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Mobbing in der Schule

Geprüft von der Redaktion

Mobbing in der Schule
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mobbing ist kein normaler Streit. Es ist wiederholt, zielt auf eine Person und nutzt ein Ungleichgewicht der Kräfte aus.
  • Nach der HBSC-Studie 2022 des Robert Koch-Instituts hat rund jede siebte Schülerin oder jeder siebte Schüler schon Mobbing erlebt.
  • Schuld ist nie die betroffene Person. Wer gemobbt wird, hat nichts falsch gemacht.
  • Der Beschwerdeweg führt von der Klassenleitung zur Schulleitung und, wenn die Schule nicht handelt, weiter zur Schulaufsicht.
  • Beweise sichern, früh melden und sich Verbündete holen wirkt besser als abzuwarten, dass es von selbst aufhört.

Mobbing ist mehr als ein Streit auf dem Schulhof

Mobbing liegt vor, wenn eine Person über längere Zeit immer wieder von anderen angegriffen, ausgegrenzt oder erniedrigt wird und sich allein nicht wehren kann. Drei Merkmale unterscheiden es vom normalen Konflikt: Es wiederholt sich, es richtet sich absichtlich gegen dieselbe Person, und die Kräfte sind ungleich verteilt. Ein einmaliger Streit unter Gleichstarken, bei dem sich beide zanken und danach wieder vertragen, ist kein Mobbing.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie zeigt, warum der oft gehörte Rat, sich einfach zu wehren, hier nicht trägt. Bei einem Machtungleichgewicht kann sich die betroffene Person eben nicht auf Augenhöhe wehren, und genau darum braucht sie Hilfe von außen. Mobbing hört selten von allein auf. Es endet, wenn Erwachsene und die Gruppe eingreifen.

Wie verbreitet Mobbing an Schulen ist

Mobbing gehört für viele junge Menschen zum Alltag. Nach der HBSC-Studie 2022 des Robert Koch-Instituts berichteten rund 14 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler von Erfahrungen mit schulischem Mobbing, etwa 7 Prozent von Cybermobbing. Rund 8 Prozent werden mindestens zwei- bis dreimal im Monat gemobbt, sind also regelmäßig betroffen.

Auffällig ist die Entwicklung: Das Mobbing auf dem Schulhof ist über die Jahre eher zurückgegangen, das Cybermobbing hat dagegen zugenommen. Für Betroffene heißt das oft, dass die Angriffe nach dem Schultag im Klassenchat oder in sozialen Netzwerken weitergehen. Wenn du das erlebst, bist du also nicht allein und nicht selbst schuld. Du erlebst etwas, das vielen passiert und gegen das es Wege gibt.

Woran du Mobbing bei dir oder deinem Kind erkennst

Mobbing zeigt sich häufig zuerst an Veränderungen im Verhalten und im Körper, nicht an offenen Erzählungen. Viele Betroffene schämen sich und schweigen lange. Deshalb lohnt es sich, auf Anzeichen zu achten, statt auf ein Geständnis zu warten.

Typisch sind, dass ein Kind plötzlich nicht mehr zur Schule will, über Bauch- oder Kopfschmerzen klagt, sich zurückzieht, schlechter schläft oder in den Noten abrutscht. Auch beschädigte oder verschwundene Sachen, unerklärte blaue Flecken oder ein plötzliches Meiden des Handys können Hinweise sein. Keines dieser Zeichen beweist für sich Mobbing. Kommen mehrere zusammen und halten sie an, ist das ein guter Grund für ein ruhiges Gespräch und für erste Schritte.

Was du tun kannst, wenn du gemobbt wirst

Der wichtigste Schritt ist, das Schweigen zu durchbrechen und dir Hilfe zu holen, denn allein hört Mobbing fast nie auf. Such dir eine erwachsene Person, der du vertraust: Eltern, eine Vertrauenslehrkraft, die Schulsozialarbeit. Und sichere Beweise, solange du kannst.

  1. Schreibe mit, was wann passiert ist, wer beteiligt war und wer es gesehen hat. Ein solches Mobbing-Tagebuch ist später Gold wert.
  2. Sichere bei Cybermobbing Screenshots von Nachrichten, Kommentaren und Bildern, bevor sie gelöscht werden.
  3. Sprich mit einer erwachsenen Person deines Vertrauens und zeige ihr, was du gesammelt hast.
  4. Meldet den Fall gemeinsam der Klassenleitung und bittet um ein Gespräch mit klaren Absprachen.
  5. Wenn sich nichts ändert, geht den Beschwerdeweg weiter nach oben. Du hast ein Recht darauf, dass die Schule handelt.

Der Beschwerdeweg führt Stufe für Stufe nach oben

Wenn ein erstes Gespräch nichts bringt, gibt es einen klaren Weg mit mehreren Stufen. Schulen sind verpflichtet, ihre Schülerinnen und Schüler zu schützen. Die folgende Grafik zeigt, in welcher Reihenfolge du vorgehst.

1Gespräch mit der Klassenleitung2Schulleitung einschalten3Beschwerde bei der Schulaufsicht4rechtliche Schritte prüfen
Der Beschwerdeweg bei Mobbing, wenn die Schule nicht reagiert. Bild: KI generiert.

Beginne bei der Klassenleitung und halte fest, was vereinbart wurde. Bleibt das ohne Wirkung, wende dich schriftlich an die Schulleitung und nenne konkrete Vorfälle mit Datum. Handelt auch sie nicht, ist die Schulaufsicht die nächste Stelle, also das zuständige Schulamt oder Ministerium des Landes. Eine gute Methode, die viele Schulen einsetzen, ist der No-Blame-Approach: Er sucht keine Schuldigen, sondern macht mehrere aus der Gruppe zu Mitverantwortlichen für eine Lösung. Das nimmt Betroffene aus der Schusslinie und wirkt oft überraschend schnell.

Cybermobbing hört nach der Schule nicht auf

Cybermobbing verfolgt Betroffene bis ins eigene Zimmer, und darum braucht es zusätzliche Schritte. Anders als auf dem Schulhof bleiben online oft Beweise erhalten, und das ist ein Vorteil. Mach Screenshots, bevor du etwas meldest, denn nach einer Meldung verschwinden Inhalte manchmal.

Melde beleidigende oder bedrohliche Inhalte direkt bei der jeweiligen Plattform und blockiere die Absender. Antworte nicht auf die Angriffe, das befeuert sie meist nur. Bei der Beratungsstelle klicksafe und bei der Nummer gegen Kummer bekommst du konkrete Hilfe, wie du dich schützt und wie du eine Löschung erreichst. Wenn Bilder von dir ohne deine Erlaubnis verbreitet werden, hast du zusätzlich ein Recht darauf, dass sie entfernt werden.

Wann Mobbing strafbar ist

Mobbing kann strafbar sein, auch wenn es kein eigenes Gesetz gegen Mobbing gibt. Einzelne Handlungen erfüllen häufig bestehende Straftatbestände. Beleidigungen fallen unter Paragraf 185 des Strafgesetzbuchs, üble Nachrede und Verleumdung unter Paragraf 186 und 187, Bedrohungen unter Paragraf 241. Wer schlägt, begeht eine Körperverletzung, und das heimliche Aufnehmen und Verbreiten von Bildern verletzt das Recht am eigenen Bild.

Eine Anzeige ist nicht immer der erste Weg, aber sie steht dir offen, besonders bei Cybermobbing und bei Gewalt. Ab 14 Jahren sind Jugendliche strafmündig. Bei jüngeren Kindern greifen andere Wege über Schule und Jugendhilfe. Lass dich vor einer Anzeige beraten, etwa bei der Polizei, die in vielen Städten eigene Ansprechpartner für junge Menschen hat, oder beim Weissen Ring als Opferschutzorganisation.

Was du tun kannst, wenn du Mobbing mitbekommst

Wer zuschaut, ist bei Mobbing nicht neutral, sondern ein wichtiger Teil der Lösung. Mobbing lebt davon, dass die Gruppe schweigt oder mitlacht. Genau da liegt deine Macht als Mitschülerin oder Mitschüler: Schon wenige, die nicht mitmachen und sich an die Seite der betroffenen Person stellen, verändern die Lage oft spürbar.

Du musst dich dafür nicht in Gefahr bringen. Es hilft schon, die betroffene Person in Pausen nicht allein zu lassen, nicht bei Hetze im Klassenchat mitzumachen und einer erwachsenen Person Bescheid zu sagen. Das ist kein Petzen, sondern Hilfe für jemanden, der sich allein nicht wehren kann. Wenn mehrere gemeinsam eine Lehrkraft ansprechen, wird es für die Schule leichter zu handeln, und für die Betroffenen ist es ein starkes Zeichen, dass sie nicht allein sind.

Mobbing kann sehr belasten, und niemand muss das allein aushalten. Wenn es dir schlecht geht oder du an nichts anderes mehr denken kannst, sprich mit jemandem. Die Nummer gegen Kummer ist für Kinder und Jugendliche kostenlos und anonym unter 116 111 erreichbar, Eltern erreichen das Elterntelefon unter 0800 111 0 550. Bei seelischer Not hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 116 123. In einer akuten Notlage wähle den Notruf 112.

Häufige Fragen

Ab wann spricht man von Mobbing in der Schule?

Von Mobbing spricht man in der Schule, wenn eine Person über längere Zeit wiederholt und gezielt angegriffen oder ausgegrenzt wird und sich wegen eines Ungleichgewichts der Kräfte nicht allein wehren kann. Ein einmaliger Streit unter Gleichstarken ist kein Mobbing.

Was soll ich tun, wenn mein Kind in der Schule gemobbt wird?

Wenn dein Kind gemobbt wird, hilft es, ruhig zuzuhören, Vorfälle mit Datum aufzuschreiben und bei Cybermobbing Screenshots zu sichern. Danach sucht ihr das Gespräch mit der Klassenleitung und, wenn nötig, mit der Schulleitung. Schuld trägt nie das betroffene Kind.

Was kann ich tun, wenn die Schule bei Mobbing nicht reagiert?

Wenn die Schule bei Mobbing nicht reagiert, kannst du den Beschwerdeweg weitergehen. Nach der Klassenleitung ist die Schulleitung zuständig, danach die Schulaufsicht, also das Schulamt oder Ministerium des Landes. Halte alle Vorfälle und Gespräche schriftlich fest, das stärkt deine Position.

Ist Mobbing in der Schule strafbar?

Mobbing kann strafbar sein, auch ohne ein eigenes Mobbing-Gesetz. Einzelne Handlungen wie Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung oder das Verbreiten von Bildern ohne Erlaubnis sind Straftaten. Ab 14 Jahren sind Jugendliche strafmündig. Lass dich vor einer Anzeige beraten, etwa bei der Polizei.

Was hilft gegen Cybermobbing?

Gegen Cybermobbing hilft es, Beweise per Screenshot zu sichern, Inhalte bei der Plattform zu melden, die Absender zu blockieren und nicht auf die Angriffe zu antworten. Beratung bekommst du bei klicksafe und bei der Nummer gegen Kummer. Werden Bilder ohne Erlaubnis verbreitet, hast du ein Recht auf Löschung.

Warum hilft der Rat, sich einfach zu wehren, bei Mobbing oft nicht?

Der Rat, sich einfach zu wehren, hilft bei Mobbing oft nicht, weil die Kräfte ungleich verteilt sind. Die betroffene Person steht einer Übermacht gegenüber und kann sich nicht auf Augenhöhe wehren. Deshalb braucht es die Unterstützung von Erwachsenen und ein Eingreifen in der Gruppe.

Welche Folgen kann Mobbing für Betroffene haben?

Mobbing kann ernste Folgen haben, von Schlafproblemen, Bauch- und Kopfschmerzen bis zu Angst, Rückzug und einem tiefen Verlust an Selbstvertrauen. Auch die Schulleistungen leiden oft, und manche entwickeln Schulangst. Gerade weil die Folgen so weit reichen, ist frühes Eingreifen wichtig, und niemand sollte damit allein bleiben.

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