Helfer in der Krise

Krisenvorsorge und Notfallvorbereitung

Geprüft von der Redaktion

Krisenvorsorge und Notfallvorbereitung
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Krisenvorsorge heißt, für einige Tage ohne Hilfe von außen auskommen zu können, ruhig und ohne Panik.
  • Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt, für etwa zehn Tage mit Lebensmitteln und Wasser bevorratet zu sein.
  • Die wichtigsten Bausteine sind Vorrat, Trinkwasser, Notgepäck, Dokumente, ein Plan und der Zugang zu Warnungen.
  • Man muss nicht alles auf einmal anschaffen. Schon kleine Schritte erhöhen die eigene Sicherheit spürbar.
  • Bei akuter Gefahr gilt immer der Notruf 112, amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA.

Was Krisenvorsorge bedeutet

Krisenvorsorge bedeutet, sich so vorzubereiten, dass man einen Notfall einige Tage lang aus eigener Kraft übersteht, bis Hilfe verfügbar ist oder die Lage sich normalisiert. Es geht nicht um Angst oder um das Ausmalen von Katastrophen, sondern um praktische Gelassenheit: Wer einen Vorrat, etwas Ausrüstung und einen einfachen Plan hat, gerät bei einem Stromausfall, einem Unwetter oder einer Versorgungsstörung nicht in Not. Diese Seite gibt einen Überblick über die Bausteine der Vorsorge und darüber, womit man am besten anfängt.

Warum sich Vorsorge lohnt

Vorsorge lohnt sich, weil Störungen der Versorgung selten angekündigt sind und die staatliche Hilfe in einer großflächigen Lage nicht überall sofort ankommen kann. Ein länger andauernder Stromausfall legt Heizung, Wasserversorgung, Kartenzahlung und Kommunikation lahm. Unwetter, Hochwasser oder ein Leitungsschaden können dazu führen, dass man das Haus für Stunden oder Tage nicht verlassen oder nicht einkaufen kann. Wer vorbereitet ist, überbrückt diese Zeit ruhig und kann sogar Nachbarn helfen, statt selbst auf Hilfe angewiesen zu sein. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre, von großflächigen Unwettern über Hochwasser bis zu einzelnen längeren Stromausfällen, haben gezeigt, dass solche Lagen keine ferne Theorie sind. Sie treffen niemanden gezielt, aber sie können jeden treffen, und die entscheidenden ersten Stunden lassen sich mit etwas Vorbereitung deutlich leichter überstehen.

1Risiken einschätzen2Vorräte anlegen3Ausrüstung bereitlegen4Plan machen und üben5Informiert bleiben
Die Bausteine der Krisenvorsorge. Bild: KI generiert.

Die wichtigsten Bausteine der Vorsorge

Gute Vorsorge steht auf mehreren Beinen. Kein einzelner Vorrat nützt viel, wenn Wasser, Licht oder ein Plan fehlen. Die folgende Übersicht ordnet die Bausteine ein. Jeder von ihnen ist auf dieser Seite in einem eigenen Ratgeber vertieft.

BausteinWorum es geht
NotvorratHaltbare Lebensmittel für etwa zehn Tage, die man regelmäßig verbraucht und ergänzt.
TrinkwasserEin Wasservorrat und das Wissen, wie man Wasser im Notfall aufbereitet.
NotgepäckEin gepackter Rucksack für den Fall, dass man das Haus schnell verlassen muss.
DokumenteWichtige Papiere gesammelt, kopiert und griffbereit in einer Mappe.
Warnung und PlanZugang zu amtlichen Warnungen und ein einfacher Notfallplan für die Familie.

Wie viel Vorrat sinnvoll ist

Als Richtwert empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, für etwa zehn Tage mit Lebensmitteln und Getränken bevorratet zu sein. Für Trinkwasser gilt als Orientierung rund zwei Liter pro Person und Tag zum Trinken und für die Zubereitung von Speisen. Der Vorrat sollte aus haltbaren Dingen bestehen, die man ohnehin isst, damit sich das Prinzip des lebenden Vorrats umsetzen lässt: Man verbraucht die ältesten Vorräte zuerst und kauft frische nach. So verdirbt nichts, und der Vorrat bleibt immer aktuell.

Was in einen Zehn-Tage-Vorrat gehört

Das BBK gliedert einen Lebensmittelvorrat in mehrere Gruppen, damit die Ernährung auch ohne Einkauf ausgewogen bleibt. Wichtig ist, dass ein Teil davon kalt genießbar ist, weil bei einem Stromausfall der Herd ausfällt. Die folgende Übersicht zeigt die Gruppen und je ein paar typische Beispiele, gerechnet für eine Person und rund zehn Tage.

GruppeBeispiele
GetränkeRund 20 Liter Wasser sowie haltbare Säfte, Kaffee oder Tee
Getreide und KartoffelnNudeln, Reis, Haferflocken, Zwieback, Knäckebrot, Kartoffeltrockenprodukte
Gemüse und HülsenfrüchteKonserven mit Bohnen, Linsen, Mais, Erbsen, Sauerkraut
Obst und NüsseDosenobst, Trockenobst, Nüsse, haltbare Fruchtmuse
MilchprodukteHaltbare Milch, Hartkäse, Kondensmilch
Fisch, Fleisch, EierKonserven mit Fisch oder Fleisch, Eipulver, haltbare Wurst
Fette und SonstigesÖl, Streichfette, Zucker, Salz, Honig, Fertiggerichte in Dosen

Die genauen Mengen hängen von Alter, Appetit und Ernährungsweise ab, und für die eigene Haushaltsgröße hilft der Vorratskalkulator des BBK weiter. Ein Camping- oder Gaskocher mit Reservekartuschen ergänzt den Vorrat sinnvoll, weil sich damit auch ohne Strom eine warme Mahlzeit zubereiten lässt, allerdings nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien.

Die Dokumentenmappe: was hineingehört

Eine Dokumentenmappe bündelt die Papiere, die man nach einem Brand, einem Hochwasser oder einer schnellen Evakuierung dringend braucht und nur schwer wiederbeschaffen kann. Sie gehört griffbereit an einen festen Platz, idealerweise wasserdicht verpackt, und ins Notgepäck, wenn es schnell gehen muss. Von den wichtigsten Papieren gehören zusätzlich Kopien an einen zweiten Ort, etwa zu Verwandten oder in einen verschlüsselten Cloud-Speicher.

Hinein gehören der Personalausweis oder Reisepass, Geburts- und Heiratsurkunden, Zeugnisse, der Impfausweis, Versicherungspolicen, Verträge, Grundbuchauszüge oder Mietverträge, Zahlungsbelege für laufende Verpflichtungen und eine Liste der wichtigsten Konten und Ansprechpartner. Wer Medikamente nimmt, legt einen aktuellen Medikamentenplan dazu. Diese Mappe einmal anzulegen kostet einen Nachmittag und erspart im Ernstfall wochenlangen Ärger mit Behörden und Versicherungen.

Das Notgepäck für den schnellen Aufbruch

Das Notgepäck ist ein fertig gepackter Rucksack für den Fall, dass die Wohnung schnell verlassen werden muss, etwa bei einem Brand, einem Gasaustritt oder einer Evakuierung wegen Hochwasser. Es sollte an einem leicht erreichbaren Ort stehen und ohne langes Suchen zu greifen sein. Der Inhalt reicht für einige Tage außer Haus und ist bewusst schlank, damit der Rucksack tragbar bleibt.

Zum Notgepäck gehören persönliche Medikamente und ein kleines Erste-Hilfe-Set, die Dokumentenmappe oder deren Kopien, etwas Bargeld in kleiner Stückelung, eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien, ein batteriebetriebenes Radio, eine Powerbank mit Ladekabel, Verpflegung und Wasser für unterwegs, wetterfeste Kleidung und ein Schlafsack oder eine Rettungsdecke. Für Kinder, ältere Angehörige und Haustiere kommen die jeweils nötigen Dinge dazu. Einmal im Jahr wird der Rucksack durchgesehen, damit Batterien, Medikamente und Verpflegung nicht unbemerkt ablaufen.

Womit man am besten anfängt

Am besten fängt man klein an und baut die Vorsorge Schritt für Schritt aus, statt alles auf einmal zu kaufen. Ein sinnvoller Anfang ist ein Vorrat an Wasser und haltbaren Lebensmitteln für einige Tage, eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien, ein batteriebetriebenes Radio und eine kleine Bargeldreserve. Danach folgen die Hausapotheke, die Dokumentenmappe und das Notgepäck. Wer die Warn-App NINA einrichtet und mit der Familie einen einfachen Treffpunkt vereinbart, hat die wichtigsten Grundlagen bereits gelegt. Hilfreich ist, sich einmal im Jahr einen festen Termin zu setzen, um die Vorräte zu prüfen, Batterien zu tauschen und abgelaufene Lebensmittel und Medikamente zu ersetzen, damit die Vorsorge nicht mit der Zeit stillschweigend veraltet.

Vorsorge für Kinder, ältere Menschen und Haustiere

Wer für andere mitsorgt, plant deren Bedürfnisse von Anfang an mit ein. Für Babys und kleine Kinder gehören Nahrung, Windeln und ein vertrautes Spielzeug in den Vorrat. Für ältere oder pflegebedürftige Angehörige sind vor allem die benötigten Medikamente, Brillen, Hörgerätebatterien und Hilfsmittel in ausreichender Menge wichtig. Wer dauerhaft auf ein Medikament angewiesen ist, bespricht mit der Arztpraxis oder Apotheke, wie sich ein kleiner Vorrat anlegen lässt, ohne die Versorgung anderer zu gefährden. Auch Haustiere brauchen Futter und Wasser für mehrere Tage. Menschen, die für medizinische Geräte auf Strom angewiesen sind, sollten für einen Ausfall besonders vorsorgen und im Zweifel den Netzbetreiber und den Rettungsdienst vorab über ihren Bedarf informieren.

Ebenso lohnt sich ein Blick auf die eigene Wohnsituation. Wer in einer oberen Etage ohne Aufzug wohnt, in einem hochwassergefährdeten Gebiet oder abgelegen auf dem Land, hat andere Schwerpunkte als jemand in der Innenstadt. Die Vorsorge sollte zur eigenen Lage passen, statt einer allgemeinen Liste blind zu folgen.

Die ersten Schritte zur Vorsorge

  1. Schätze deine Risiken ein: Wohnlage, Keller, Hochwassergefahr, Abhängigkeit von Strom und Medikamenten.
  2. Lege einen Wasser- und Lebensmittelvorrat für einige Tage an und ergänze ihn nach und nach.
  3. Halte Licht und Information bereit: Taschenlampe, Ersatzbatterien, batteriebetriebenes Radio, Powerbank.
  4. Sammle wichtige Dokumente in einer Mappe und richte die Warn-App NINA ein.
  5. Besprich mit der Familie einen einfachen Notfallplan mit Treffpunkt und Notfallkontakten.

Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.

Vorsorge ohne Panik

Vorsorge ist das Gegenteil von Panik. Sie ersetzt das ungute Gefühl, ausgeliefert zu sein, durch die ruhige Gewissheit, für die nächsten Tage vorbereitet zu sein. Es geht nicht darum, sich auf Weltuntergänge einzustellen oder große Summen auszugeben, sondern um eine sinnvolle Grundausstattung, wie sie Behörden allen Haushalten empfehlen. Wer sachlich vorsorgt, schützt nicht nur sich selbst, sondern entlastet im Ernstfall auch die Rettungskräfte, die sich dann um die kümmern können, die dringend Hilfe brauchen. Am besten spricht man das Thema in der Familie und mit Nachbarn offen und nüchtern an, denn geteilte Vorsorge nimmt die Sorge und schafft im Ernstfall ein Netz, das trägt. Vorsorge ist damit kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung für sich und für andere.

Häufige Fragen

Für wie viele Tage sollte man vorsorgen?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt als Richtwert einen Vorrat für etwa zehn Tage. Wer damit beginnt, sollte sich nicht unter Druck setzen: Schon ein Vorrat für drei bis vier Tage ist ein guter Anfang und lässt sich später ausbauen.

Was gehört in einen Notvorrat für zehn Tage?

In einen Notvorrat für zehn Tage gehören rund 20 Liter Wasser pro Person sowie haltbare Lebensmittel aus mehreren Gruppen: Getreideprodukte wie Nudeln und Reis, Gemüse und Hülsenfrüchte in Dosen, Obst und Nüsse, haltbare Milchprodukte, Fisch- oder Fleischkonserven sowie Fette und Grundnahrungsmittel. Ein Teil davon sollte kalt genießbar sein.

Was gehört in eine Dokumentenmappe für den Notfall?

In eine Dokumentenmappe gehören Ausweis oder Reisepass, Geburts- und Heiratsurkunden, Zeugnisse, Impfausweis, Versicherungspolicen, Verträge sowie eine Liste der wichtigsten Konten und Ansprechpartner. Von den wichtigsten Papieren gehören Kopien an einen zweiten, sicheren Ort.

Ist Krisenvorsorge nicht übertriebene Panikmache?

Nein, ein Grundvorrat ist eine sachliche Empfehlung der Behörden für alle Haushalte, vergleichbar mit einem Rauchmelder oder einem Verbandskasten im Auto. Es geht um Gelassenheit für einige Tage, nicht um Angst vor dem Weltuntergang.

Was kostet eine sinnvolle Vorsorge?

Vorsorge muss nicht teuer sein. Der Notvorrat besteht aus Lebensmitteln, die man ohnehin kauft und verbraucht. Ausrüstung wie Taschenlampe, Radio und Powerbank sind einmalige, überschaubare Anschaffungen, die man nach und nach ergänzen kann.

Wo finde ich verlässliche Informationen zur Vorsorge?

Verlässliche und kostenlose Informationen bietet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unter bbk.bund.de, darunter der Ratgeber für Notfallvorsorge und Checklisten. Amtliche Warnungen erhältst du über warnung.bund.de und die Warn-App NINA.

Wie bleibt der Vorrat frisch und geht nicht verloren?

Mit dem Prinzip des lebenden Vorrats: Man lagert haltbare Lebensmittel, die man ohnehin isst, verbraucht immer die ältesten zuerst und kauft frische nach. So bleibt der Vorrat aktuell, und es verdirbt nichts.

Quellen

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen. bbk.bund.de
  2. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Vorrat und Checkliste, mit den Lebensmittelgruppen und dem Vorratskalkulator. bbk.bund.de
  3. Warnung der Bevölkerung des Bundes und der Länder. warnung.bund.de
  4. Verbraucherzentrale: Richtig bevorraten für den Notfall. verbraucherzentrale.de

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