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Studium abbrechen: was dann

Geprüft von der Redaktion

Studium abbrechen: was dann
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Studienabbruch ist kein Scheitern. Rund 28 von 100 Bachelorstudierenden beenden ihr Studium ohne Abschluss, an Universitäten sind es sogar 32 von 100.
  • Sprich zuerst mit der Studienberatung und der psychologischen Beratung deiner Hochschule, bevor du dich exmatrikulierst. Beides ist kostenlos.
  • Prüfe, ob ein Fachwechsel statt eines kompletten Abbruchs reicht. Bis zum Ende des zweiten Fachsemesters ist ein Wechsel meist auch fürs BAföG unproblematisch.
  • Vom BAföG musst du nur den Darlehensanteil zurückzahlen, also die Hälfte, zinslos und erst Jahre später. Das Amt muss aber sofort Bescheid wissen.
  • Nach einem Abbruch stehen dir eine Ausbildung, ein duales Studium, ein Neustart im anderen Fach oder der Direkteinstieg offen. Viele Ausbildungen lassen sich verkürzen.
  • Melde dich früh bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Die Beratung ist kostenlos und hilft dir, den nächsten Schritt zu finden.

Was solltest du zuerst tun, wenn du ans Abbrechen denkst?

Bevor du dich exmatrikulierst, sprich mit der Zentralen Studienberatung deiner Hochschule. Ein Abbruch ist kein Makel, sondern eine Entscheidung, die viele treffen: Rund 28 von 100 Bachelorstudierenden in Deutschland beenden ihr Studium ohne Abschluss. Du bist mit diesem Gedanken also weder allein noch versagst du.

Der Grund für den frühen Rat ist einfach. Sobald du weg bist, verlierst du den Zugang zu Angeboten, die dir gerade jetzt helfen: die Studienberatung, die psychologische Beratung des Studenten- oder Studierendenwerks, günstige Krankenversicherung und oft auch das BAföG. Ein Gespräch kostet dich nichts und du bindest dich an nichts. Es sortiert nur, ob du wirklich das ganze Studium beenden willst oder ob ein kleinerer Schritt genügt: ein Fachwechsel, ein Urlaubssemester, ein Teilzeitstudium oder Hilfe bei einer konkreten Hürde wie einer Prüfung, die du dreimal nicht bestanden hast.

Viele, die abbrechen, tun das aus Gründen, die sich benennen und teils lösen lassen: die Leistungsanforderungen passen nicht, das Fach war doch nicht das richtige, das Geld fehlt, oder die eigene Gesundheit macht nicht mehr mit. Für jeden dieser Gründe gibt es eine eigene Anlaufstelle. Deshalb lohnt es sich, erst den Grund genau zu fassen und dann zu entscheiden.

Wie viele Studierende brechen ihr Studium ab?

Der Studienabbruch ist in Deutschland weit verbreitet. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hat für die Anfangsjahrgänge 2014 und 2015 eine Abbruchquote von 27 bis 28 Prozent im Bachelorstudium berechnet. Das heißt: Mehr als jede vierte Person, die ein Bachelorstudium beginnt, schließt es nicht ab. Die Zahlen unterscheiden sich stark nach Hochschultyp.

StudiumOrtAbbruchquote
BachelorUniversitätrund 32 Prozent
BachelorFachhochschulerund 23 Prozent
MasterUniversitätrund 19 Prozent
alle Erststudierendenerste drei Semesterrund 11 Prozent

Auffällig ist, dass viele Abbrüche früh passieren. Etwa 11 Prozent aller Erststudierenden hören schon in den ersten drei Semestern auf. Das ist kein Zufall, sondern zeigt, dass die erste Studienzeit die schwerste ist. Wer sie übersteht, kommt meist durch. Deshalb ist gerade am Anfang der Griff zur Beratung so wichtig, statt still für sich zu grübeln.

Solltest du abbrechen oder nur das Fach wechseln?

Ein Fachwechsel ist oft die bessere Wahl als ein kompletter Abbruch, weil du deinen Studierendenstatus behältst. Kläre vor der Entscheidung ehrlich: Stört dich das eine Fach, oder das Studieren an sich? Willst du weg von diesem Studiengang, oder weg von der Hochschule als Lebensform? Die Antwort entscheidet über den nächsten Schritt.

Wenn nur das Fach nicht passt, ist ein Wechsel meist unkompliziert. Beziehst du BAföG, ist der Wechsel bis zum Ende des zweiten Fachsemesters in der Regel ohne besondere Begründung möglich, ohne dass die Förderung leidet. Wechselst du später, brauchst du einen wichtigen Grund. Als wichtiger Grund gelten zum Beispiel ein grundlegender Neigungswandel oder die Erkenntnis, dass deine Eignung für das Fach nicht ausreicht. Ein unabweisbarer Grund, etwa eine plötzliche Allergie, die genau diesen Beruf unmöglich macht, wird sogar noch später anerkannt. Sprich das vor dem Wechsel mit dem BAföG-Amt durch, damit dir keine Förderung verloren geht.

Was passiert mit deinem BAföG bei einem Abbruch?

Wenn du dein Studium abbrichst, musst du nur den Darlehensanteil des BAföG zurückzahlen, also grob die Hälfte des erhaltenen Geldes. Diese Hälfte ist zinslos, und die Rückzahlung beginnt erst rund fünf Jahre nach dem Ende der Regelstudienzeit deines abgebrochenen Studiums. Die andere Hälfte war ein Zuschuss, den du behalten darfst. Insgesamt ist der Rückzahlbetrag beim klassischen BAföG gedeckelt, sodass die Summe überschaubar bleibt.

Wichtig ist die Mitteilungspflicht. Sobald dein Entschluss endgültig feststeht, musst du das BAföG-Amt sofort informieren. Wer zu spät Bescheid gibt, muss die Beträge zurückzahlen, die nach dem Entschluss noch geflossen sind. Die frühe Meldung schützt dich also vor Schulden, die sonst leicht entstehen. Ein kurzes Schreiben oder eine Vorsprache im Amt genügt.

Krankenversicherung und Geld nach der Exmatrikulation

Mit der Exmatrikulation endet deine studentische Pflichtversicherung, deshalb musst du deine Krankenversicherung neu regeln. Warte damit nicht, sonst entstehen Lücken. Wer jünger als 25 ist und keine oder nur geringe eigene Einkünfte hat, kann oft in die Familienversicherung der Eltern zurück. Nimmst du eine Ausbildung oder einen Job auf, versichert dich der Betrieb. Bist du danach arbeitsuchend gemeldet, übernimmt in vielen Fällen die Agentur für Arbeit die Beiträge.

Melde dich nach dem Abbruch bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, auch wenn du schon einen Plan hast. Das sichert Ansprüche, öffnet dir die kostenlose Berufsberatung und kann dir Zugang zu Förderungen verschaffen, etwa wenn du eine Umschulung anstrebst. Ein Studienabbruch bedeutet nicht, dass du sofort komplett allein für dich sorgen musst.

Welche Wege stehen dir nach dem Abbruch offen?

Nach einem Studienabbruch hast du mehr Möglichkeiten, als es sich gerade anfühlt. Vier Wege sind besonders häufig, und in jeden zählt deine bisherige Studienzeit hinein, statt verloren zu sein. Betriebe schätzen, dass du selbstständig arbeitest, dich in schwierige Themen einarbeiten kannst und ungefähr weißt, was dir liegt.

AusbildungDuales StudiumNeues FachDirekteinstieg
Vier häufige Wege nach einem Studienabbruch. Bild: KI generiert.

Eine Ausbildung ist der klassische Neustart. Viele Betriebe stellen gern Studienabbrechende ein, und oft lässt sich die Ausbildungszeit verkürzen, weil du Vorwissen mitbringst. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) beraten dazu und vermitteln passende Betriebe. Ein duales Studium verbindet Praxis und Theorie und passt, wenn dir im alten Studium der Bezug zum Beruf fehlte. Ein Neustart in einem anderen Fach ist sinnvoll, wenn nicht das Studieren, sondern nur die Fachrichtung das Problem war. Und der Direkteinstieg in einen Job ohne formale Ausbildung klappt vor allem dort, wo Personal knapp ist und Können mehr zählt als der Abschluss.

Wie du den Abbruch Schritt für Schritt regelst

Wenn dein Entschluss feststeht, hilft eine feste Reihenfolge, damit nichts durchrutscht und keine unnötigen Kosten entstehen.

  1. Vereinbare ein Gespräch bei der Zentralen Studienberatung. Sie prüft mit dir Alternativen und erklärt den formalen Ablauf an deiner Hochschule.
  2. Nutzt du auch die psychologische Beratung des Studierendenwerks, wenn dich die Lage stark belastet. Auch das ist kostenlos.
  3. Informiere das BAföG-Amt sofort über deinen Entschluss, um Rückforderungen zu vermeiden.
  4. Kläre deine Krankenversicherung, bevor du dich exmatrikulierst, damit keine Lücke entsteht.
  5. Melde dich bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und lass dich zu Ausbildung, Umschulung oder Einstieg beraten.
  6. Erst dann die Exmatrikulation beantragen. Bewahre die Bescheinigung gut auf, du brauchst sie für Kasse, Amt und Bewerbungen.

Ein Studienabbruch kann sich nach einer Niederlage anfühlen, ist aber keine. Wenn dich die Lage seelisch stark belastet, dich Grübeln, Antriebslosigkeit oder Verzweiflung nicht loslassen, hol dir Unterstützung. Die psychologische Beratung der Studenten- und Studierendenwerke ist kostenlos und vertraulich. In akuten Krisen erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr und anonym unter 116 123.

Häufige Fragen

Ist ein Studienabbruch schlecht für den Lebenslauf?

Ein Studienabbruch ist für den Lebenslauf kein Ausschlusskriterium. Viele Betriebe werten die Studienzeit als Pluspunkt, weil du selbstständiges Arbeiten und Vorwissen mitbringst. Wichtig ist, dass du im Bewerbungsgespräch offen erklärst, warum du gewechselt hast und was du jetzt willst.

Muss ich mein BAföG nach einem Studienabbruch komplett zurückzahlen?

Nein, du musst dein BAföG nach einem Studienabbruch nicht komplett zurückzahlen. Nur der Darlehensanteil ist zurückzuzahlen, das ist etwa die Hälfte des erhaltenen Geldes, zinslos und erst rund fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit. Die andere Hälfte war ein Zuschuss und bleibt dir.

Kann ich eine Ausbildung nach dem Studienabbruch verkürzen?

Ja, eine Ausbildung lässt sich nach einem Studienabbruch häufig verkürzen. Betrieb und Kammer können anrechnen, was du schon kannst, sodass sich die Ausbildungszeit oft um bis zu ein Jahr verringert. Sprich das früh mit dem Betrieb und der IHK oder Handwerkskammer ab.

Sollte ich lieber das Fach wechseln statt ganz abzubrechen?

Ein Fachwechsel ist oft besser als ein kompletter Abbruch, wenn nur die Fachrichtung nicht passt, denn du behältst deinen Studierendenstatus. Beziehst du BAföG, ist ein Wechsel bis zum Ende des zweiten Fachsemesters meist ohne besondere Begründung möglich. Später brauchst du einen wichtigen Grund.

Wo bekomme ich nach einem Studienabbruch kostenlose Beratung?

Kostenlose Beratung nach einem Studienabbruch bekommst du bei der Zentralen Studienberatung deiner Hochschule, bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit und bei der IHK oder Handwerkskammer. In mehreren Bundesländern beraten außerdem Netzwerke, die auf Studienabbrechende spezialisiert sind, ebenfalls kostenfrei.

Wann muss ich das BAföG-Amt über den Abbruch informieren?

Du musst das BAföG-Amt sofort informieren, sobald dein Entschluss zum Abbruch endgültig feststeht. Meldest du dich zu spät, musst du die Förderung zurückzahlen, die nach deinem Entschluss noch geflossen ist. Eine frühe Meldung schützt dich also vor unnötigen Schulden.

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