Zivilschutz und richtiges Verhalten im Ernstfall
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Zivilschutz ist eine Aufgabe des Bundes und greift im Ernstfall auf die Strukturen des Katastrophenschutzes zurück, den Länder und Kommunen im Alltag tragen.
- In Deutschland gibt es derzeit 579 öffentliche Schutzräume mit rund 478.000 Plätzen, von denen laut Bundesanstalt für Immobilienaufgaben keiner voll einsatzbereit ist.
- Zum Vergleich: In den alten Bundesländern gab es bis zum Ende des Kalten Kriegs rund 2000 Schutzräume mit etwa 1,6 Millionen Plätzen.
- Bei einer amtlichen Gefahrenwarnung gilt als erste Regel: ein Gebäude aufsuchen, Fenster und Türen schließen und über Radio oder Warn-App weitere Informationen abwarten.
- Seit Sommer 2024 arbeiten Bund und Länder an einem neuen, dezentralen Schutzraumkonzept, das etwa Tiefgaragen, U-Bahnhöfe und Kellerräume einbezieht.
Was bedeutet Zivilschutz in Deutschland?
Zivilschutz bezeichnet in Deutschland die Aufgabe des Bundes, die Bevölkerung im Verteidigungsfall zu schützen. Nach dem Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz umfasst er die Unterstützung der Selbsthilfe der Bevölkerung, die Warnung der Bevölkerung, den Schutzbau sowie den Schutz von Gesundheit und Kulturgut. Zuständig auf Bundesebene ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK.
Bevölkerungsschutz liegt laut Bundesinnenministerium nicht in einer Hand: Bund, Länder und Kommunen tragen gemeinsam die Sicherheit der Menschen, über ein sogenanntes integriertes Hilfeleistungssystem aus Feuerwehren, Hilfsorganisationen und dem Technischen Hilfswerk.
Zu den ergänzenden Aufgaben des BBK zählen auch der gesundheitliche Schutz, etwa über die Medizinische Task Force und die Ausbildung in Erster Hilfe, sowie der Schutz von Kulturgut. Dazu gehört die Sicherungsverfilmung wichtiger Archivbestände und die Kennzeichnung von Kulturgütern nach der Haager Konvention, damit sie im Ernstfall als besonders schützenswert erkennbar bleiben.
Worin unterscheiden sich Zivilschutz und Katastrophenschutz?
Zivilschutz ist Bundessache und greift im Ernstfall auf die vorhandenen Kapazitäten des Katastrophenschutzes zurück, den eigentlich die Länder und Kommunen tragen. Der Bund ergänzt diese Strukturen im Verteidigungsfall um zusätzliche Ausstattung wie Fahrzeuge, Schutzausrüstung und Messtechnik.
Katastrophenschutz dagegen ist im Alltag Ländersache und dreistufig organisiert. In Sachsen etwa sind die Landkreise und kreisfreien Städte als untere Katastrophenschutzbehörden für Vorbereitung und Einsatzleitung vor Ort zuständig, die Landesdirektion koordiniert landkreisübergreifend, und das Staatsministerium des Innern betreibt als oberste Behörde die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule. Andere Bundesländer sind ähnlich, aber nicht identisch aufgebaut. Sachsen unterhält wegen seiner Grenzlage außerdem Hilfeleistungsvereinbarungen mit Tschechien und Polen, damit Einsatzkräfte im Ernstfall auch über die Landesgrenze hinweg zusammenarbeiten können.
Wie warnt der Staat die Bevölkerung?
Für die Warnung nutzt der Bund das Modulare Warnsystem, kurz MoWaS, das eine Meldung gleichzeitig über viele Kanäle ausspielt. Dazu gehören die Warn-App NINA, Cell Broadcast als Nachricht direkt an alle geeigneten Handys in einer Funkzelle, Radio und Fernsehen, digitale Anzeigetafeln und, je nach Region, Sirenen und Lautsprecherwagen. Weil kein Kanal für sich allein jeden erreicht, ist es sinnvoll, mehrere zu kennen und die Warn-App auf dem Handy installiert zu haben.
Damit diese Kette im Ernstfall funktioniert, wird sie einmal im Jahr am bundesweiten Warntag getestet, 2026 am 10. September. Gegen 11 Uhr lösen dann Probewarnungen über alle Kanäle aus, die Entwarnung folgt rund 45 Minuten später. An diesem Tag besteht keine echte Gefahr. Er dient allein dazu, dass Bevölkerung und Behörden den Ablauf und die Signale kennen.
Wie verhält man sich bei einer amtlichen Gefahrenwarnung?
Bei einer amtlichen Gefahrenwarnung gilt als erste Regel, ein Gebäude oder den nächsten Innenraum aufzusuchen, Fenster, Türen und die Lüftung zu schließen und über Radio oder die Warn-App NINA weitere Anweisungen abzuwarten. Diese einfachen Schritte schützen bereits vor vielen akuten Gefahren, etwa einer Gefahrstoffwolke nach einem Chemieunfall.
Sirenen tragen dabei zwei Signale mit klarer Bedeutung. Ein auf- und abschwellender Heulton über eine Minute warnt vor Gefahr und fordert dazu auf, sich zu informieren. Ein gleichbleibender Dauerton über eine Minute ist die Entwarnung. Ins Freie sollte man erst zurückkehren, wenn eine Entwarnung vorliegt, zusätzlich bestätigt durch Radio, Fernsehen oder die Warn-App. Wer keinen ausgewiesenen Schutzraum in der Nähe hat, sucht im Gebäude den innen liegenden Raum ohne Außenfenster auf, weil dort der Abstand zur Gefahr am größten ist.
Wie ist es um öffentliche Schutzräume in Deutschland bestellt?
In Deutschland gibt es derzeit 579 öffentliche Schutzräume mit rund 478.000 Plätzen, die noch dem Zivilschutz gewidmet sind. Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist allerdings keiner dieser Räume aktuell voll funktions- oder einsatzbereit. Eine Reaktivierung wäre je nach angestrebtem Schutzniveau mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Der Bund selbst besitzt die meisten dieser Anlagen ohnehin nicht, sondern hält nur Nutzungsrechte, während Grund und Bauwerk oft privaten Eigentümern oder Kommunen gehören.
Zum Vergleich: Bis zum Ende des Kalten Kriegs gab es in den alten Bundesländern rund 2000 solcher Anlagen mit etwa 1,6 Millionen Plätzen. 2007 gab der Bund das Schutzraumkonzept auf, weil Fachleute damals von einem Schadensszenario ohne Vorwarnzeit ausgingen, und viele Bunker wurden aus der Zivilschutzbindung entlassen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 wurde dieser Abbau gestoppt. Seit Sommer 2024 arbeiten Bund und Länder an einem neuen, dezentralen Schutzraumkonzept, das etwa Tiefgaragen, U-Bahnhöfe und geeignete Kellerräume in öffentlichen Gebäuden einbezieht.
Was jeder Haushalt selbst zum Schutz beitragen kann
Weil ausgewiesene Schutzräume kaum noch verfügbar sind, verlagert sich ein Teil des Schutzes auf die eigene Wohnung und die private Vorsorge. Ein Vorrat für zehn Tage, ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampen und eine Hausapotheke ermöglichen es, eine Warnphase im eigenen Gebäude zu überstehen, ohne nach draußen zu müssen. Genau darauf zielt auch die erste Aufgabe des Zivilschutzes ab, die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung.
Zur Vorbereitung gehört, den innen liegenden Raum der Wohnung zu kennen, in dem man sich bei einer Warnung sammelt, und die Warn-App bereits installiert zu haben, statt sie erst im Ernstfall zu suchen. Wer zusätzlich einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt und mit Nachbarn abspricht, wer im Haus auf Hilfe angewiesen ist, stärkt den Schutz für alle im Gebäude.
Über die eigene Wohnung hinaus lebt der Bevölkerungsschutz vom Ehrenamt. Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund und die DLRG tragen den größten Teil der praktischen Hilfe und sind auf freiwillige Helferinnen und Helfer angewiesen. Wer sich dort engagiert, lernt nicht nur den Umgang mit Notlagen, sondern stärkt die Strukturen, auf die im Zivilschutzfall zurückgegriffen wird. Schon eine Mitgliedschaft oder eine Ausbildung in Erster Hilfe erhöht die Zahl der Menschen, die im Ernstfall handlungsfähig sind, und genau das ist der Kern der ersten Zivilschutzaufgabe, der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung.
Welche Rolle spielen BBK und Katastrophenschutz beim Bevölkerungsschutz?
Das BBK koordiniert als Bundesbehörde die überregionalen Aufgaben des Bevölkerungsschutzes, etwa das Modulare Warnsystem, die Warn-App NINA und Cell Broadcast, während die praktische Gefahrenabwehr vor Ort bei Feuerwehren, Hilfsorganisationen und dem Katastrophenschutz der Landkreise liegt.
Das Technische Hilfswerk ist dabei Partnerbehörde des Bundes und wird im Zivilschutzfall ebenso eingebunden wie im alltäglichen Katastrophenschutz. Diese Aufteilung bedeutet, dass im Ernstfall dieselben Kräfte und Fahrzeuge zum Einsatz kommen, die auch bei Hochwasser oder einem Unwetter helfen, nur ergänzt um zusätzliche Ausstattung des Bundes.
Wer ist beim Bevölkerungsschutz wofür zuständig?
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Aufgaben den zuständigen Ebenen zu.
| Ebene | Zuständigkeit |
|---|---|
| Bund (BBK) | Warnung der Bevölkerung, Zivilschutzausstattung, überregionale Koordination |
| Land (Innenministerium) | Oberste Katastrophenschutzbehörde, Ausbildung, Förderung |
| Landkreis und kreisfreie Stadt | Untere Katastrophenschutzbehörde, Einsatzleitung vor Ort |
| Feuerwehren, Hilfsorganisationen, THW | Praktische Hilfe und Rettung im Einsatz |
Die ersten Schritte bei einer Gefahrenwarnung
- Die Warnung über NINA, Cell Broadcast, Sirene oder Radio ernst nehmen und nicht auf eine zweite Bestätigung warten.
- Sofort ein Gebäude oder den nächstgelegenen Innenraum aufsuchen, statt im Freien zu bleiben.
- Fenster, Türen und die Lüftung schließen, um das Eindringen von Gefahrstoffen zu verringern.
- Radio oder die Warn-App einschalten, um weitere amtliche Anweisungen zu erhalten.
- Erst nach einer amtlichen Entwarnung oder dem gleichbleibenden Sirenenton wieder ins Freie gehen.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Zivilschutz und Katastrophenschutz?
Zivilschutz ist eine Aufgabe des Bundes für den Verteidigungsfall und greift auf die Strukturen des Katastrophenschutzes zurück, den im Alltag die Länder und Kommunen tragen, etwa bei Hochwasser oder Unwettern.
Gibt es in Deutschland noch nutzbare öffentliche Schutzräume?
Es gibt noch 579 öffentliche Schutzräume mit rund 478.000 Plätzen, doch nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist keiner davon derzeit voll einsatzbereit. Bund und Länder arbeiten seit Sommer 2024 an einem neuen, dezentralen Schutzraumkonzept.
Was tue ich, wenn ich bei einer Warnung keinen Schutzraum finde?
Ohne einen ausgewiesenen Schutzraum reicht in den meisten Fällen bereits ein normales Gebäude: drinnen bleiben, am besten in einem innen liegenden Raum ohne Fenster, Fenster und Türen schließen und über Radio oder Warn-App auf weitere Anweisungen warten.
Wie erkenne ich, ob eine Sirene warnt oder entwarnt?
Ein auf- und abschwellender Heulton über eine Minute ist eine Warnung und bedeutet, sich zu informieren und Schutz zu suchen. Ein gleichbleibender Dauerton über eine Minute ist die Entwarnung. Beides wird zusätzlich über Radio und die Warn-App NINA bestätigt.
Was macht das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe?
Das BBK koordiniert als Bundesbehörde die Warnung der Bevölkerung, betreibt die Warn-App NINA und Cell Broadcast und entwickelt die Grundlagen für Zivilschutz und baulichen Bevölkerungsschutz in Deutschland.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Schutzbauwerke. bbk.bund.de
- Bundesministerium des Innern und für Heimat: Bevölkerungsschutz. bmi.bund.de
- Freistaat Sachsen: Katastrophenschutz. bevoelkerungsschutz.sachsen.de
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