Bildung und Ausbildung: durch Krisen in Schule, Ausbildung und Studium
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Für fast jede Bildungskrise gibt es eine kostenlose Beratungsstelle: den schulpsychologischen Dienst, die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, die Kammern (IHK und Handwerkskammer) und die Studierendenwerke.
- Bei seelischer Not bekommst du sofort Hilfe: die Telefonseelsorge unter 116 123 rund um die Uhr, das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer unter 116 111.
- Eine gelöste Ausbildung ist selten das Ende. Rund die Hälfte der jungen Menschen, die einen Vertrag lösen, setzt die Ausbildung in einem anderen Betrieb oder Beruf fort.
- Geld gibt es je nach Weg über BAföG für Schule und Studium, über die Ausbildungsvergütung samt Berufsausbildungsbeihilfe und über das Aufstiegs-BAföG.
- Je früher du dir Rat holst, desto mehr Wege bleiben offen. Fristen für Widerspruch, Kündigung oder Antrag laufen oft schon nach Wochen ab.
In einer Bildungskrise zählen die ersten drei Schritte
Wenn in Schule, Ausbildung oder Studium etwas kippt, hilft zuerst, das Problem beim Namen zu nennen, dann eine unabhängige Beratung zu suchen und erst danach zu entscheiden. Diese Reihenfolge klingt selbstverständlich, wird aber oft umgedreht. Viele treffen unter Druck eine schnelle Entscheidung, kündigen den Ausbildungsvertrag oder brechen den Schulbesuch ab, bevor überhaupt jemand mit Abstand auf die Lage geschaut hat.
Das Gute ist: Du musst keine dieser Entscheidungen allein treffen. In Deutschland gibt es für jeden Lebensabschnitt eine Stelle, die dich kostenlos und ergebnisoffen berät. Sie darf dir keine Entscheidung abnehmen, aber sie kennt die Regeln, die Fristen und die Möglichkeiten, die du selbst vielleicht nicht siehst. Wer dort anruft, verpflichtet sich zu nichts.
Wichtig ist auch, zwischen zwei Arten von Krise zu unterscheiden. Bei einer organisatorischen Krise, etwa einem drohenden Sitzenbleiben oder einem Streit im Betrieb, geht es um Regeln, Fristen und Optionen. Bei einer seelischen Krise, etwa Schulangst, Mobbing oder Erschöpfung im Studium, geht es zuerst um Entlastung und darum, dass es dir wieder besser geht. Oft steckt beides ineinander, und dann darf die seelische Seite nicht warten, bis die Formalien geklärt sind.
Krisen in der Schule reichen von Angst bis zum fehlenden Abschluss
Schulkrisen zeigen sich sehr unterschiedlich, und jede hat einen eigenen Weg zurück. Wer morgens Bauchschmerzen bekommt und den Schulweg nicht mehr schafft, braucht etwas anderes als jemand, der mit einer Nichtversetzung dasteht oder ganz ohne Abschluss ins Erwachsenenleben gestartet ist.
Bei Schulangst und wiederholtem Fernbleiben ist der schulpsychologische Dienst die erste Adresse. Er unterscheidet zunächst, was hinter dem Fernbleiben steckt, denn Angst vor einer bestimmten Situation verlangt eine andere Antwort als Trennungsangst oder eine Überforderung mit dem Stoff. Bei Mobbing geht der Weg über die Klassenleitung zur Schulleitung und, wenn die Schule nichts unternimmt, weiter zur Schulaufsicht. Eine Nichtversetzung lässt sich in vielen Ländern durch eine Nachprüfung noch abwenden, und gegen die Versetzungsentscheidung kann man Widerspruch einlegen. Und ein fehlender Abschluss ist nachholbar, in jedem Alter, über den zweiten Bildungsweg.
In Ausbildung und Betrieb hast du klare Rechte
Ärger im Ausbildungsbetrieb ist kein Grund, alles hinzuwerfen, denn das Berufsbildungsgesetz schützt Auszubildende an vielen Stellen. Ausbilderinnen und Ausbilder dürfen dir nur Aufgaben geben, die dem Ausbildungsziel dienen. Überstunden sind bei Minderjährigen stark begrenzt, der Berufsschulunterricht zählt als Arbeitszeit, und die Vergütung ist gesetzlich gegen ein Absinken unter die Mindestausbildungsvergütung geschützt.
Wenn es im Betrieb hakt, ist die Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer die richtige Anlaufstelle. Sie vermittelt zwischen dir und dem Betrieb, oft mit Erfolg schon im ersten Gespräch. Kommt keine Einigung zustande, gibt es bei den Kammern einen Schlichtungsausschuss. Ein Abbruch ist die letzte Stufe, nicht die erste, und selbst dann muss er nicht das Ende deiner beruflichen Zukunft sein: Ein Betriebswechsel oder ein Wechsel des Berufs ist häufig der bessere Weg als ein kompletter Ausstieg.
Im Studium sind Zweifel normal, ein Abbruch will trotzdem vorbereitet sein
Zweifel am Studium haben fast alle irgendwann, und sie sind kein Warnsignal für sich genommen. Wichtig wird es, wenn die Zweifel bleiben, die Prüfungen sich stauen oder das Geld nicht reicht. Für all das gibt es getrennte Anlaufstellen: die Studienberatung der Hochschule für inhaltliche Fragen, die psychologische Beratung des Studierendenwerks bei Prüfungsangst und Belastung, das BAföG-Amt für die Finanzierung.
Wer ans Aufhören denkt, sollte vorher rechnen und beraten lassen. Ein Fachwechsel innerhalb der ersten Semester ist oft unkomplizierter als gedacht, und ein Abbruch zugunsten einer Ausbildung ist ein anerkannter Weg, kein Scheitern. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit hat für genau diese Gruppe eigene Angebote, weil Studienaussteigerinnen und -aussteiger in vielen Ausbildungsberufen gefragt sind.
Diese Stellen beraten dich kostenlos und unabhängig
Kostenlose Beratung heißt hier: unabhängig von deinem Einkommen, ohne dass du Mitglied sein oder etwas kaufen musst. Die folgende Übersicht zeigt, wer für welche Frage zuständig ist.
| Anliegen | Stelle | Was sie leistet |
|---|---|---|
| Schulangst, Fernbleiben, Lernprobleme | Schulpsychologischer Dienst | Klärung der Ursachen, Beratung von Kind und Eltern, Vermittlung weiterer Hilfen |
| Berufswahl, Ausbildungssuche, Studienausstieg | Berufsberatung der Agentur für Arbeit | Orientierung, Vermittlung, finanzielle Hilfen wie die Berufsausbildungsbeihilfe |
| Konflikte in der Ausbildung | Ausbildungsberatung der IHK oder Handwerkskammer | Vermittlung mit dem Betrieb, Schlichtungsausschuss bei Streit |
| Studienfinanzierung, seelische Belastung im Studium | Studierendenwerk | BAföG-Amt, psychologische und Sozialberatung |
| Seelische Not, Überforderung | Telefonseelsorge, Nummer gegen Kummer | Anonymes Gespräch rund um die Uhr, kostenlos |
Geld und Förderung hängen vom Weg ab
Welche Förderung dir zusteht, richtet sich danach, wo du gerade stehst. In der Schule und im Studium ist das BAföG die wichtigste Quelle, in der Ausbildung die Vergütung, ergänzt um die Berufsausbildungsbeihilfe, wenn das Geld für eine eigene Wohnung nicht reicht. Für eine spätere Aufstiegsfortbildung, etwa zur Meisterin oder zum Techniker, gibt es das Aufstiegs-BAföG.
Ein Grundsatz gilt überall: Anträge kosten nichts und lohnen sich fast immer, auch wenn du unsicher bist, ob du berechtigt bist. Die Ämter rechnen für dich, und ein abgelehnter Antrag hat keine Nachteile. Wer aus Sorge vor Schulden zögert, sollte wissen, dass der BAföG-Anteil, den man zurückzahlt, bei höchstens 10.010 Euro gedeckelt ist und die Rückzahlung erst Jahre nach dem Abschluss beginnt.
Diese Fristen entscheiden mit, welche Wege offen bleiben
Viele Wege aus einer Bildungskrise hängen an Fristen, die schneller ablaufen, als man denkt. Wer sie kennt, hält sich Türen offen, auch wenn er die Entscheidung selbst noch nicht getroffen hat. Deshalb lohnt es sich, früh eine Beratungsstelle anzurufen, statt zu warten, bis das Problem größer geworden ist.
Gegen eine Nichtversetzung oder eine andere belastende Entscheidung der Schule kannst du Widerspruch einlegen, in der Regel innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids. Eine Nachprüfung, mit der sich die Versetzung oft noch retten lässt, findet meist gegen Ende der Sommerferien statt, und man muss sich rechtzeitig anmelden. Willst du eine Ausbildung nach der Probezeit beenden, um den Beruf zu wechseln, gilt eine Kündigungsfrist von vier Wochen. Und beim BAföG wird rückwirkend nicht gezahlt: Die Förderung beginnt frühestens mit dem Monat, in dem dein Antrag eingeht, deshalb solltest du ihn stellen, sobald der Bedarf feststeht.
Für all diese Schritte gilt dasselbe: Du musst die Regeln nicht auswendig kennen. Es reicht, dass du weißt, dass es sie gibt, und dass du früh genug jemanden fragst, der sie kennt. Genau dafür sind die Beratungsstellen da.
Wenn du oder dein Kind nicht mehr weiterwissen, an Selbstverletzung denken oder das Gefühl haben, alles bricht zusammen, hol dir bitte sofort Hilfe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 116 123, kostenlos und anonym. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111, Eltern das Elterntelefon unter 0800 111 0 550. In einer akuten Notlage wähle den Notruf 112.
Häufige Fragen
An wen wende ich mich bei einer Bildungskrise zuerst?
Bei einer Bildungskrise ist die passende Beratungsstelle die erste Adresse, nicht die schnelle Entscheidung. Für Schulprobleme ist das der schulpsychologische Dienst, für Ausbildung und Berufswahl die Berufsberatung der Agentur für Arbeit, für das Studium die Studienberatung und das Studierendenwerk. Alle beraten kostenlos und unabhängig.
Kostet die Beratung bei diesen Stellen etwas?
Die Beratung bei schulpsychologischem Dienst, Agentur für Arbeit, Kammern und Studierendenwerk ist kostenlos. Sie ist unabhängig von deinem Einkommen, und du musst nirgends Mitglied sein. Auch die Telefonseelsorge und die Nummer gegen Kummer kosten nichts.
Ist ein Ausbildungs- oder Studienabbruch das Ende meiner beruflichen Zukunft?
Ein Abbruch ist selten das Ende einer beruflichen Zukunft. Rund die Hälfte der jungen Menschen, die einen Ausbildungsvertrag lösen, setzt die Ausbildung woanders fort. Ein Studienausstieg gilt in vielen Ausbildungsberufen sogar als Pluspunkt. Wichtig ist, den Wechsel vorher mit einer Beratungsstelle zu planen.
Welche finanzielle Förderung gibt es für Schule, Ausbildung und Studium?
Für Schule und Studium ist das BAföG die wichtigste Förderung, in der Ausbildung die gesetzlich geschützte Vergütung, ergänzt um die Berufsausbildungsbeihilfe. Für eine spätere Aufstiegsfortbildung gibt es das Aufstiegs-BAföG. Ein Antrag kostet nichts und lohnt sich auch bei Unsicherheit über die Berechtigung.
Kann ich einen fehlenden Schulabschluss später noch nachholen?
Einen fehlenden Schulabschluss kannst du in jedem Alter über den zweiten Bildungsweg nachholen, vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur. Möglich ist das an Abendschulen, Kollegs, Volkshochschulen, per Fernschule oder über eine Nichtschülerprüfung. Öffentliche Angebote sind meist gebührenfrei.
Was tue ich, wenn die Belastung seelisch zu groß wird?
Wenn die Belastung seelisch zu groß wird, sind die Telefonseelsorge unter 116 123 und für junge Menschen die Nummer gegen Kummer unter 116 111 rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar. Diese Gespräche ersetzen keine Behandlung, aber sie helfen im Moment und zeigen dir den nächsten Schritt.
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