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Die ersten Wochen: erste Schritte

Geprüft von der Redaktion

Die ersten Wochen: erste Schritte
Bild: KI generiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn du Asyl suchst, meldest du dich sofort bei einer staatlichen Stelle. Du kommst in eine Erstaufnahmeeinrichtung, wirst registriert und bekommst einen Ankunftsnachweis, dein erstes offizielles Dokument.
  • Bewahre alle Papiere sicher auf und mach von jedem wichtigen Dokument eine Kopie oder ein Foto. Ohne deine Papiere geht bei Behörden fast nichts.
  • In den ersten Wochen stehen an: eine ärztliche Erstuntersuchung, die Klärung deiner Unterbringung und der ersten Leistungen und, sobald du eine Adresse hast, die Anmeldung beim Bürgeramt.
  • Du hast das Recht auf ein Basiskonto, auch mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung. Die Bank muss es innerhalb von zehn Werktagen eröffnen (Paragraf 31 ZKG).
  • Kinder gehen in Deutschland zur Schule, das ist Pflicht. Melde deine Kinder früh für Kita oder Schule an, oft starten sie in einer Willkommensklasse.
  • Die wichtigste Anlaufstelle ist die Migrationsberatung (MBE) für Erwachsene und der Jugendmigrationsdienst (JMD) für junge Menschen bis 27. Beide sind kostenlos.

Was ist in den ersten Wochen am wichtigsten?

Die erste Zeit fühlt sich oft chaotisch an, aber es gibt eine klare Reihenfolge. Wenn du Asyl suchst, ist der allererste Schritt, dich bei einer staatlichen Stelle zu melden, an der Grenze oder im Land. Von dort wirst du an die nächste Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet, registriert und bekommst einen Ankunftsnachweis. Dieses Papier ist dein erstes offizielles Dokument. Es weist nach, dass du dich rechtmäßig in Deutschland aufhältst, und es berechtigt dich zu Unterkunft, Verpflegung und medizinischer Versorgung. Danach stellst du deinen Asylantrag bei der zuständigen Außenstelle des Bundesamts.

Kommst du aus einem anderen Grund nach Deutschland, etwa zur Familie oder zur Arbeit, sieht die Reihenfolge anders aus. Dann geht es zuerst um die Anmeldung deiner Wohnung beim Bürgeramt und um den Aufenthaltstitel bei der Ausländerbehörde. In beiden Fällen gilt: Kläre früh, welcher Weg für dich richtig ist, und hol dir Hilfe bei der Migrationsberatung, statt allein zu raten.

Deine Papiere sind dein wichtigstes Gut

Behördlich läuft in Deutschland fast alles über Dokumente. Deshalb ist der wichtigste praktische Rat für die erste Zeit: Pass gut auf deine Papiere auf. Dazu gehören dein Pass oder Passersatz, der Ankunftsnachweis, später die Aufenthaltsgestattung oder Duldung, alle Bescheide, dein Impfpass und Urkunden zu Geburt, Ehe und Ausbildung.

Mach von jedem wichtigen Dokument eine Kopie oder ein Foto und speichere es zusätzlich digital, zum Beispiel in einer sicheren E-Mail an dich selbst. Wenn ein Original verloren geht, hilft die Kopie enorm beim Ersatz. Lege dir für die Originale eine feste Mappe an und nimm zu jedem Termin alles Wichtige mit.

Gesundheit, Unterkunft und erste Leistungen

In der Erstaufnahmeeinrichtung wirst du in den ersten Tagen medizinisch untersucht, und das Personal informiert dich über die nächsten Schritte. Diese Erstuntersuchung ist wichtig, auch wenn du dich gesund fühlst. Sag offen, wenn du Beschwerden hast, Medikamente brauchst oder unter belastenden Erinnerungen leidest, denn seelische Gesundheit zählt genauso.

Deine Unterbringung wird dir zugewiesen, im Asylverfahren zunächst in der Erstaufnahme, danach oft in einer Gemeinschaftsunterkunft. Für deinen Lebensunterhalt bekommst du Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz über das Sozialamt, häufig über eine Bezahlkarte, Gutscheine oder Bargeld. Klär bei der Sozialberatung deiner Unterkunft, wie das bei dir läuft und was du beantragen musst. Viele Leistungen zahlt das Amt erst ab dem Tag, an dem du sie beantragst, deshalb warte damit nicht.

Konto, Anmeldung und Steuernummer

Sobald du eine feste Adresse hast, meldest du deine Wohnung innerhalb von zwei Wochen beim Bürgeramt oder Einwohnermeldeamt an. Diese Anmeldung ist die Grundlage für vieles Weitere. Kurz danach kommt automatisch deine Steuer-Identifikationsnummer per Post, die du für Arbeit und Kindergeld brauchst.

Ein eigenes Bankkonto brauchst du, um Leistungen, Lohn und Miete abzuwickeln. Du hast in Deutschland ein Recht auf ein Basiskonto, und zwar unabhängig davon, ob du gerade Geld hast, und auch mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung. Grundlage ist Paragraf 31 des Zahlungskontengesetzes. Jede Bank, die Girokonten anbietet, muss dir auf Antrag ein Basiskonto einrichten, spätestens innerhalb von zehn Werktagen. Wenn eine Bank ablehnt, lass dir das schriftlich geben und wende dich an die Verbraucherzentrale.

1Melden und registrieren2Ankunftsnachweis und Erstuntersuchung3Unterkunft und erste Leistungen4Konto5Anmeldung und Steuernummer6Sprachkurs
Die ersten Wochen in Deutschland in ihrer sinnvollen Reihenfolge. Bild: KI generiert.

Kinder in Kita und Schule anmelden

Kinder gehen in Deutschland zur Schule, das ist Pflicht und gilt auch für geflüchtete Kinder. In der ersten Zeit ist der Schulbesuch ein Recht, sobald der Alltag geregelt ist, wird er zur Pflicht. Melde deine schulpflichtigen Kinder früh an. Viele starten in einer sogenannten Willkommensklasse, in der sie zuerst Deutsch lernen, bevor sie in den normalen Unterricht wechseln.

Für jüngere Kinder lohnt sich ein Platz in der Kita, weil sie dort spielerisch Deutsch lernen und Kontakte knüpfen. Wende dich für die Anmeldung an das Schulamt oder das Jugendamt deiner Stadt. Der Jugendmigrationsdienst hilft jungen Menschen und ihren Familien bei allen Fragen rund um Schule, Ausbildung und Ankommen.

Deutsch lernen und den Alltag ordnen

Sprache ist der Schlüssel zu fast allem, was danach kommt: Arbeit, Behörden, Nachbarschaft. Melde dich früh für einen Deutschkurs an. Der reguläre Integrationskurs verbindet Sprache mit einem Orientierungsteil zu Recht, Geschichte und Alltag in Deutschland. Ob und wann du einen Anspruch auf einen solchen Kurs hast, hängt von deinem Status ab. Frag bei der Migrationsberatung nach, welche Kurse dir offenstehen, und nutze in der Wartezeit ehrenamtliche Sprachangebote und kostenlose Lern-Apps.

  1. Melde dich als asylsuchend und lass dich registrieren, oder melde deine Wohnung beim Bürgeramt an, je nach deiner Situation.
  2. Sichere deine Papiere, mach Kopien und lege eine Dokumentenmappe an.
  3. Nimm die ärztliche Erstuntersuchung wahr und beantrage die Leistungen, die dir zustehen.
  4. Eröffne ein Basiskonto und warte auf deine Steuer-Identifikationsnummer.
  5. Melde deine Kinder für Kita oder Schule an und dich selbst für einen Deutschkurs.
  6. Vereinbare einen Termin bei der Migrationsberatung, die dich durch alle weiteren Schritte begleitet.

Handy, Nahverkehr und wichtige Nummern

Für den Alltag brauchst du schnell zwei Dinge: eine deutsche Handynummer und einen Überblick über den Nahverkehr. Eine Prepaid-SIM-Karte bekommst du in vielen Geschäften und Kiosken. Für die Freischaltung musst du dich mit deinem Ausweis oder Aufenthaltspapier ausweisen, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Mit einer eigenen Nummer erreichst du Ämter, Ärzte und Beratungsstellen und kannst online Termine buchen.

Bus und Bahn sind oft der einfachste Weg durch die Stadt. Fahrkarten kaufst du am Automaten, in einer App oder im Bus. Fahren ohne gültige Fahrkarte kostet ein erhöhtes Beförderungsentgelt, deshalb löse immer vorher ein Ticket. Merke dir außerdem die wichtigsten Notrufnummern: die 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr, die 110 für die Polizei und die 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn die Arztpraxis geschlossen hat.

Wo du in der ersten Zeit Hilfe bekommst

Du musst diese Wochen nicht allein bewältigen. Für Erwachsene ab 27 Jahren gibt es die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte, kurz MBE. Für junge Menschen bis 27 ist der Jugendmigrationsdienst zuständig. Beide sind kostenlos, unterliegen der Schweigepflicht und begleiten dich Schritt für Schritt: bei Anträgen, bei Behördenpost, bei der Suche nach Kurs, Kita und Wohnung.

Getragen werden diese Dienste von den Wohlfahrtsverbänden wie Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Deutschem Roten Kreuz, dem Paritätischen und der Jüdischen Wohlfahrt. In vielen Städten gibt es außerdem Willkommensinitiativen und Flüchtlingsräte mit ehrenamtlichen Lotsinnen und Lotsen. Wenn du einen Brief nicht verstehst oder nicht weiterweißt, ist der Gang zu einer dieser Stellen fast immer der richtige nächste Schritt.

Häufige Fragen

Was ist der Ankunftsnachweis und wofür brauche ich ihn?

Der Ankunftsnachweis ist das erste offizielle Dokument, das du als asylsuchende Person nach der Registrierung in der Erstaufnahmeeinrichtung bekommst. Er weist nach, dass du dich rechtmäßig in Deutschland aufhältst, und berechtigt dich zu Unterkunft, Verpflegung und medizinischer Versorgung. Bewahre ihn sicher auf und nimm ihn zu Terminen mit.

In welcher Reihenfolge sollte ich die ersten Schritte erledigen?

Wenn du Asyl suchst, meldest du dich zuerst bei einer staatlichen Stelle, wirst registriert und bekommst den Ankunftsnachweis, danach folgen Erstuntersuchung, Unterbringung und Asylantrag. Kommst du aus anderen Gründen, stehen die Anmeldung der Wohnung und der Aufenthaltstitel am Anfang. In beiden Fällen sind früh ein Bankkonto, die Anmeldung, ein Deutschkurs und die Schule für Kinder wichtig.

Bekomme ich ein Bankkonto, obwohl mein Verfahren noch läuft?

Ja. Du hast nach Paragraf 31 Zahlungskontengesetz ein Recht auf ein Basiskonto, auch mit Aufenthaltsgestattung oder Duldung und auch ohne Einkommen. Jede Bank, die Girokonten anbietet, muss dir auf Antrag ein solches Konto einrichten, spätestens innerhalb von zehn Werktagen. Lehnt eine Bank ab, lass dir das schriftlich geben und wende dich an die Verbraucherzentrale.

Müssen meine Kinder zur Schule gehen?

Ja, in Deutschland gilt die Schulpflicht, und sie gilt auch für geflüchtete Kinder. Melde deine schulpflichtigen Kinder früh beim Schulamt an. Viele Kinder starten in einer Willkommensklasse, in der sie zuerst Deutsch lernen. Für jüngere Kinder lohnt sich ein Kitaplatz, um früh Sprache und Kontakte aufzubauen. Der Jugendmigrationsdienst hilft bei der Anmeldung.

Wann kann ich einen Deutschkurs besuchen?

Ob und wann du einen Anspruch auf einen Integrationskurs hast, hängt von deinem Aufenthaltsstatus ab. Frag bei der Migrationsberatung nach, welche Kurse dir offenstehen. In der Wartezeit helfen ehrenamtliche Sprachangebote und kostenlose Lern-Apps. Je früher du mit dem Deutschlernen beginnst, desto leichter fallen dir Arbeit, Behörden und Alltag.

An wen wende ich mich, wenn ich nicht weiterweiß?

Die wichtigste Anlaufstelle ist die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) und für junge Menschen bis 27 der Jugendmigrationsdienst (JMD). Beide sind kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht. Getragen werden sie von den Wohlfahrtsverbänden wie Diakonie und Caritas. Auch Willkommensinitiativen und Flüchtlingsräte helfen mit ehrenamtlichen Lotsen.

Brauche ich für eine SIM-Karte einen Ausweis?

Ja. Für die Freischaltung einer deutschen SIM-Karte musst du dich mit deinem Ausweis oder deinem Aufenthaltspapier ausweisen, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Eine Prepaid-Karte bekommst du in vielen Geschäften und Kiosken. Mit einer eigenen Handynummer erreichst du Ämter, Ärzte und Beratungsstellen und kannst online Termine buchen, was in der ersten Zeit vieles einfacher macht.

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