Bargeld für den Zahlungsausfall
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Bei einem Stromausfall funktionieren Kartenterminals und Geldautomaten oft nicht mehr, Bargeld bleibt dann das einzige verlässliche Zahlungsmittel.
- Das BBK rät zu einer ausreichenden Bargeldmenge im Haus, ohne dafür einen festen Betrag vorzugeben.
- Kleine Scheine und etwas Münzgeld sind wichtiger als eine große Summe, weil Wechselgeld im Ernstfall knapp wird.
- Deutsche Haushalte halten laut einer Bundesbank-Erhebung im Schnitt bereits rund 1.364 Euro Bargeld zu Hause oder im Schließfach.
- Der Vorrat gehört sicher verwahrt, etwa in einer feuerfesten Kassette, statt als große Summe offen im Portemonnaie.
Warum Kartenzahlung bei einem Stromausfall ausfällt
Kartenzahlung fällt bei einem Stromausfall aus, weil Kartenterminals, Kassensysteme und Geldautomaten auf eine durchgehende Stromversorgung und eine Datenverbindung angewiesen sind. Fällt eine der beiden weg, lässt sich weder mit Karte bezahlen noch Bargeld am Automaten abheben, selbst wenn auf dem Konto genug Guthaben vorhanden ist. Das BBK weist deshalb ausdrücklich darauf hin, eine ausreichende Bargeldmenge zu Hause bereitzuhalten, weil Geldautomaten bei einem Stromausfall ebenfalls ausfallen.
Das Problem betrifft nicht nur seltene Großereignisse. Ein regionaler Stromausfall nach einem Unwetter, ein technischer Defekt im Zahlungsnetz oder ein Cyberangriff auf einen Zahlungsdienstleister reichen aus, um für Stunden bis Tage einen ganzen Landstrich von Kartenzahlung abzuschneiden. Wer in diesem Zeitraum weder Brot noch Kerzen kaufen kann, merkt schnell, wie sehr sich der Alltag inzwischen auf Karte und Smartphone verlässt.
Wenn das Bezahlen wirklich ausfällt: zwei Beispiele
Dass ein Zahlungsausfall kein theoretisches Szenario ist, zeigen zwei jüngere Ereignisse. Am 24. Mai 2022 fielen in Deutschland bundesweit tausende Kartenterminals des Modells Verifone H5000 aus, betroffen waren Ketten wie Edeka, Aldi Nord, dm und Rossmann. Ursache war kein Stromausfall, sondern ein Softwarefehler nach einem nicht eingespielten Update. Es dauerte rund vier Wochen, bis das Bezahlen mit Karte wieder weitgehend überall funktionierte, für einzelne große Händler und Tankstellen zogen sich die Probleme sogar länger hin. In dieser Zeit konnte in vielen Geschäften nur mit Bargeld bezahlt werden.
Am 28. April 2025 legte ein großflächiger Stromausfall die gesamte Iberische Halbinsel lahm, betroffen waren rund 60 Millionen Menschen in Spanien und Portugal. Der Strom fiel gegen halb eins mittags aus und kehrte erst in der Nacht stufenweise zurück. Kartenzahlung und Geldautomaten funktionierten während des Ausfalls nicht, und viele Menschen strömten in die Läden, um Wasser, Konserven und Taschenlampen zu kaufen, doch nicht jeder hatte Bargeld dabei. Beide Fälle machen dasselbe deutlich: Wer im entscheidenden Moment auf Scheine und Münzen zurückgreifen kann, bleibt handlungsfähig, während sich vor den Kassen die Schlangen der Bargeldlosen stauen.
Wie viel Bargeld für den Ernstfall angemessen ist
Eine feste Summe für den Ernstfall nennt das BBK bewusst nicht, sondern spricht allgemein von einer ausreichenden Bargeldmenge im Haus. Die Verbraucherzentrale konkretisiert das mit dem Rat, Bargeld in kleiner Stückelung bereitzuhalten, weil Kartenzahlung und Geldautomaten bei einem Stromausfall oft nicht zuverlässig funktionieren. Als Anhaltspunkt hilft, sich am eigenen Bedarf für einige Tage zu orientieren: Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente und eventuell Kraftstoff für einen Notstromerzeuger.
Wie viel Bargeld deutsche Haushalte tatsächlich zu Hause haben, hat die Deutsche Bundesbank in einer repräsentativen Erhebung untersucht. Demnach bewahrten Privatpersonen in Deutschland im Erhebungsjahr durchschnittlich 1.364 Euro zu Hause oder in einem Bankschließfach auf, deutlich mehr als die rund 107 Euro, die im Portemonnaie für den Alltag mitgeführt werden. Als wichtigen Grund für diese Rücklage nennt die Bundesbank ausdrücklich mangelndes Vertrauen in die Sicherheit und Belastbarkeit der technischen Infrastruktur, etwa die Sorge vor Hackerangriffen.
Kleine Scheine und Münzen sind wichtiger als eine große Summe
Für den Ernstfall zählt weniger die Höhe der Summe als ihre Aufteilung. Ein einzelner großer Schein nützt wenig, wenn ein Geschäft im Stromausfall kein Wechselgeld herausgeben kann, weil auch dort die Kasse ohne Strom nicht öffnet oder kein Bargeld bereitliegt. Scheine zu 5, 10 und 20 Euro sowie eine kleine Menge Münzen decken den täglichen Einkauf deutlich verlässlicher ab als ein 200-Euro-Schein, der im Zweifel liegen bleibt.
Münzen gewinnen zusätzlich an Bedeutung, weil manche batteriebetriebenen oder mechanischen Automaten, etwa für Parkscheine oder Getränke, ausschließlich Münzgeld annehmen. Eine kleine Reserve an 1- und 2-Euro-Münzen ergänzt deshalb sinnvoll den Vorrat an Scheinen. Praktisch bewährt hat sich, den Notvorrat gezielt zusammenzustellen, etwa aus einer Mischung mehrerer Zehner und Zwanziger und einer Handvoll Münzen, statt einfach beiseitezulegen, was gerade übrig ist.
So unterscheiden sich Bargeld im Geldbeutel und Bargeld als Reserve
Die Bundesbank-Erhebung unterscheidet zwischen dem Bargeld, das für alltägliche Zahlungen im Portemonnaie mitgeführt wird, und dem Bargeld, das als längerfristige Reserve zu Hause oder im Schließfach liegt. Die folgende Tabelle stellt beide Größenordnungen gegenüber.
| Art des Bargelds | Durchschnittsbetrag | Zweck |
|---|---|---|
| Bargeld im Portemonnaie | rund 107 Euro | Laufende Alltagszahlungen |
| Bargeld zu Hause oder im Schließfach | rund 1.364 Euro | Längerfristige Reserve und Vorsicht |
| Regionale Reserve, neue Bundesländer | rund 2.281 Euro | Deutlich höher als im Westen, laut Bundesbank |
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Ein Bargeldvorrat für Notfälle ist in deutschen Haushalten bereits heute weit verbreitet, auch wenn er selten bewusst als Krisenvorsorge bezeichnet wird. Wer keinen solchen Vorrat hat, baut ihn am einfachsten schrittweise auf, statt auf einen Schlag eine größere Summe abzuheben.
Wo der Bargeldvorrat zu Hause sicher liegt
Bargeld gehört nicht offen sichtbar in eine Schublade, sondern in eine feuerfeste, verschlossene Kassette an einem Ort, den nur Haushaltsmitglieder kennen. Das schützt gleichzeitig vor Einbruch und vor Schäden durch Feuer oder Löschwasser. Wichtig zu wissen: Die Hausratversicherung deckt Bargeld in der Regel nur bis zu einem Betrag zwischen 1.000 und 2.000 Euro ab, wenn es nicht in einem Tresor eingeschlossen war, bei größeren Summen lohnt sich deshalb ein Blick in die eigene Police.
Der Vorrat sollte an einem Ort liegen, der im Ernstfall schnell erreichbar ist, aber nicht offensichtlich als Versteck erkennbar. Ein Schließfach bei der Bank bietet mehr Sicherheit, ist im Ernstfall aber nur zu den Öffnungszeiten zugänglich, weshalb sich eine Kombination aus kleinerem Hausvorrat und größerer Reserve im Schließfach oft am besten eignet.
Bargeld gehört auch ins Notgepäck
Bargeld ist nicht nur für das Bezahlen zu Hause wichtig, sondern auch für den Fall, dass eine Wohnung schnell verlassen werden muss, etwa bei Hochwasser oder einem Brand in der Nachbarschaft. Das BBK empfiehlt für solche Lagen ein Notgepäck, in das neben Dokumenten, Medikamenten und Verpflegung auch etwas Bargeld gehört. Ein kleiner Betrag in kleiner Stückelung, gemeinsam mit Kopien der wichtigsten Dokumente in einer Dokumentenmappe, macht in einer Notlage schnell handlungsfähig.
Auch auf europäischer Ebene ist das Thema angekommen. Die EU-Kommission rief die Bürgerinnen und Bürger 2025 dazu auf, ein Notfallpaket für die ersten 72 Stunden einer Krise bereitzuhalten, und nannte darin ausdrücklich auch Bargeld. Der Grundgedanke ist überall derselbe: In den ersten Stunden und Tagen einer Störung muss jeder Haushalt sich selbst versorgen können, bevor Hilfe von außen greift.
Warum Augenmaß wichtiger ist als eine möglichst hohe Summe
Bargeld zu Hause bringt keine Zinsen und verliert über die Zeit durch Inflation an Kaufkraft, anders als Geld auf einem verzinsten Konto. Für die Krisenvorsorge zählt deshalb nicht, möglichst viel anzusparen, sondern genug für eine überschaubare Zeitspanne von einigen Tagen bereitzuhalten. Wie das übrige Vermögen am besten angelegt oder versteuert wird, ist eine Frage für die individuelle Finanz- und Steuerberatung und hängt von der persönlichen Situation ab.
Ein zu hoher Bargeldbestand zu Hause erhöht vor allem das Risiko bei Einbruch oder Brand, ohne dass dem ein vergleichbarer Nutzen für die Krisenvorsorge gegenübersteht. Wer regelmäßig prüft, ob die vorhandene Reserve noch zum eigenen Bedarf passt, findet meist von selbst ein vernünftiges Maß zwischen zu wenig und zu viel.
Die ersten Schritte zum eigenen Bargeldvorrat
- Den eigenen Bedarf für einige Tage überschlagen: Lebensmittel, Hygiene, Medikamente, eventuell Kraftstoff.
- Den Betrag über mehrere Wochen in kleinen Scheinen und etwas Münzgeld zusammensparen.
- Eine feuerfeste, verschlossene Kassette für die Aufbewahrung zu Hause besorgen.
- Einen kleinen Teil des Vorrats für das Notgepäck bereitlegen, falls die Wohnung schnell verlassen werden muss.
- Bei größeren Summen die Deckungsgrenze der eigenen Hausratversicherung prüfen.
- Den Vorrat einmal im Jahr kontrollieren und bei Bedarf ergänzen.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Wie viel Bargeld empfiehlt das BBK für den Notfall?
Das BBK nennt bewusst keinen festen Betrag, sondern empfiehlt allgemein eine ausreichende Bargeldmenge im Haus, weil Geldautomaten bei einem Stromausfall ebenfalls ausfallen. Als Orientierung dient der eigene Bedarf für einige Tage, angepasst an Haushaltsgröße und Lebenshaltungskosten.
Ist ein Zahlungsausfall in Deutschland schon einmal vorgekommen?
Ja. Im Mai 2022 fielen in Deutschland bundesweit tausende Kartenterminals des Modells Verifone H5000 aus, betroffen waren Ketten wie Edeka, Aldi Nord, dm und Rossmann, und es dauerte rund vier Wochen bis zur weitgehenden Behebung. Beim Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel im April 2025 fielen Kartenzahlung und Geldautomaten für Millionen Menschen aus.
Warum sind kleine Scheine besser als große Summen in einem Schein?
Kleine Scheine sind besser, weil Geschäfte bei einem Stromausfall oft kein Wechselgeld herausgeben können, wenn auch dort die Kasse ohne Strom nicht öffnet. Scheine zu 5, 10 und 20 Euro lassen sich im Ernstfall zuverlässiger einsetzen als ein einzelner großer Schein.
Wie viel Bargeld hat ein durchschnittlicher deutscher Haushalt zu Hause?
Laut einer Erhebung der Deutschen Bundesbank bewahrten Privatpersonen in Deutschland durchschnittlich 1.364 Euro zu Hause oder in einem Bankschließfach auf, deutlich mehr als die rund 107 Euro, die im Portemonnaie für den Alltag mitgeführt werden.
Deckt die Hausratversicherung Bargeld, das zu Hause aufbewahrt wird?
Die Hausratversicherung deckt Bargeld in der Regel nur bis zu einem Betrag zwischen 1.000 und 2.000 Euro ab, wenn es nicht in einem Tresor eingeschlossen war. Bei größeren Summen lohnt sich ein Blick in die eigene Police oder die Anschaffung eines Tresors.
Sollte man wegen der Krisenvorsorge größere Summen vom Konto abheben?
Nein, für die Krisenvorsorge reicht eine überschaubare Reserve für einige Tage, kein großer Betrag auf einmal. Bargeld zu Hause bringt keine Zinsen und erhöht bei zu hohen Summen vor allem das Risiko bei Einbruch oder Brand, ohne einen vergleichbaren Nutzen zu bringen.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Vorsorge und Handeln bei Stromausfall, Empfehlung zur Bargeldvorsorge. bbk.bund.de
- Verbraucherzentrale: Was tun bei Stromausfall, gut vorbereitet und richtig handeln. verbraucherzentrale.de
- Deutsche Bundesbank: Ausmaß und Motive der Aufbewahrung von Bargeld in deutschen Haushalten, Monatsbericht Juli 2020. bundesbank.de
- Handelsblatt zum bundesweiten Ausfall der Verifone-H5000-Kartenterminals im Jahr 2022. handelsblatt.com
- Wikipedia zum Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel am 28. April 2025. de.wikipedia.org
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