Die Hausapotheke für den Notfall
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Das BBK empfiehlt eine Hausapotheke mit Verbandmaterial, gängigen Notfallmedikamenten und ausreichend persönlichen Dauermedikamenten.
- Dazu gehören unter anderem Schmerz- und Fiebermittel, Mittel gegen Durchfall und Erkältung, ein Fieberthermometer sowie Haut- und Wunddesinfektionsmittel.
- Rezeptpflichtige Medikamente wie Blutdrucksenker gehören ausschließlich der Person, für die sie verschrieben wurden.
- Aufbewahrt wird die Hausapotheke kühl, dunkel und trocken, das Badezimmer ist laut BBK der falsche Platz dafür.
- Verfallsdaten sollten mindestens einmal im Jahr geprüft werden, eine Hausapotheke ersetzt aber nie den ärztlichen Rat.
Was in eine Notfall-Hausapotheke gehört
In eine Notfall-Hausapotheke gehören Verbandmaterial, frei verkäufliche Medikamente gegen die häufigsten Beschwerden und die persönlichen Dauermedikamente aller Haushaltsmitglieder. Das BBK empfiehlt diese Mischung, weil Apotheken und Notdienste bei einer Krise zeitweise schwerer erreichbar sein können als im Alltag.
Die folgende Übersicht ordnet die einzelnen Positionen nach Kategorie und lässt sich als Einkaufsliste für die eigene Hausapotheke nutzen:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Verbandmaterial | sterile Kompressen, Mullbinden, Pflaster, Verbandpäckchen, Dreiecktuch, Verbandschere |
| Schmerz- und Fiebermittel | Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel, Fieberthermometer |
| Mittel gegen häufige Beschwerden | Erkältungsmittel, Mittel gegen Durchfall und Übelkeit, abschwellendes Nasenspray |
| Wundversorgung | Haut- und Wunddesinfektionsmittel, Brand- und Heilsalbe, Einmalhandschuhe, Pinzette |
| Persönliche Medikamente | verschriebene Dauermedikamente in ausreichender Menge |
| Sonstiges | Elektrolyte zum Flüssigkeitsausgleich, Kühlkompresse, Liste mit Notrufnummern |
Eine Liste mit den wichtigsten Notrufnummern gehört ebenfalls in die Hausapotheke, an erster Stelle die 112. Apotheker Ingo Müller weist gegenüber der Apotheken Umschau darauf hin, dass im Ernstfall selbst die einfachste Nummer manchmal nicht sofort präsent ist. Sinnvoll ergänzt wird die Liste um den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117, die Nummer der Giftnotrufzentrale und den Apotheken-Notdienst, damit im Zweifel niemand erst lange suchen muss.
Elektrolytpulver verdient dabei mehr Beachtung, als es meist bekommt. Bei starkem Durchfall oder anhaltendem Erbrechen verliert der Körper Wasser und Salze, und gerade bei Kindern und älteren Menschen kann das schnell gefährlich werden. Eine fertige Elektrolytmischung aus der Apotheke gleicht diesen Verlust gezielter aus als reines Wasser und gehört deshalb in jeden Vorrat.
Warum persönliche Dauermedikamente einen eigenen Vorrat brauchen
Persönliche Dauermedikamente brauchen einen eigenen Vorrat, weil eine chronische Erkrankung nicht wartet, bis die nächste Apotheke wieder gut erreichbar ist. Wer regelmäßig auf ein Medikament angewiesen ist, bespricht am besten mit der Hausärztin oder dem Hausarzt, ob ein etwas größerer Vorrat auf Rezept vertretbar ist.
Rezeptpflichtige Mittel wie Blutdrucksenker oder Insulin gehören ausdrücklich nicht in die gemeinsame Hausapotheke der ganzen Familie. Sie darf ausschließlich die Person einnehmen, für die sie verschrieben wurde, weil eine Verwechslung oder eine falsche Dosierung ernste Folgen haben kann. Insulin und einige andere Präparate brauchen zudem durchgehend den Kühlschrank, allerdings ohne dabei einzufrieren.
Für unterwegs oder für den Fall einer plötzlichen Evakuierung lohnt sich zusätzlich eine kleine, griffbereite Zusammenstellung der wichtigsten Dauermedikamente für ein paar Tage, ergänzt um einen aktuellen Medikamentenplan und, falls vorhanden, den Allergiepass. So lässt sich die Versorgung im Notfall schnell mitnehmen, ohne zuerst durch mehrere Schränke suchen zu müssen.
Besondere Bedarfe bei Kindern, Älteren und chronisch Kranken
Wie umfangreich die Ausstattung ausfällt, hängt vom Haushalt ab. Babys und Kleinkinder brauchen andere Darreichungsformen als Erwachsene, etwa Fieberzäpfchen statt Tabletten und altersgerecht dosierte Säfte, die niemals über die Erwachsenendosis hinausgehen dürfen. Für sie gehören außerdem eine kindgerechte Elektrolytmischung und, falls verordnet, Notfallmedikamente wie ein Fieberkrampf- oder Allergie-Set in die Nähe.
Ältere Menschen nehmen häufig mehrere Dauermedikamente gleichzeitig ein. Hier hilft ein Medikamentenplan, der alle Präparate mit Dosierung und Einnahmezeit auflistet, damit im Ernstfall auch eine helfende Person den Überblick behält. Wer eine bekannte Allergie, Diabetes oder eine Herzerkrankung hat, sollte ein entsprechendes Notfallset und einen Hinweis darauf gut sichtbar bereithalten. Wer die Grundlagen der Ersten Hilfe auffrischen möchte, findet passende Kurse regelmäßig beim DRK oder anderen Hilfsorganisationen vor Ort.
Ergänzend zur Hausapotheke lohnt sich ein kleines, transportables Set für unterwegs. Eine handliche Tasche mit Pflastern, sterilen Kompressen, einer Wunddesinfektion, Einmalhandschuhen und den eigenen wichtigsten Medikamenten passt in Rucksack, Auto oder Notgepäck. So ist im Alltag außer Haus und bei einer plötzlichen Evakuierung eine Grundversorgung dabei, ohne dass die vollständige Hausapotheke bewegt werden muss. Auch dieses Set gehört in die jährliche Kontrolle, weil die enthaltenen Mittel dort leicht in Vergessenheit geraten und unbemerkt ablaufen.
Erste Hilfe können zählt so viel wie die Ausstattung
Eine gut bestückte Hausapotheke hilft nur so viel, wie jemand im Haushalt mit ihrem Inhalt umgehen kann. Wer weiß, wie eine blutende Wunde gereinigt und mit einem Druckverband versorgt wird, wie man eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringt und wann ein Notruf nötig ist, nutzt das Material im Ernstfall sinnvoll. Erste-Hilfe-Kurse bieten das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund und andere Organisationen regelmäßig an, häufig an einem einzigen Tag.
Weil die Handgriffe mit der Zeit verblassen, empfiehlt sich eine Auffrischung etwa alle zwei bis drei Jahre. Für Familien mit kleinen Kindern gibt es eigene Kurse, die auf Notfälle im Säuglings- und Kleinkindalter eingehen, etwa auf Fieberkrämpfe, verschluckte Gegenstände oder Verbrühungen. Die Kombination aus vorhandenem Material und geübten Handgriffen entscheidet im Ernstfall mehr als die Vollständigkeit des Schranks allein.
Wie lange Medikamente haltbar bleiben und wie das kontrolliert wird
Das aufgedruckte Verfallsdatum gilt zunächst nur für ungeöffnete Packungen. Einzeln verpackte Tabletten in Blistern bleiben meist auch nach dem Öffnen bis zu diesem Datum wirksam, während Cremes, Salben, Säfte und Tropfen nach dem Anbruch deutlich kürzer halten. Manche Augentropfen etwa sind selbst mit Konservierungsstoff oft nur sechs Wochen nach dem ersten Öffnen verwendbar.
Verfärbungen, Verklumpungen, zerbröselte Tabletten oder ein ungewöhnlicher Geruch können darauf hindeuten, dass ein Medikament schon vor dem aufgedruckten Datum Schaden genommen hat. Deshalb sollte die Hausapotheke mindestens einmal im Jahr komplett durchgesehen werden, am besten mit Blick auf Vollständigkeit und Haltbarkeit gleichzeitig. Ein fester Termin, etwa der Wechsel zur Sommer- oder Winterzeit, hilft dabei, diese Kontrolle nicht zu vergessen. Wer jede angebrochene Packung mit dem Anbruchdatum beschriftet, erkennt beim Durchsehen sofort, was zu lange offen ist.
Abgelaufene Mittel gehören in eine blickdichte, gut verschlossene Tüte in den Restmüll, keinesfalls in die Toilette oder das Waschbecken, weil Kläranlagen die Wirkstoffe nicht vollständig herausfiltern und Rückstände so in Gewässer gelangen können.
Wo die Hausapotheke richtig aufbewahrt wird
Die Hausapotheke gehört an einen kühlen, dunklen und trockenen Ort, etwa ins Schlafzimmer, einen Flurschrank oder eine Abstellkammer. Tabletten und Dragees sollten dauerhaft nicht über 25 Grad gelagert werden, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen betont.
Bad und Küche sind laut BBK der falsche Platz, obwohl genau dort fast zwei Drittel aller Haushalte ihre Medikamente aufbewahren. Feuchtigkeit und schwankende Temperaturen lassen Wirkstoffe schneller altern und können im schlimmsten Fall giftige Abbauprodukte entstehen lassen. Leben Kinder im Haushalt, muss der Schrank oder Koffer zusätzlich abschließbar sein, denn eine Kiste im obersten Fach reicht gegen kletternde Kinder nicht aus.
Wer ein Auto besitzt, sollte den Kfz-Verbandkasten in dieselbe jährliche Kontrolle einbeziehen. Er unterliegt einer eigenen DIN-Norm, das sterile Material darin kann durch brüchig gewordene Verpackungen verkeimen, und bei überschrittenem Verfallsdatum drohen im schlimmsten Fall sogar Bußgelder bei einer Kontrolle.
Die ersten Schritte zur eigenen Notfall-Hausapotheke
- Mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen, wie viel Vorrat der eigenen Dauermedikamente vertretbar ist.
- Verbandmaterial und die wichtigsten Notfallmedikamente nach der BBK-Liste zusammenstellen.
- Einen abschließbaren, kühlen und dunklen Platz abseits von Bad und Küche einrichten.
- Jede Packung mit dem Anbruchdatum beschriften und den Beipackzettel griffbereit dazulegen.
- Die Hausapotheke einmal im Jahr komplett durchsehen und abgelaufene Mittel fachgerecht entsorgen.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Was gehört mindestens in eine Notfall-Hausapotheke?
In eine Notfall-Hausapotheke gehören mindestens Verbandmaterial, Schmerz- und Fiebermittel, ein Fieberthermometer, Haut- und Wunddesinfektionsmittel sowie die persönlichen Dauermedikamente aller Haushaltsmitglieder.
Dürfen rezeptpflichtige Medikamente mit anderen Familienmitgliedern geteilt werden?
Nein, rezeptpflichtige Medikamente wie Blutdrucksenker darf ausschließlich die Person einnehmen, für die sie verschrieben wurden, weil Wechselwirkungen und eine falsche Dosierung sonst gefährlich werden können.
Wie oft sollte die Hausapotheke kontrolliert werden?
Die Hausapotheke sollte mindestens einmal im Jahr vollständig kontrolliert werden, damit abgelaufene oder beschädigte Medikamente rechtzeitig auffallen und ersetzt werden.
Warum ist das Badezimmer der falsche Ort für die Hausapotheke?
Das Badezimmer ist der falsche Ort für die Hausapotheke, weil Feuchtigkeit und schwankende Temperaturen Medikamente schneller altern lassen und im schlimmsten Fall giftige Abbauprodukte entstehen können.
Sollte man Jodtabletten für den Notfall auf Vorrat kaufen?
Nein, Jodtabletten gehören nicht vorsorglich in die Hausapotheke. Sie wirken nur gegen eine bestimmte radioaktive Belastung, sind hoch dosiert und dürfen ausschließlich nach einer amtlichen Aufforderung eingenommen werden. Bei einem entsprechenden Ereignis wird die Ausgabe über die Behörden organisiert.
Gehören Antibiotika oder Reste verschreibungspflichtiger Medikamente in die Hausapotheke?
Nein, Antibiotika und andere Reste verschreibungspflichtiger Medikamente gehören nicht auf Vorrat in die Hausapotheke. Sie sind für eine bestimmte Person und Erkrankung verordnet, und eine Einnahme auf Verdacht kann schaden oder Resistenzen fördern. Ein verordnetes Antibiotikum wird bis zum ärztlich festgelegten Ende genommen, Reste werden fachgerecht entsorgt.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Im Notfall schnell einsatzbereit, die Hausapotheke. bbk.bund.de
- Apotheken Umschau: Alles drin? Das gehört in die Hausapotheke. apotheken-umschau.de
- Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Medikamente bei Hitze richtig lagern. verbraucherzentrale.nrw
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