Helfer in der Krise

Erreichbar bleiben bei Ausfall der Netze

Geprüft von der Redaktion

Erreichbar bleiben bei Ausfall der Netze
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mobilfunk und Internet hängen an der Stromversorgung und fallen bei einem länger dauernden Stromausfall meist innerhalb weniger Stunden aus.
  • Ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio bleibt die zuverlässigste Quelle für amtliche Durchsagen, wenn Handynetz und Internet längst ausgefallen sind.
  • Cell Broadcast schickt Warnungen direkt auf das Handy, ohne App und ohne Registrierung, und funktioniert auch dann noch, wenn Anrufe wegen Überlastung nicht mehr durchkommen.
  • Notfallkontakte und ein verabredeter Treffpunkt gehören auf Papier in Geldbeutel oder Rucksack, weil Handy-Akku und Cloud-Speicher im Ernstfall ausfallen können.
  • Katastrophenschutz-Leuchttürme sind offizielle Anlaufstellen der Gemeinde, an denen Bürgerinnen und Bürger bei großflächigem Stromausfall Hilfe, Notrufmöglichkeit und Informationen bekommen.

Warum Mobilfunk und Internet bei einem Stromausfall schnell ausfallen

Mobilfunk und Internet fallen bei einem länger andauernden Stromausfall aus, weil Sendemasten, Vermittlungsstellen und Router selbst auf Strom angewiesen sind. Viele Mobilfunkstationen überbrücken einen Ausfall zunächst mit einer eigenen Batterie, doch sobald diese Reserve aufgebraucht ist, bricht die Verbindung in der betroffenen Region zusammen. Gleichzeitig führt schon ein kurzer, örtlich begrenzter Ausfall häufig dazu, dass viele Menschen gleichzeitig telefonieren oder online gehen wollen, wodurch das verbliebene Netz zusätzlich überlastet wird.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt gestörtes Internet und Mobilfunk ausdrücklich als eine der ersten Folgen eines Stromausfalls. Wer sich allein auf das Smartphone als Informationsquelle verlässt, steht in genau dem Moment ohne Nachrichten da, in dem sie am wichtigsten wären.

BatteriebetriebenesRadioPowerbank undErsatzakkusNotfallkontakte
Informiert und erreichbar bleiben. Bild: KI generiert.

Drei Bausteine sichern die Erreichbarkeit im Krisenfall

Drei einfache Vorkehrungen halten eine Familie auch dann informiert und erreichbar, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen: ein batteriebetriebenes Radio für amtliche Durchsagen, eine geladene Powerbank mit Ersatzakkus für das Nötigste am Handy und aufgeschriebene Notfallkontakte, die von keinem Akkustand abhängen. Keiner dieser drei Bausteine ersetzt die anderen, weil jeder eine andere Lücke schließt.

Ein Kurbelradio bringt den Vorteil mit, dass es ganz ohne Batterie auskommt und sich durch einfaches Drehen der Kurbel wieder aufladen lässt. Eine vollgeladene Powerbank verlängert die Nutzungsdauer eines Smartphones um ein bis mehrere Aufladungen und sollte, ebenso wie Ersatzakkus für Taschenlampen, regelmäßig kontrolliert und nachgeladen werden. Notfallkontakte auf einem Blatt Papier funktionieren auch dann noch, wenn ein Handydisplay zerbrochen oder der Akku leer ist.

Das Smartphone selbst lässt sich für den Ernstfall vorbereiten, bevor eine Krise eintritt. Ein Ladekabel fürs Auto macht das Fahrzeug zur Notladestation, solange es Kraftstoff hat. Offline gespeicherte Karten der eigenen Region helfen, wenn kein mobiles Internet mehr da ist. Und wer den Energiesparmodus kennt und das Display dunkler stellt, streckt einen halb geladenen Akku über deutlich längere Zeit. Diese Handgriffe kosten nichts und wirken genau dann, wenn keine Steckdose mehr Strom liefert.

Wie Cell Broadcast Warnungen auch bei überlastetem Netz zustellt

Cell Broadcast verschickt Warnmeldungen direkt an alle Mobilgeräte in einer Funkzelle, ohne dass dafür eine App installiert oder eine Registrierung nötig wäre. Die Technik ist in Deutschland seit dem 23. Februar 2023 im Einsatz und wird von Bund, Ländern und Kommunen genutzt, um vor Unwetter, Feuer, Hochwasser und anderen Gefahren zu warnen. Der entscheidende Vorteil gegenüber einem gewöhnlichen Anruf: Der dafür nötige Datenverkehr wird durch ein erhöhtes Anrufaufkommen nicht beeinflusst, sodass eine Warnung selbst dann ankommt, wenn das Sprachnetz durch viele gleichzeitige Anrufe überlastet ist.

Eine echte Cell-Broadcast-Warnung erscheint mit einem lauten, speziellen Signalton auf dem Bildschirm, nennt die absendende Behörde und verweist auf das offizielle Warnportal des Bundes unter warnung.bund.de. Das BBK betont, dass Cell Broadcast nur ein Baustein im Warnmittel-Mix ist. Ergänzend warnen die App NINA, Sirenen sowie lokales Radio und Fernsehen, und genau deshalb bleibt ein batteriebetriebenes Radio auch neben einem modernen Smartphone sinnvoll.

Die Warn-App NINA und das Warnportal des Bundes

Die Warn-App NINA ist die offizielle Warn-App des Bundes und bündelt Warnungen von Behörden, dem Deutschen Wetterdienst und den Hochwasserzentralen an einem Ort. Anders als Cell Broadcast, das jeden in einer Funkzelle erreicht, warnt NINA gezielt für die Orte, die man selbst gespeichert hat, etwa den Wohnort, den Arbeitsplatz und den Wohnort der Eltern. Alle Warnungen laufen über das Modulare Warnsystem des Bundes, kurz MoWaS, das die Meldung gleichzeitig an viele Kanäle verteilt. Neben NINA gibt es weitere Apps wie KATWARN und BIWAPP, die auf demselben System aufsetzen.

Im Netz sammelt das offizielle Warnportal warnung.bund.de alle aktuellen amtlichen Warnungen auf einer Karte. Weil ein solches Portal aber ebenfalls ein funktionierendes Internet voraussetzt, gilt auch hier: Es ergänzt das Radio, ersetzt es aber nicht. Sinnvoll ist, NINA schon in ruhigen Zeiten zu installieren und die wichtigen Orte einzutragen, statt erst im Ernstfall damit anzufangen.

Der bundesweite Warntag und was die Sirenentöne bedeuten

Einmal im Jahr probt Deutschland seine Warnwege beim bundesweiten Warntag, der jeweils am zweiten Donnerstag im September stattfindet, 2026 also am 10. September. Um 11 Uhr löst das BBK über das Modulare Warnsystem gleichzeitig Cell Broadcast, die Warn-Apps und, wo vorhanden, die Sirenen aus, gegen 11:45 Uhr folgt die Entwarnung. Der Warntag ist die beste Gelegenheit, einmal bewusst darauf zu achten, ob die eigene Warn-App und das eigene Handy die Probewarnung tatsächlich empfangen.

Wichtig für den Ernstfall ist, die Sirenensignale zu kennen. Ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton bedeutet Gefahr und die Aufforderung, Radio einzuschalten und sich zu informieren. Ein einminütiger gleichbleibender Heulton ist dagegen die Entwarnung. Wer diese beiden Töne unterscheiden kann, versteht eine Sirene auch dann, wenn kein anderes Warnmittel mehr funktioniert.

Welche Warnkanäle im Krisenfall zuverlässig funktionieren

Radio und Cell Broadcast funktionieren auch dann noch, wenn ein Telefonanruf längst nicht mehr durchkommt, weil beide unabhängig vom überlasteten Sprachnetz arbeiten. Die folgende Übersicht zeigt, welche Kanäle bei Stromausfall und bei überlastetem Mobilfunknetz jeweils verlässlich bleiben.

KanalFunktioniert bei StromausfallFunktioniert bei überlastetem Mobilfunknetz
Batteriebetriebenes oder KurbelradioJaJa, unabhängig vom Mobilfunknetz
Cell BroadcastSolange das eigene Handy geladen istJa, eigener Übertragungsweg ohne Sprachnetz
Warn-App NINASolange Handy und mobiles Internet funktionierenEingeschränkt bei überlastetem Datennetz
TelefonanrufNein, sobald Netz und Akku ausfallenNein, Anrufe brechen zuerst weg
SireneJa, meist mit eigener NotstromversorgungJa, unabhängig vom Mobilfunknetz

Was Notfallkontakte auf Papier leisten, was das Handy nicht kann

Notfallkontakte auf Papier funktionieren unabhängig vom Akkustand, vom Mobilfunknetz und von einer Cloud, die im Ernstfall nicht erreichbar ist. Sinnvoll ist eine kurze Liste mit den Telefonnummern der wichtigsten Angehörigen, des Hausarztes und eines Kontakts außerhalb der eigenen Region, der bei einem örtlich begrenzten Ausfall noch erreichbar sein kann. Diese Liste gehört griffbereit in Geldbeutel, Rucksack oder Handtasche, nicht nur ins Adressbuch des Smartphones.

Ebenso wichtig ist ein vorher verabredeter Treffpunkt für die Familie, falls das Telefonieren untereinander nicht funktioniert. Ein fester Ort, etwa die Wohnung der Großeltern oder ein bekannter Platz in der Nachbarschaft, erspart in einer unübersichtlichen Situation langes Suchen und Warten. Ein bewährter Kniff für getrennte Familienmitglieder ist ein gemeinsamer Kontakt außerhalb der Region: Wenn im eigenen Ort nichts mehr geht, können alle nacheinander bei dieser einen Person anrufen und über sie ausrichten, wo sie sind und dass es ihnen gut geht.

Wie ein Katastrophenschutz-Leuchtturm im Ernstfall hilft

Ein Katastrophenschutz-Leuchtturm ist eine von der Gemeinde festgelegte Anlaufstelle, die bei einem länger anhaltenden, großflächigen Stromausfall eingerichtet wird. Dort können Bürgerinnen und Bürger nach Angaben des Kreises Lippe Notrufe für Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr absetzen oder um Hilfe bitten, wenn die eigenen Kommunikationsmittel wie Mobiltelefon, Festnetz oder Internet ausgefallen sind. Mitarbeitende der Gemeinde- oder Stadtverwaltung sind vor Ort und beantworten Fragen.

Welcher Leuchtturm für die eigene Adresse zuständig ist, lässt sich über die Website des zuständigen Landkreises oder der kreisfreien Stadt herausfinden, häufig über eine interaktive Karte oder eine Liste je Ortsteil. Diese Angabe lohnt sich schon jetzt nachzuschlagen, weil sie sich ohne Internetzugang später nicht mehr abrufen lässt.

Die ersten Schritte, um erreichbar zu bleiben

  1. Batteriebetriebenes oder Kurbelradio einschalten und auf amtliche Durchsagen achten.
  2. Handy-Akku schonen: unnötige Anrufe vermeiden, stattdessen kurze Textnachrichten senden, wenn das Netz noch teilweise funktioniert.
  3. Powerbank und Ersatzakkus laden, sobald sich ein Stromausfall ankündigt, etwa bei einer Unwetterwarnung.
  4. Notfallkontakte und einen Treffpunkt mit der Familie auf Papier festhalten, bevor eine Krise eintritt.
  5. Die Warn-App NINA installieren und die wichtigen Orte eintragen, solange noch Internet verfügbar ist.
  6. Den zuständigen Katastrophenschutz-Leuchtturm der eigenen Gemeinde im Voraus in Erfahrung bringen.

Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.

Häufige Fragen

Brauche ich eine App, um Cell-Broadcast-Warnungen zu empfangen?

Nein, Cell Broadcast benötigt keine App und keine Registrierung. Voraussetzung ist ein Smartphone mit einem aktuellen Betriebssystem, das eingeschaltet und in einer Mobilfunkzelle eingebucht ist.

Woran erkenne ich eine echte Cell-Broadcast-Warnung?

Eine echte Cell-Broadcast-Warnung erscheint mit einem lauten, speziellen Signalton, nennt die absendende Behörde und enthält einen Link zum offiziellen Warnportal warnung.bund.de. Sie fordert nie dazu auf, eine Internetseite zu öffnen und von dort eine App zu installieren.

Was bedeuten die verschiedenen Sirenentöne?

Ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton bedeutet Gefahr und die Aufforderung, Radio einzuschalten und sich zu informieren. Ein einminütiger gleichbleibender Heulton ist die Entwarnung. Diese beiden Signale werden jedes Jahr am bundesweiten Warntag geprobt, der am zweiten Donnerstag im September stattfindet.

Was ist der Unterschied zwischen Cell Broadcast und der Warn-App NINA?

Cell Broadcast erreicht ohne App jedes eingeschaltete Handy in einer Funkzelle, während die Warn-App NINA gezielt für die Orte warnt, die man selbst gespeichert hat, etwa Wohnort und Arbeitsplatz. NINA zeigt zusätzlich mehr Hintergrundinformationen und Handlungsempfehlungen, braucht dafür aber ein funktionierendes mobiles Internet.

Funktioniert ein Kurbelradio auch ohne Batterien?

Ja, ein Kurbelradio erzeugt seinen Strom durch das Drehen einer eingebauten Kurbel und kommt deshalb ganz ohne Batterien aus. Viele Modelle laden zusätzlich einen kleinen internen Akku auf, mit dem sich auch ein Smartphone in Notfällen etwas nachladen lässt.

Wie finde ich meinen zuständigen Katastrophenschutz-Leuchtturm?

Der zuständige Katastrophenschutz-Leuchtturm lässt sich über die Website des eigenen Landkreises oder der kreisfreien Stadt nachschlagen, oft mit Adresse und interaktiver Karte. Diese Angabe sollte schon jetzt notiert werden, da die Website bei einem Stromausfall selbst nicht mehr erreichbar sein könnte.

Warum reicht ein geladenes Smartphone allein nicht als Vorsorge?

Ein Smartphone hängt von einem funktionierenden Mobilfunknetz und einem geladenen Akku ab, und beides kann bei einem längeren Stromausfall gleichzeitig ausfallen. Ein batteriebetriebenes Radio und Notfallkontakte auf Papier funktionieren unabhängig davon weiter.

Quellen

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Cell Broadcast. bbk.bund.de
  2. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Bundesweiter Warntag und Sirenensignale. bbk.bund.de
  3. Verbraucherzentrale: Cell Broadcast, neues Warnsystem für Katastrophen in Deutschland. verbraucherzentrale.de
  4. Kreis Lippe: Katastrophenschutz-Leuchttürme, Anlaufstellen im Krisenfall. kreis-lippe.de

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