkräftesicherung, weil in vielen Branchen offene Stellen unbesetzt bleiben. Wer seine bisherigen Erfolge konkret benennt, etwa in Zahlen zu Projekten, Kundenzahl oder Teamgröße, und dabei auch Fähigkeiten zeigt, die sich auf eine andere Branche übertragen lassen, hat gerade jetzt gute Karten. Fähigkeiten wie Projektplanung, Kundenkontakt oder das Einarbeiten neuer Kolleginnen und Kollegen lassen sich fast immer aus dem letzten Job herauslösen und in einer neuen Branche neu einsetzen, auch wenn der Titel der Stelle völlig anders klingt.

1Unterlagen aktualisieren2Stärken ordnen3Lücke erklären4Gezielt bewerben
Der Wiedereinstieg über die Bewerbung. Bild: KI generiert.

Den verdeckten Arbeitsmarkt über Netzwerk und Initiativbewerbung erreichen

Ein großer Teil der offenen Stellen wird nie öffentlich ausgeschrieben, sondern über Empfehlungen, direkte Ansprache und interne Vorschläge besetzt. Dieser verdeckte Arbeitsmarkt bleibt jedem verschlossen, der nur auf Anzeigen wartet. Deshalb lohnt es sich, das eigene Netzwerk aktiv anzusprechen: frühere Kolleginnen, Kunden, Menschen aus der Branche.

Eine Initiativbewerbung geht diesen Weg schriftlich. Du schreibst ein Unternehmen an, das gerade keine passende Stelle ausgeschrieben hat, und erklärst konkret, welchen Nutzen du dort stiften könntest. Der Schlüssel ist die Recherche vorab: Wer die Aufgaben und die aktuelle Lage des Betriebs kennt und darauf eingeht, hebt sich sofort ab. Gepflegte Profile bei berufsbezogenen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing helfen zusätzlich, weil viele Personalverantwortliche dort aktiv nach Kandidaten suchen. Auch die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit listet Zehntausende Stellen und lässt sich nach Region und Beruf filtern.

Diese Kosten übernimmt die Arbeitsagentur bei der Bewerbung

Über das sogenannte Vermittlungsbudget nach Paragraf 44 SGB III kann die Arbeitsagentur einen Teil der Kosten übernehmen, die bei der Jobsuche entstehen. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, die Entscheidung trifft die zuständige Agentur im Einzelfall, und der Antrag muss immer gestellt werden, bevor die Kosten entstehen.

KostenartÜbliche Erstattung
Bewerbungsfoto, Materialien, Portorund 5 Euro je schriftlicher Bewerbung, gedeckelt bei rund 260 Euro im Jahr
Fahrt zum Vorstellungsgespräch mit dem Auto0,20 Euro je Kilometer
Übernachtung und Tagegeld bei weiter Anreisenach Beleg, im Einzelfall geprüft
Beglaubigte Kopien, Übersetzungen, Führungszeugnisnach Beleg, im Einzelfall geprüft

Die Fahrtkostenerstattung ist in der Praxis je Reise oft gedeckelt, häufig bei rund 130 Euro. Lass dir deshalb vor einer weiten Anreise bestätigen, was übernommen wird. Gute Belege helfen: Sammle Quittungen für Porto, Fotos und Fahrkarten, damit die spätere Abrechnung zügig läuft.

Kostenloses Bewerbungscoaching über den Aktivierungsgutschein

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, kurz AVGS, ist eine Bescheinigung der Arbeitsagentur nach Paragraf 45 SGB III, mit der du ein professionelles Coaching bei einem zugelassenen Anbieter in Anspruch nehmen kannst, ohne selbst etwas zu zahlen. Die Kosten trägt die Agentur.

Gefördert werden zum Beispiel ein Bewerbungstraining, das Überarbeiten von Lebenslauf und Anschreiben, ein Bewerbungsfototermin, ein Interviewtraining oder ein Profiling, das die eigenen Stärken systematisch herausarbeitet. Voraussetzung ist, dass der Anbieter nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert ist. Eine Variante desselben Gutscheins richtet sich an private Arbeitsvermittler: Vermittelt ein solcher Vermittler dich erfolgreich in eine Stelle, zahlt die Agentur ihm eine Erfolgsvergütung, ausgezahlt in zwei Raten nach sechs Wochen und nach sechs Monaten Beschäftigung. Für dich bleibt beides kostenfrei. Frag im nächsten Gespräch bei der Arbeitsagentur ausdrücklich nach einem AVGS, denn ausgehändigt wird er nur auf Nachfrage und nach einer Ermessensentscheidung.

Die ersten Schritte für die Bewerbung nach dem Jobverlust

  1. Lebenslauf und Anschreiben mit dem letzten Job, den dort erworbenen Kenntnissen und aktuellen Kontaktdaten auffrischen, notfalls kostenlos an einem Computerarbeitsplatz im Berufsinformationszentrum vor Ort.
  2. Die eigenen Stärken der letzten Jahre in drei bis fünf konkreten Beispielen aufschreiben, jedes mit einem messbaren Ergebnis, das sich im Anschreiben wiederverwenden lässt.
  3. Eine kurze, aktive Formulierung für die Lücke oder den Jobwechsel festlegen und im Anschreiben wie im Vorstellungsgespräch konsequent dabei bleiben.
  4. Vor der ersten Bewerbung beim Arbeitsagentur-Berater das Vermittlungsbudget für Bewerbungskosten und Fahrten sowie einen AVGS für ein Coaching beantragen, denn eine rückwirkende Erstattung ist nicht vorgesehen.
  5. Statt an viele Adressen dieselbe Bewerbung zu schicken, wöchentlich wenige, aber passgenau zugeschnittene Bewerbungen versenden und aus den Rückmeldungen lernen, welche Formulierungen ankommen.

Ein Jobverlust oder Konflikte am Arbeitsplatz können schwer belasten. Wenn dich die Lage überfordert oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir Hilfe. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar, im Notfall die 112.

Häufige Fragen

Wie lange darf eine Lücke im Lebenslauf sein, ohne dass ich sie erklären muss?

Eine Lücke im Lebenslauf gilt bis etwa zwei bis drei Monate meist als normale Such- und Orientierungsphase, die keine gesonderte Erklärung braucht. Bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern räumen Personalverantwortliche in der Regel noch etwas mehr Zeit ein.

Muss ich im Anschreiben erwähnen, dass mir gekündigt wurde?

Nein, eine Pflicht, den Grund für das Ende des letzten Arbeitsverhältnisses zu nennen, gibt es nicht. Sinnvoller ist es, den Fokus im Anschreiben auf die eigene Qualifikation und den Nutzen für die neue Stelle zu legen und den Anlass, falls überhaupt, erst im persönlichen Gespräch kurz einzuordnen.

Wie hoch ist die Erstattung für Bewerbungskosten durch die Arbeitsagentur?

Für Bewerbungsfotos, Materialien und Porto erstattet die Arbeitsagentur aus dem Vermittlungsbudget üblicherweise rund 5 Euro je schriftlicher Bewerbung, gedeckelt bei etwa 260 Euro im Kalenderjahr. Der Antrag dafür muss vor den Kosten gestellt werden, nicht nachträglich.

Was ist ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein?

Ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ist eine Bescheinigung der Arbeitsagentur nach Paragraf 45 SGB III, mit der du ein Bewerbungscoaching oder Interviewtraining bei einem zugelassenen Anbieter kostenfrei nutzen kannst. Die Kosten trägt die Agentur, du erhältst den Gutschein aber nur auf Nachfrage.

Wie finde ich Stellen, die gar nicht ausgeschrieben sind?

Nicht ausgeschriebene Stellen erreichst du über das eigene Netzwerk und über Initiativbewerbungen. Sprich frühere Kolleginnen, Kunden und Branchenkontakte aktiv an und schreibe Unternehmen direkt an, die gerade keine passende Anzeige geschaltet haben, mit einem konkreten Bezug auf ihre Lage.

Was mache ich, wenn ich nach dem Jobverlust in eine andere Branche wechseln will?

Bei einem Branchenwechsel lohnt es sich, zuerst die eigenen übertragbaren Fähigkeiten herauszuarbeiten, etwa Projektmanagement, Kundenkontakt oder Teamführung, die in vielen Berufsfeldern gebraucht werden. Ein Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur klärt zusätzlich, ob eine geförderte Weiterbildung den Umstieg erleichtert.

Wie viele Bewerbungen sollte ich pro Woche verschicken?

Eine feste Zahl gibt es nicht, wichtiger als die Menge ist die Passung zur Stelle. Eine kleinere Zahl gut vorbereiteter, gezielt zugeschnittener Bewerbungen bringt erfahrungsgemäß mehr Gespräche als eine große Zahl gleichlautender Schreiben an beliebige Adressen.

Quellen

  1. Vermittlungsbudget: Förderung beantragen. arbeitsagentur.de
  2. Arbeitslosigkeit im Lebenslauf: richtig angeben. karrierebibel.de
  3. Fachkräftesicherung: Strategie der Bundesregierung. bmas.de
  4. Gesetzestext zu Paragraf 45 SGB III, Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. gesetze-im-internet.de

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