Vorsorge bei Hochwasser und Unwetter
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Ob ein Haus hochwassergefährdet ist, hängt von der Lage zu Gewässern und vom Zustand des Kellers ab, nicht nur von der Nähe zu einem großen Fluss.
- Rückstauklappen, ein gesicherter Heizöltank und ein Notfallvorrat gehören zur baulichen und organisatorischen Vorsorge.
- Ab Warnstufe 3, Rot, spricht der Deutsche Wetterdienst von einer amtlichen Unwetterwarnung mit verbreiteten Schäden.
- Bei Hochwasser gilt: nicht im Keller aufhalten, nicht durch überflutete Straßen oder Unterführungen fahren.
- Eine normale Gebäudeversicherung deckt Hochwasser nicht, dafür braucht es zusätzlich eine Elementarschadenversicherung.
Das eigene Hochwasserrisiko einschätzen
Wie hoch das eigene Hochwasserrisiko ist, hängt von der Lage des Gebäudes zu Flüssen, Bächen und Kanälen ab, vom Geländeverlauf in der Umgebung und davon, ob Keller oder Tiefgaragen tiefer liegen als die Straße. Auch Häuser weit entfernt von einem großen Fluss können betroffen sein, weil Starkregen unabhängig von einem Gewässer auftritt und sich in Senken, an Bordsteinen oder in Kellerschächten sammelt. Die Länder betreiben dafür eigene Hochwasserzentralen mit aktuellen Pegelständen, und viele Kommunen stellen Starkregengefahrenkarten bereit, die zeigen, wo sich Wasser bei einem Starkregenereignis sammeln würde.
Ein Blick in solche Karten und in die eigene Gebäudehistorie lohnt sich unabhängig davon, ob in der Vergangenheit schon einmal Wasser im Haus stand. Wer in einem tiefliegenden Kellerraum wohnt, in einem ehemaligen Flussbett baut oder an einer Straße mit erkennbarer Senke lebt, sollte die eigene Vorsorge entsprechend höher ansetzen als jemand auf einer Anhöhe.
Wie wenig es dabei auf die Nähe zu einem großen Strom ankommt, zeigte die Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021. Extremer Starkregen ließ vor allem im Süden Nordrhein-Westfalens und im Norden von Rheinland-Pfalz kleine Flüsse wie die Ahr binnen Stunden zu reißenden Strömen anschwellen. In Deutschland starben mehr als 180 Menschen, allein im Ahrtal 134, und über 9.000 Gebäude sowie mehr als 100 Brücken wurden zerstört oder schwer beschädigt. Viele der Betroffenen hätten sich vorher nicht als hochwassergefährdet eingeschätzt.
Bauliche und organisatorische Vorsorge gegen Hochwasser
Bauliche Vorsorge senkt den Schaden, bevor überhaupt Wasser im Haus steht, allen voran durch eine Rückstauklappe: eine Vorrichtung im Abwasserrohr, die verhindert, dass bei vollen Kanälen Wasser rückwärts durch die Toilette oder den Bodenablauf ins Haus drückt. Wer einen Heizöltank besitzt, sichert ihn zusätzlich gegen Auftrieb, etwa durch eine feste Verankerung an der Wand, damit er bei steigendem Wasser nicht aufschwimmt und ausläuft. Sandsäcke, Schalbretter und wasserfeste Sperrholzplatten für Türen und Kellerfenster gehören ebenfalls in eine gute Vorsorge, ebenso wie Kellerräume, die man rechtzeitig von Möbeln und Elektrogeräten freiräumt, wenn sie vollaufen können.
Organisatorisch gehört ein Notfallvorrat an Lebensmitteln und Trinkwasser dazu, dazu ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio, eine Taschenlampe und eine Dokumentenmappe mit den wichtigsten Unterlagen griffbereit an einem trockenen Ort. Sprechen Sie außerdem mit Nachbarn ab, wer im Ernstfall wen informiert, und legen Sie fest, wer im Haushalt für welche Aufgabe zuständig ist, etwa für Kinder, Haustiere oder pflegebedürftige Angehörige. Die Warn-App NINA und die Wasserstände der zuständigen Hochwasserzentrale zeigen frühzeitig an, wenn sich eine Lage zuspitzt.
Elementarschadenversicherung: der finanzielle Schutz
Eine gewöhnliche Wohngebäude- oder Hausratversicherung deckt Hochwasser in der Regel nicht ab. Standardmäßig sind darin nur Sturm und Hagel enthalten, während Schäden durch Überschwemmung, Starkregen und Rückstau einen zusätzlichen Baustein erfordern, die sogenannte Elementarschadenversicherung. Gerade in älteren Verträgen fehlt dieser Baustein oft, sodass viele Menschen erst nach dem Schaden merken, dass ihre Police nicht greift.
Dass hier eine große Lücke klafft, zeigen die Zahlen des Gesamtverbands der Versicherer: 2025 waren erst rund 59 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Elementargefahren versichert, gut vier von zehn Häusern also gar nicht. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, in Baden-Württemberg liegt die Quote bei rund 94 Prozent, in manchen anderen Ländern nur bei etwa einem Drittel. Von den Versicherungsschäden der Flut 2021 zahlten die Versicherer rund 8,75 Milliarden Euro aus, ein Bruchteil der geschätzten Gesamtschäden, weil so viele Gebäude nicht versichert waren. Wer prüfen will, ob das eigene Haus überhaupt versicherbar ist, findet über die Gefährdungseinstufung der Versicherer eine Zuordnung in eine von mehreren Risikoklassen. Ein Anruf bei der eigenen Versicherung klärt in wenigen Minuten, ob der Elementarbaustein im Vertrag steht.
Die 4 Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes
Der Deutsche Wetterdienst unterscheidet vier Warnstufen für Unwetter, von Gelb bis Violett, und je höher die Stufe, desto konkreter und gefährlicher ist die erwartete Wetterlage. Ab Stufe 3, Rot, spricht der Dienst von einer amtlichen Unwetterwarnung, und ab dieser Stufe rät er ausdrücklich, Aufenthalte im Freien zu vermeiden.
| Warnstufe | Farbe | Bedeutung |
|---|---|---|
| Stufe 1 | Gelb | Wetterentwicklung nicht ungewöhnlich, dennoch wetterbedingte Gefährdung möglich |
| Stufe 2 | Orange | Markantes, gefährliches Wetter, vereinzelt oder örtlich Schäden möglich |
| Stufe 3 | Rot | Amtliche Unwetterwarnung, verbreitet Schäden durch das Wetter möglich |
| Stufe 4 | Violett | Extremes Unwetter, lebensbedrohliche Situationen und große Zerstörungen möglich |
Die einzelnen Bundesländer bündeln ihre Pegelstände und Hochwassermeldungen zusätzlich im länderübergreifenden Hochwasserportal, das über die zuständigen Hochwasserzentralen läuft und den aktuellen Wasserstand von rund 3.000 Pegeln in Deutschland anzeigt.
So verhalten Sie sich bei einer Hochwasserwarnung
Bei einer Hochwasserwarnung bringen Sie sich und gefährdete Personen frühzeitig in Sicherheit, statt abzuwarten, wie hoch das Wasser tatsächlich steigt. Halten Sie sich während des Hochwassers nicht im Keller auf, das ist nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe lebensgefährlich, weil sich eine Tür bei vollgelaufenem Keller von innen oft nicht mehr öffnen lässt.
Fahren Sie außerdem nicht durch überflutete Straßen: Bereits wenig Wasser kann den Motor beschädigen, und ein heißer Katalysator kann beim Kontakt mit Wasser zerspringen. Tiefgaragen und Unterführungen füllen sich besonders schnell und werden dann zu einer tödlichen Falle, weil das Wasser darin schneller steigt als man zu Fuß entkommen kann. Meiden Sie auch Uferbereiche von Flüssen, weil der Boden dort unterspült sein kann und ohne Vorwarnung nachgeben kann. Schalten Sie in gefährdeten Räumen Strom und Heizung ab, um Stromschläge zu vermeiden, und folgen Sie den Anweisungen von Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz, auch wenn sie im Moment übervorsichtig wirken.
Halten Sie für den Fall einer Evakuierung ein Notgepäck bereit, das Sie mit einem Griff mitnehmen können. Hinein gehören Medikamente, wichtige Dokumente in einer wasserdichten Hülle, etwas Bargeld, Verpflegung, warme Kleidung und ein geladenes Ladegerät oder eine Powerbank. Wer weiß, wohin er im Notfall geht, etwa zu Verwandten außerhalb des gefährdeten Gebiets, verliert im entscheidenden Moment keine Zeit mit der Suche nach einer Unterkunft.
Aufräumen und Prüfen nach dem Hochwasser
Nach einem Hochwasser beginnen Sie erst dann mit dem Abpumpen von Wasser aus dem Keller, wenn der Grundwasserspiegel in der Umgebung sicher gesunken ist, weil ein zu früh leergepumpter Keller unter dem Druck des umgebenden Grundwassers sonst einbrechen kann. Fotografieren Sie zunächst alle Schäden für die Versicherung, bevor Sie etwas entsorgen oder verändern, denn ohne Dokumentation lässt sich ein Schaden später kaum noch nachweisen.
Entfernen Sie Wasserreste und Schlamm so schnell wie möglich und trocknen Sie die betroffenen Räume konsequent, damit sich kein Schimmel in Wänden und Böden festsetzt. Lassen Sie Elektroinstallationen, den Heizöltank und in manchen Fällen die Bausubstanz von Fachleuten prüfen, bevor Sie Räume wieder normal nutzen. Wurden gefährliche Stoffe freigesetzt, etwa Farben, Lacke, Pestizide, Benzin oder Öl, informieren Sie die Feuerwehr, statt selbst damit zu hantieren. Beschädigte Lebensmittel und durchnässte Möbel gehören fachgerecht entsorgt und nicht einfach in den normalen Hausmüll.
Die ersten Schritte bei einer Hochwasserwarnung
- Warnmeldungen der Warn-App NINA, des Radios und der zuständigen Hochwasserzentrale verfolgen.
- Rückstauklappen kontrollieren, elektrische Geräte und Heizung in gefährdeten Räumen ausschalten.
- Fahrzeuge aus überflutungsgefährdeten Bereichen wegfahren, bevor Straßen unpassierbar werden.
- Notgepäck mit Dokumenten, Medikamenten und Bargeld bereitstellen, falls evakuiert werden muss.
- Sich selbst, Kinder und pflegebedürftige Angehörige rechtzeitig in höher gelegene, sichere Bereiche bringen.
- Anweisungen von Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz befolgen und nicht in den Keller oder auf überflutete Straßen zurückkehren.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob mein Haus hochwassergefährdet ist?
Ihr Haus ist hochwassergefährdet, wenn es nahe an einem Fluss, Bach oder Kanal liegt, wenn der Keller tiefer liegt als die umgebende Straße oder wenn die Kommune für die Gegend eine Starkregengefahrenkarte mit erhöhtem Risiko ausweist. Auch Lagen weit von einem großen Fluss entfernt können betroffen sein, weil Starkregen unabhängig von einem Gewässer auftritt und sich in Senken sammelt.
Zahlt meine Gebäudeversicherung bei Hochwasser?
Eine normale Wohngebäude- oder Hausratversicherung zahlt bei Hochwasser in der Regel nicht, weil sie nur Sturm und Hagel abdeckt. Für Überschwemmung, Starkregen und Rückstau braucht es zusätzlich eine Elementarschadenversicherung. 2025 waren erst rund 59 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen solche Elementargefahren versichert.
Warum darf ich mich während eines Hochwassers nicht im Keller aufhalten?
Während eines Hochwassers ist der Aufenthalt im Keller lebensgefährlich, weil sich eine Kellertür bei vollgelaufenem Raum von innen oft nicht mehr öffnen lässt und der Wasserdruck von außen sie zusätzlich blockiert. Wer im Keller eingeschlossen wird, kann von dort nicht mehr selbstständig entkommen. Deshalb gilt: Kellerräume rechtzeitig verlassen und Rückstauklappen kontrollieren, bevor das Wasser steigt.
Was bedeutet Warnstufe 3, Rot, beim Deutschen Wetterdienst?
Warnstufe 3, Rot, bedeutet nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes eine amtliche Unwetterwarnung: Die erwartete Wetterentwicklung ist sehr gefährlich, und es können verbreitet Schäden durch das Wetter auftreten. Ab dieser Stufe empfiehlt der Deutsche Wetterdienst ausdrücklich, Aufenthalte im Freien zu vermeiden.
Warum soll ich nicht durch überflutete Straßen oder Unterführungen fahren?
Sie sollten nicht durch überflutete Straßen fahren, weil bereits wenig Wasser den Motor beschädigen und ein heißer Katalysator beim Kontakt mit Wasser zerspringen kann. Unterführungen und Tiefgaragen füllen sich zudem besonders schnell mit Wasser und werden dann zu einer Falle, aus der ein Fahrzeug nicht mehr herausfährt. Ein Umweg ist in jedem Fall die sicherere Wahl.
Wann darf ich nach einem Hochwasser mit dem Abpumpen des Kellers beginnen?
Mit dem Abpumpen des Kellers beginnen Sie erst, wenn der Grundwasserspiegel in der Umgebung sicher gesunken ist. Wird der Keller zu früh leergepumpt, während das Grundwasser rundherum noch hoch steht, kann der äußere Druck die Kellerwände oder den Boden beschädigen. Im Zweifel gibt die örtliche Hochwasserzentrale oder die Feuerwehr Auskunft über den aktuellen Wasserstand.
Quellen
- Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser, mit Angaben zu baulicher Vorsorge und richtigem Verhalten während und nach dem Hochwasser. bbk.bund.de
- Warnungen aktuell, Warnstufen und Farbskala des Deutschen Wetterdienstes. dwd.de
- Gesamtverband der Versicherer zur Versicherungsquote gegen Naturgefahren in Deutschland. gdv.de
- Bundeszentrale für politische Bildung zum Jahrhunderthochwasser 2021 in Deutschland. bpb.de
- Länderübergreifendes Hochwasserportal mit aktuellen Pegelständen und Hochwassermeldungen der Bundesländer. hochwasserzentralen.de
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