Einen Notfallplan für die Familie erstellen
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Notfallplan legt fest, wo sich die Familie im Ernstfall trifft, wer wen informiert und wer welche Aufgabe übernimmt, bevor eine Krise überhaupt eintritt.
- Klare Zuständigkeiten und eine feste Kommunikationskette helfen laut Deutschem Roten Kreuz besonders dann, wenn Mobilfunknetz oder Stromversorgung ausfallen.
- Für Kinder hilft ein offenes, altersgerechtes Gespräch über mögliche Gefahren mehr als Schweigen.
- Für pflegebedürftige oder eingeschränkte Angehörige gibt es den kostenlosen Eintrag im Notfallregister unter notfallregister.eu.
- Auch Haustiere gehören in die Planung: Transportbox, Futter- und Wasservorrat sowie Impfnachweis sollten griffbereit sein.
Warum braucht eine Familie einen eigenen Notfallplan?
Ein Notfallplan gibt einer Familie in einer Krise sofort Orientierung, weil Treffpunkt, Zuständigkeiten und Kontaktwege bereits vorher geklärt sind, statt erst im Ausnahmezustand ausgehandelt zu werden. Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt dafür klare Zuständigkeiten, feste Entscheidungswege und eine Kommunikationskette, auf die sich alle Beteiligten verlassen können.
Im Ernstfall fallen häufig genau die Mittel aus, mit denen man sich sonst kurzfristig verständigt. Das Mobilfunknetz kann überlastet sein, der Fernseher bleibt ohne Strom dunkel, und auch das Internet steht nicht immer zur Verfügung. Wer vorher weiß, wo sich alle treffen und wer welche Aufgabe übernimmt, muss im Moment der Krise nicht mehr improvisieren.
Das Deutsche Rote Kreuz weist zusätzlich darauf hin, dass private Vorsorge und öffentlicher Bevölkerungsschutz zusammengehören. Der Verband fordert unter anderem, dass mindestens zwei Prozent der Bevölkerung in Erster Hilfe und Pflege ausgebildet sein sollten. Ein Familienmitglied mit einem aufgefrischten Erste-Hilfe-Kurs ist damit kein Randthema, sondern Teil derselben Vorsorge wie der Notfallplan selbst.
Welchen Treffpunkt sollte eine Familie vereinbaren?
Sinnvoll sind zwei Treffpunkte: einer in unmittelbarer Nähe der Wohnung für kleinere Vorfälle wie einen Wohnungsbrand, und ein zweiter außerhalb der eigenen Straße oder des Stadtteils für den Fall, dass die nähere Umgebung selbst nicht sicher oder nicht erreichbar ist.
Beide Orte sollten allen Familienmitgliedern bekannt sein, die sich allein bewegen können, und sich zu Fuß erreichen lassen, falls Straßen gesperrt sind oder kein Auto zur Verfügung steht. Es hilft, den Weg dorthin einmal gemeinsam abzugehen, statt ihn nur auf einem Zettel zu notieren. Ein guter zweiter Treffpunkt ist ein Ort, den alle kennen und der Schutz bietet, etwa das Haus von Verwandten, eine bekannte Bäckerei oder der Eingang einer Schule.
Wie verteilt eine Familie Aufgaben im Ernstfall?
Jede Aufgabe sollte einer bestimmten Person zugeordnet sein, damit im Ernstfall niemand erst diskutieren muss, wer was übernimmt. Dazu gehören das Abholen der Kinder aus Kita oder Schule, das Mitnehmen von Notfallgepäck und wichtigen Dokumenten, die Versorgung von Haustieren und das Verfolgen von Warnmeldungen über Radio oder die Warn-App NINA.
Für Familien mit mehreren Wohnorten, etwa wenn ein Elternteil pendelt oder Kinder tagsüber in der Schule sind, lohnt sich zusätzlich eine feste Regel, wer wen zuerst anruft und wer die Information an alle anderen weitergibt. Ein bewährter Kniff aus der Krisenvorsorge ist ein gemeinsamer Kontakt außerhalb der Region: Wenn sich die Familie vor Ort nicht erreicht, meldet sich jeder bei derselben Person in einer anderen Stadt, die alle Nachrichten bündelt. So entsteht eine Kommunikationskette, die auch dann funktioniert, wenn das lokale Netz überlastet ist, ein entferntes aber noch trägt.
Zu einer solchen Kette gehört auch ein Ersatzweg für den Fall, dass Telefon und Internet ausfallen. Ein batteriebetriebenes Radio, ausreichend Bargeld für die Zeit ohne Kartenzahlung und eine Liste wichtiger Nummern auf Papier gehören deshalb griffbereit zum Notfallplan, nicht nur als Eintrag im Smartphone. Ein zusätzlicher ICE-Kontakt im Handy, also eine als Notfallkontakt gekennzeichnete Nummer, hilft Rettungskräften, im Ernstfall schnell die richtige Person zu erreichen.
Wie werden Kinder und pflegebedürftige Angehörige einbezogen?
Kinder sollten altersgerecht über mögliche Gefahren aufgeklärt werden, statt das Thema aus Sorge vor Angst ganz zu meiden. Ein ruhiges Gespräch nimmt Kindern eher die Furcht, als sie ihnen erst im Ernstfall unvorbereitet zu vermitteln. Kleinere Kinder tragen am besten eine Karte mit den wichtigsten Angaben bei sich, damit Helfer sie zuordnen und die Eltern erreichen können. Wer zusätzliche Unterstützung braucht, findet sie bei der Nummer gegen Kummer.
Für Menschen mit Behinderung, Pflegebedarf oder anderen Einschränkungen gibt es das kostenlose Notfallregister unter notfallregister.eu, in dem sich wichtige Informationen für Einsatzkräfte im Voraus hinterlegen lassen. Innerhalb der Familie sollte außerdem feststehen, wer im Ernstfall zuerst nach pflegebedürftigen Angehörigen sieht und welche Medikamente oder Hilfsmittel dafür griffbereit sein müssen.
Was gehört für Haustiere in den Notfallplan?
Für Haustiere gehören eine Transportbox, ein Vorrat an Futter und Wasser sowie der Impfnachweis in den Notfallplan, damit ein Tier im Ernstfall nicht zurückgelassen werden muss. Kommunale Ratgeber wie der der Stadt Nürnberg empfehlen, einen Notvorrat für Haustiere gleich mit den übrigen Vorräten der Familie einzulagern.
Sinnvoll ist außerdem, vorab zu klären, welches Familienmitglied im Ernstfall für das Tier zuständig ist, und eine Ersatzperson in der Nachbarschaft zu haben, falls niemand aus der Familie rechtzeitig zu Hause ist. Wer weiß, dass viele Notunterkünfte keine Tiere aufnehmen, klärt vorab eine Alternative, etwa Verwandte oder eine tierfreundliche Unterkunft in der Umgebung.
Was gehört für wen in den Notfallplan?
Die folgende Übersicht zeigt, welche Angaben je Person oder Bereich in den Notfallplan gehören.
| Person oder Bereich | Was in den Plan gehört |
|---|---|
| Kinder | Treffpunkt, Telefonnummer der Eltern, Ansprechperson in der Nähe, altersgerechtes Gespräch über mögliche Gefahren |
| Erwachsene | Feste Aufgabe, Kommunikationskette, Kopie wichtiger Dokumente |
| Ältere oder pflegebedürftige Angehörige | Medikamentenplan, Hilfsmittel, Eintrag im Notfallregister unter notfallregister.eu, feste Zuständigkeit einer Person |
| Haustiere | Transportbox, Futter- und Wasservorrat, Impfnachweis, Ersatzperson in der Nachbarschaft |
Den Notfallplan gemeinsam üben und aktuell halten
Ein Plan, der nur auf Papier steht, wird im Ernstfall selten so umgesetzt wie gedacht. Deshalb gehört zu einem guten Notfallplan, ihn wenigstens einmal gemeinsam durchzuspielen: die Wege zu beiden Treffpunkten abgehen, die Kommunikationskette einmal durchtelefonieren und prüfen, ob jedes Kind seine Aufgabe und den Treffpunkt kennt. Der bundesweite Warntag im September ist ein guter Anlass, den Plan jedes Jahr aufzufrischen und dabei zu testen, ob die Warn-App und das Radio funktionieren.
Auch der Inhalt veraltet. Neue Telefonnummern, ein Umzug, ein neues Familienmitglied oder ein neues Haustier verändern die Absprachen. Wer den Plan einmal im Jahr durchsieht und die Kopie im Notgepäck gleich mit aktualisiert, hält beides auf demselben Stand.
Für den Alltag bewährt sich eine kleine Karte im Format eines Ausweises, die jedes Familienmitglied bei sich trägt. Auf ihr stehen die beiden Treffpunkte, die wichtigsten Telefonnummern und der Kontakt außerhalb der Region. Kinder können schon früh eine eigene, altersgerechte Aufgabe übernehmen: Ein Grundschulkind lernt, seine Karte vorzuzeigen und die eigene Telefonnummer zu nennen, ältere Kinder können den Weg zum Treffpunkt allein gehen oder die Warn-App im Blick behalten. Wichtig ist, die Aufgabe an das Alter anzupassen und sie einmal gemeinsam zu üben, damit sie im Ernstfall sitzt.
Die ersten Schritte, um den Notfallplan der Familie aufzustellen
- Gemeinsam besprechen, welche Gefahren in der eigenen Wohnsituation am wahrscheinlichsten sind, etwa Stromausfall, Hochwasser oder ein Brand.
- Zwei Treffpunkte festlegen, einen in der Nähe der Wohnung und einen außerhalb des eigenen Stadtteils.
- Aufgaben schriftlich verteilen: wer die Kinder abholt, wer das Notfallgepäck nimmt und wer die Warn-App im Blick behält.
- Besondere Bedarfe eintragen, etwa Medikamente, den Eintrag im Notfallregister oder die Versorgung von Haustieren.
- Den Plan mindestens einmal im Jahr gemeinsam durchgehen und die Wege zu den Treffpunkten tatsächlich abgehen.
Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt immer der Notruf: 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst, 110 für die Polizei. Amtliche Warnungen kommen über die Warn-App NINA und über Cell Broadcast direkt auf das Handy.
Häufige Fragen
Was gehört unbedingt in einen Notfallplan für die Familie?
Ein Notfallplan für die Familie legt mindestens zwei Treffpunkte, feste Aufgaben, eine Kommunikationskette und besondere Bedarfe wie Medikamente oder Haustiere schriftlich fest, damit im Ernstfall niemand improvisieren muss.
Wo sollte der Notfallplan der Familie aufbewahrt werden?
Der Notfallplan sollte ausgedruckt an einem festen Ort zu Hause liegen und zusätzlich als Kopie im Notfallgepäck stecken, weil Strom und Mobilfunknetz im Ernstfall ausfallen können und ein nur gespeichertes Dokument dann nicht mehr abrufbar ist.
Wie spreche ich mit Kindern über Notfälle, ohne sie zu ängstigen?
Ein ruhiges, altersgerechtes Gespräch über mögliche Gefahren nimmt Kindern eher die Angst, als das Thema ganz zu vermeiden. Hilfreich ist es, den Treffpunkt und die eigene Aufgabe im Notfallplan gemeinsam mit dem Kind einzuüben.
Wie erreicht sich eine Familie, wenn das Mobilfunknetz überlastet ist?
Wenn das lokale Mobilfunknetz überlastet ist, hilft ein gemeinsamer Kontakt außerhalb der Region, bei dem sich alle melden und der die Nachrichten bündelt. Zusätzlich sind ein batteriebetriebenes Radio und eine Papierliste mit wichtigen Nummern nützlich, weil sie ohne Netz und Strom funktionieren.
Was mache ich mit Haustieren, wenn die Familie den Wohnort verlassen muss?
Für Haustiere gehören eine Transportbox, ein Futter- und Wasservorrat sowie der Impfnachweis in den Notfallplan, und es sollte feststehen, wer aus der Familie oder Nachbarschaft sich im Ernstfall um das Tier kümmert. Weil viele Notunterkünfte keine Tiere aufnehmen, lohnt sich vorab eine geklärte Alternative.
Woher weiß ich, welche Gefahren an meinem Wohnort am wahrscheinlichsten sind?
Welche Gefahren an einem Wohnort am wahrscheinlichsten sind, zeigen die Warn-App NINA, die Internetseiten der eigenen Kommune und die Hochwasser-Gefahrenkarten der Länder. Wer in einem Flusstal, nahe einem Industriebetrieb oder in einer waldreichen Gegend wohnt, kann den Notfallplan gezielt auf Hochwasser, einen Chemieunfall oder andere örtliche Risiken ausrichten.
Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen. bbk.bund.de
- DRK-Kreisverband Ravensburg: Krisenvorsorge. drk-rv.de
- Stadt Nürnberg: Private Notfallvorsorge, wie Sie sich vorbereiten. nuernberg.de
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