Ausbildung abbrechen oder wechseln
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Eine gelöste Ausbildung ist selten ein echter Abbruch. Rund die Hälfte der jungen Menschen setzt die Ausbildung woanders fort.
- Bevor du kündigst, kläre die Ursache und hol dir Rat, etwa bei der Ausbildungsberatung deiner Kammer oder der Berufsberatung.
- Oft reicht ein Wechsel des Betriebs oder des Berufs. Ein kompletter Ausstieg ist die drastischste Lösung, nicht die einzige.
- In der Probezeit kannst du jederzeit ohne Frist kündigen. Danach gilt eine Frist von vier Wochen, und die Kündigung muss schriftlich auf Papier erfolgen.
- Ein Abbruch wirkt sich auf Krankenversicherung, Kindergeld und Unterhalt aus. Kläre das vorher, damit keine Lücke entsteht.
Vertragslösung ist nicht dasselbe wie Ausbildungsabbruch
Wenn ein Ausbildungsvertrag vorzeitig endet, heißt das im Fachbegriff Vertragslösung, und das ist etwas anderes als der endgültige Abbruch einer Ausbildung. Nach den Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung wird rund jeder vierte Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Doch etwa die Hälfte dieser jungen Menschen beginnt danach eine neue Ausbildung, wechselt also nur den Betrieb oder den Beruf, statt die Ausbildung ganz aufzugeben.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie den Druck herausnimmt. Wer mit einer Ausbildung unglücklich ist, steht nicht vor der Wahl zwischen Durchhalten und Aufgeben. Meist gibt es einen dritten und vierten Weg dazwischen. Ein großer Teil der Lösungen fällt übrigens in die Probezeit oder das erste Jahr, also in eine Phase, in der ein Neustart noch besonders leicht möglich ist.
Erst die Ursache klären, dann entscheiden
Bevor du irgendetwas unterschreibst, lohnt sich die Frage, woran es genau liegt, denn die Ursache bestimmt die Lösung. Liegt es am Betrieb, etwa an schlechter Betreuung, ausbildungsfremden Arbeiten oder einem Konflikt mit einer bestimmten Person, dann hilft oft schon ein Betriebswechsel. Passt der Beruf selbst nicht zu dir, ist ein Berufswechsel die bessere Antwort. Und wenn es dir gesundheitlich oder seelisch schlecht geht, steht erst einmal das im Vordergrund.
Für diese Klärung musst du nicht allein grübeln. Die Ausbildungsberatung deiner Kammer und die Berufsberatung der Agentur für Arbeit beraten kostenlos und ergebnisoffen. Sie kennen die Rechtslage, den Ausbildungsmarkt in deiner Region und die Wege zu einer Anschlusslösung. Ein Gespräch dort verpflichtet dich zu nichts und zeigt dir oft Optionen, die du selbst nicht auf dem Schirm hattest.
Zwischen Durchhalten und Aufgeben liegen mehrere Wege
Die Entscheidung ist keine Wahl zwischen zwei Extremen, sondern eine Reihe von Möglichkeiten mit unterschiedlich großer Wirkung. Die folgende Grafik ordnet sie von der kleinsten bis zur größten Veränderung.
| Weg | Passt, wenn | Das ist zu tun |
|---|---|---|
| Im Betrieb bleiben | der Konflikt lösbar ist | Gespräch mit Ausbilder und Ausbildungsberatung, klare Absprachen |
| Betrieb wechseln | der Beruf passt, der Betrieb nicht | neuen Ausbildungsplatz suchen, dann wechseln, möglichst ohne Lücke |
| Beruf wechseln | der Beruf selbst nicht passt | Berufsberatung nutzen, neue Richtung finden, bereits Gelerntes anrechnen lassen |
| Ausbildung beenden | gerade gar nichts mehr geht | rechtssicher kündigen, Anschluss klären, Versicherung und Kindergeld sichern |
So kündigst du den Ausbildungsvertrag rechtssicher
Wenn du kündigen willst, hängt der Weg davon ab, ob du noch in der Probezeit bist. Die Probezeit dauert nach Paragraf 20 des Berufsbildungsgesetzes mindestens einen und höchstens vier Monate. In dieser Zeit können beide Seiten jederzeit und ohne Frist kündigen, du musst keinen Grund angeben.
Nach der Probezeit gilt Paragraf 22 des Berufsbildungsgesetzes. Dann kannst du als Auszubildende oder Auszubildender mit einer Frist von vier Wochen kündigen, wenn du die Ausbildung aufgeben oder einen anderen Beruf lernen willst. Die Kündigung muss immer schriftlich auf Papier erfolgen, eine Kündigung per E-Mail oder Messenger ist ausdrücklich unwirksam. Nach der Probezeit brauchst du außerdem eine Angabe der Gründe.
- Prüfe, ob du noch in der Probezeit bist, denn davon hängt die Frist ab.
- Schreibe die Kündigung auf Papier und unterschreibe sie eigenhändig.
- Gib nach der Probezeit den Grund an, etwa Aufgabe der Ausbildung oder Wechsel des Berufs.
- Übergib die Kündigung so, dass du den Zugang nachweisen kannst, etwa persönlich gegen Empfangsbestätigung.
- Bitte den Betrieb um ein Ausbildungszeugnis, auf das du einen Anspruch hast.
Was ein Abbruch praktisch für dich bedeutet
Ein Abbruch endet nicht mit der Kündigung, sondern zieht ein paar praktische Fragen nach sich, die du früh klären solltest. Am wichtigsten ist die Krankenversicherung: Mit dem Ende der Ausbildung endet auch die bisherige Versicherung über den Betrieb. Bist du unter 25 und ohne eigenes Einkommen, kannst du oft wieder in die Familienversicherung deiner Eltern, sonst musst du dich selbst versichern.
Auch das Kindergeld hängt an einer Ausbildung oder einer ernsthaften Suche danach. Melde dich deshalb zügig bei der Agentur für Arbeit ausbildungssuchend, das sichert in vielen Fällen das Kindergeld und bringt dir zugleich Unterstützung bei der Suche. Ein Ausbildungszeugnis solltest du dir immer geben lassen, denn es dokumentiert, was du schon gelernt hast, und hilft bei der nächsten Bewerbung. Bereits abgeleistete Ausbildungszeiten lassen sich in einem verwandten Beruf oft anrechnen.
So gelingt der Anschluss ohne lange Lücke
Der beste Zeitpunkt, sich um den Anschluss zu kümmern, ist vor der Kündigung, nicht danach. Wer erst kündigt und dann sucht, riskiert eine Lücke bei Versicherung und Einkommen. Ideal ist, den neuen Platz schon sicher zu haben, bevor der alte Vertrag endet. Der Ausbildungsmarkt ist in vielen Regionen und Berufen offen, und Betriebe schätzen Bewerberinnen und Bewerber, die schon Ausbildungserfahrung mitbringen.
Nutze für die Suche die Berufsberatung und die Ausbildungsbörsen der Kammern. Sprich offen über den Grund des Wechsels, ohne den alten Betrieb schlechtzureden. Ein sachlicher Satz wie "Der Beruf passt zu mir, der Betrieb war nicht der richtige" wirkt souverän. Wenn du unsicher bist, ob überhaupt der richtige Beruf gewählt war, hilft ein Praktikum, bevor du dich neu bindest.
Woran du ein echtes Problem von einem Tief unterscheidest
Nicht jeder Frust ist ein Grund zum Aufhören, und genau hier lohnt ein ehrlicher Blick. Fast jede Ausbildung hat Phasen, in denen alles zu viel wird, besonders vor Prüfungen oder nach einem Konflikt. Solche Tiefs gehen vorbei. Ein echtes Problem erkennst du daran, dass es bleibt, dich über Wochen belastet und sich nicht durch ein klärendes Gespräch bessert.
Frag dich konkret: Geht es mir nur an schlechten Tagen so, oder fast jeden Morgen? Liegt es an einer Person, an den Aufgaben oder am Beruf als Ganzem? Und was hat sich verändert, seit es angefangen hat? Wenn körperliche Beschwerden dazukommen, du nicht mehr schlafen kannst oder dich alles gleichgültig lässt, ist das ein Warnzeichen, das über normalen Ausbildungsstress hinausgeht. Dann gehört neben die berufliche Beratung auch der Blick auf deine Gesundheit, etwa über den Hausarzt oder eine Beratungsstelle für junge Menschen.
Geld während des Wechsels: die Berufsausbildungsbeihilfe
Ein Wechsel scheitert nie am Geld allein, denn dafür gibt es Unterstützung. Wer für eine Ausbildung von zu Hause auszieht und dessen Vergütung nicht reicht, kann bei der Agentur für Arbeit die Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Sie stockt das Einkommen auf, damit die Ausbildung finanziell tragbar ist, und sie steht auch nach einem Wechsel offen.
Stelle den Antrag früh, am besten schon vor dem Start der neuen Ausbildung, denn gezahlt wird ab dem Antragsmonat. Wichtig ist außerdem: Ein Wechsel des Betriebs oder des Berufs ist grundsätzlich weiter förderfähig. Lass dich bei der Berufsberatung dazu beraten, damit du die Hilfe nicht verschenkst und beim Übergang keine Lücke im Geldbeutel entsteht.
Häufige Fragen
Ist eine abgebrochene Ausbildung ein schlechtes Zeichen im Lebenslauf?
Eine abgebrochene Ausbildung ist im Lebenslauf kein Ausschlusskriterium, besonders wenn ein sinnvoller Anschluss folgt. Rund die Hälfte der vorzeitig gelösten Verträge mündet in eine neue Ausbildung. Betriebe schätzen Erfahrung und einen klaren Grund für den Wechsel mehr als eine lückenlose, aber unglückliche Laufbahn.
Wie kann ich meinen Ausbildungsvertrag kündigen?
Deinen Ausbildungsvertrag kannst du in der Probezeit jederzeit ohne Frist kündigen. Nach der Probezeit gilt eine Frist von vier Wochen, wenn du die Ausbildung aufgibst oder den Beruf wechselst. Die Kündigung muss schriftlich auf Papier erfolgen und nach der Probezeit den Grund nennen.
Muss ich bei einem Ausbildungsabbruch Geld zurückzahlen?
Bei einem Ausbildungsabbruch musst du in der Regel keine Vergütung und keine Ausbildungskosten zurückzahlen. Anders kann es nur sein, wenn der Betrieb eine teure Zusatzausbildung finanziert hat und dazu eine wirksame gesonderte Vereinbarung besteht. Frag im Zweifel die Ausbildungsberatung deiner Kammer.
Was passiert mit meiner Krankenversicherung nach dem Abbruch?
Nach einem Ausbildungsabbruch endet die Krankenversicherung über den Betrieb. Wer unter 25 und ohne eigenes Einkommen ist, kann oft wieder in die Familienversicherung der Eltern. Andernfalls musst du dich selbst versichern. Kläre das vor der Kündigung, damit keine Versicherungslücke entsteht.
Wer hilft mir, eine neue Ausbildung zu finden?
Bei der Suche nach einer neuen Ausbildung helfen die Berufsberatung der Agentur für Arbeit und die Ausbildungsberatung sowie die Lehrstellenbörsen der Kammern. Melde dich früh ausbildungssuchend, das unterstützt die Suche und sichert in vielen Fällen das Kindergeld.
Bekomme ich nach einem Abbruch ein Zeugnis?
Nach einem Ausbildungsabbruch hast du Anspruch auf ein Ausbildungszeugnis. Es dokumentiert Art, Dauer und Ziel der Ausbildung sowie die erworbenen Kenntnisse und hilft bei der nächsten Bewerbung. Bitte den Betrieb ausdrücklich darum, am besten schon mit der Kündigung.
Soll ich kündigen, bevor ich einen neuen Ausbildungsplatz habe?
Besser ist, den neuen Ausbildungsplatz schon sicher zu haben, bevor du den alten Vertrag kündigst. Wer erst kündigt und dann sucht, riskiert eine Lücke bei Einkommen und Krankenversicherung. Nur wenn es dir im Betrieb gesundheitlich oder seelisch sehr schlecht geht, kann ein sofortiger Ausstieg der richtige Schritt sein. Lass dich vorher bei der Berufsberatung dazu beraten.
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