Romance-Scam und Liebesbetrug im Netz
Geprüft von der Redaktion

Das Wichtigste in Kürze
- Beim Romance-Scam baut eine Online-Bekanntschaft über Wochen Nähe auf und bittet dann um Geld, findet aber immer einen Grund, sich nie persönlich oder per Video zu zeigen.
- Sende kein Geld und keine weiteren Zahlungen, egal wie dringend der geschilderte Notfall klingt.
- Brich den Kontakt ab und blockiere die Person. Jede weitere Nachricht hält die Masche am Leben.
- Sichere Beweise mit Screenshots und erstatte Anzeige bei der Polizei. Hast du bereits gezahlt, ruf sofort deine Bank an.
- Du bist nicht schuld und nicht allein. Die Täter täuschen Gefühle professionell, darauf fallen kluge und vorsichtige Menschen herein.
Was ist Romance-Scam und was hilft jetzt?
Romance-Scam, auch Liebesbetrug genannt, ist eine Betrugsmasche, bei der jemand online eine Liebesbeziehung vortäuscht, um an dein Geld zu kommen. Das Wichtigste zuerst und in aller Klarheit: Wenn du gerade den Verdacht hast oder sicher bist, betrogen zu werden, sende kein Geld, brich den Kontakt ab und sichere Beweise. Das sind die drei Schritte, die sofort helfen. Die Masche lebt von echten Gefühlen, von deiner Zuneigung, deiner Hilfsbereitschaft und deiner Hoffnung. Genau deshalb ist sie so schmerzhaft, und genau deshalb ist es keine Frage von Dummheit, darauf hereinzufallen.
Und noch etwas gehört an den Anfang: Die Schuld liegt allein bei der Person, die dich getäuscht hat. Wer über Wochen Vertrauen aufbaut, um es auszunutzen, begeht eine Straftat. Dass dein Herz mitgespielt hat, ist kein Fehler, sondern menschlich. Betrogen zu werden ist etwas, das dir angetan wurde.
Ein Liebesbetrug trifft oft doppelt, finanziell und seelisch. Wenn dich der Verlust oder die Scham so belasten, dass du nicht mehr weiterweißt, sprich mit jemandem. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar. Der Weisse Ring unterstützt Opfer von Straftaten menschlich und praktisch unter 116 006. Diese Gespräche sind vertraulich, und du musst deinen Namen nicht nennen.
So läuft ein Romance-Scam ab
Auch wenn jede Geschichte anders klingt, folgt der Ablauf fast immer demselben Muster. Wer es kennt, erkennt früher, an welcher Stelle er die Kette unterbrechen kann.
Am Anfang steht ein Kontakt über eine Dating-App oder ein soziales Netzwerk. Die Person wirkt aufmerksam und interessiert und baut sehr schnell große Nähe auf, oft schon nach wenigen Tagen mit Liebeserklärungen und Zukunftsplänen. Ein Treffen im echten Leben oder auch nur ein Videoanruf kommt trotzdem nie zustande, dafür gibt es immer eine Ausrede: eine Arbeit im Ausland, beim Militär, auf einer Bohrinsel, eine Reise, eine schlechte Verbindung. Irgendwann kommt der erste Notfall, für den Geld gebraucht wird, und wenn du zahlst, folgt der nächste. Die Kette endet erst, wenn du nicht mehr reagierst.
Woran du Romance-Scam erkennst
Meist treffen mehrere dieser Anzeichen zusammen. Schon zwei oder drei davon sind ein deutliches Warnsignal.
- Die Beziehung entwickelt sich auffällig schnell, mit großen Gefühlen und Liebesschwüren nach kurzer Zeit.
- Ein persönliches Treffen oder ein Videoanruf klappt nie, es gibt immer einen neuen Grund.
- Die Person lebt oder arbeitet angeblich weit weg, oft im Ausland.
- Irgendwann geht es um Geld, für einen Notfall, eine Reise zu dir, eine Behandlung, den Zoll oder eine angebliche Geldanlage.
- Du sollst über ungewöhnliche Wege zahlen, etwa per Überweisung ins Ausland, mit Gutscheinkarten oder in einer Kryptowährung.
- Die Person bittet dich, mit niemandem darüber zu sprechen, oder redet dir ein Schuldgefühl ein, wenn du zögerst.
Ein Hinweis noch: Die Profilfotos sind oft von fremden Menschen gestohlen. Du kannst ein Bild über eine umgekehrte Bildersuche prüfen, indem du es bei einer Suchmaschine hochlädst. Taucht dasselbe Gesicht unter einem anderen Namen auf, ist das ein starkes Warnzeichen.
Deine Schritte, ruhig und der Reihe nach
Auch wenn es schwerfällt und wehtut: Handle überlegt statt aus Gefühl. Diese Reihenfolge hat sich bewährt.
- Kein Geld mehr senden. Zahle nichts, auch nicht ein letztes Mal, um die Sache abzuschließen. Jede Zahlung führt zu neuen Forderungen.
- Kontakt abbrechen. Antworte nicht mehr, geh auf keine Bitte und keinen Vorwurf ein und blockiere die Person auf allen Kanälen.
- Beweise sichern. Mach Screenshots vom Profil, vom Nutzernamen, vom Chatverlauf und von den Zahlungsdaten wie Kontonummer oder Kryptoadresse. Notiere Datum und Uhrzeit.
- Bank informieren. Hast du schon gezahlt, ruf sofort deine Bank an und bitte, die Zahlung zu stoppen oder zurückzuholen. Bei einer Überweisung zählt jede Stunde.
- Anzeige erstatten. Geh zur Polizei oder nutze die Onlinewache deines Bundeslandes. Nimm deine Beweise mit. Die Anzeige ist kostenlos.
- Hilfe holen. Sprich mit einer Person, der du vertraust, oder mit einer Beratungsstelle. Das entlastet und hilft dir, die nächsten Schritte klarer zu gehen.
Wenn schon Geld geflossen ist
Ob du dein Geld wiedersiehst, hängt vor allem davon ab, wie du gezahlt hast. Bei einer Überweisung, einem Bargeldtransfer oder einer Zahlung in Kryptowährung sind die Chancen leider gering, deshalb ist der sofortige Anruf bei der Bank so wichtig. Wie du je nach Zahlungsweg vorgehst und welche Fristen für eine Rückbuchung gelten, steht im Überblick zum Online-Betrug. Die ersten Schritte aus Beweise sichern, Geld stoppen und Anzeige gleichen denen bei jeder digitalen Krise.
Verschweige den Verlust nicht aus Scham. Je schneller du handelst, desto eher lässt sich vielleicht noch etwas aufhalten, und desto besser kann die Polizei ermitteln. Viele Betroffene zögern, weil sie glauben, die Täter säßen ohnehin im Ausland. Das stimmt oft, doch die Polizei führt Anzeigen zusammen und erkennt so Netzwerke, die für dich allein unsichtbar bleiben. Deine Anzeige schützt außerdem andere.
Du bist nicht schuld
Wer auf einen Liebesbetrug hereinfällt, schämt sich oft doppelt, für das verlorene Geld und für die getäuschten Gefühle. Diese Scham ist verständlich und trotzdem unbegründet. Die Täter gehen planvoll vor, sie sagen genau das, was du hören möchtest, und sie nutzen gezielt Einsamkeit, Umbrüche im Leben oder den Wunsch nach Nähe aus. Das ist eine Form der psychischen und finanziellen Manipulation, keine Frage von Naivität. Weitere Hilfe für Betroffene solcher Manipulation bündelt unsere Übersicht zu Gewalt.
Die Scham ist zugleich das schärfste Werkzeug der Täter, weil sie Betroffene zum Schweigen bringt. Wer darüber spricht, entzieht ihr die Grundlage. Niemand, der dir zuhört, wird dich verurteilen. Betrogen zu werden ist kein Fehler, den du gemacht hast, sondern eine Straftat, die dir angetan wurde.
Wenn du unwissentlich Geld weitergeleitet hast
Manchmal geht es nicht nur darum, dass du selbst zahlst. Einige Täter bitten dich, Geld für sie zu empfangen und weiterzuleiten, etwa weil ihr Konto gerade angeblich gesperrt sei. Das klingt harmlos, ist aber gefährlich: Wer fremdes Geld über sein Konto weiterschleust, wird zum sogenannten Finanzagenten und macht sich unter Umständen wegen Geldwäsche strafbar, auch ohne es zu wollen. Nimm deshalb niemals Geld für eine Online-Bekanntschaft entgegen und leite es nicht weiter. Bist du bereits darauf eingegangen, brich den Kontakt ab, informiere deine Bank und erstatte Anzeige. Dass du getäuscht wurdest, ist für die Bewertung wichtig, deshalb ist das offene Gespräch mit der Polizei der richtige Weg.
Wenn intime Bilder oder Daten im Spiel sind
Manche Täter drängen im Verlauf auf intime Fotos oder Videoaufnahmen und nutzen sie später, um Geld zu erpressen. Wenn dir das passiert, gilt dasselbe wie beim Geld: nicht zahlen, Kontakt abbrechen, Beweise sichern, Anzeige erstatten. Die eigene Hilfe für diesen Fall findest du im Ratgeber zur Sextortion. Hast du im Vertrauen persönliche Daten wie deine Anschrift, dein Geburtsdatum oder Kopien von Ausweisen geteilt, behalte deine Post und Kontoauszüge im Blick, denn diese Angaben können für einen Identitätsdiebstahl missbraucht werden. Hat die Person Zugriff auf eines deiner Konten bekommen, sichere es sofort, wie es der Ratgeber zum gehackten Konto beschreibt.
So schützt du dich und deine Angehörigen
Ein paar einfache Gewohnheiten senken das Risiko, ganz ohne Misstrauen gegen jeden neuen Kontakt. Sei aufmerksam, wenn eine Online-Bekanntschaft sehr schnell von großer Liebe spricht, ein Treffen oder ein Videoanruf aber nie zustande kommt. Prüfe die Profilfotos mit einer umgekehrten Bildersuche. Und lass dich von der wichtigsten Regel leiten: Überweise niemals Geld an einen Menschen, den du nur aus dem Netz kennst und nie persönlich getroffen hast, egal wie überzeugend der Notfall klingt.
Sprich außerdem offen im Familien- und Freundeskreis über diese Masche. Betroffen sind Menschen jeden Alters, oft aber auch ältere Angehörige, die eine neue Bekanntschaft für sich behalten. Ein ruhiges Gespräch ohne Vorwürfe wirkt mehr als jede Warnung. Vereinbart, dass niemand allein und unter Zeitdruck Geld an eine Online-Bekanntschaft schickt, sondern vorher mit einer zweiten Person aus der Familie spricht. Diese eine Regel verhindert die meisten großen Schäden.
Wenn dir eine Online-Bekanntschaft zum ersten Mal von einem Geldproblem erzählt, ist das der Moment zum Innehalten. Rede mit einer Person, der du vertraust, bevor du irgendetwas überweist. Ein Mensch, der dich wirklich mag, bringt dich nicht in eine Lage, in der du dein Erspartes für ihn riskieren sollst, ohne ihn je gesehen zu haben.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen Romance-Scam?
Einen Romance-Scam erkennst du an der Kombination aus sehr schnell entwickelten großen Gefühlen, einem Treffen oder Videoanruf, der nie zustande kommt, und einer späteren Bitte um Geld. Oft lebt die Person angeblich im Ausland und will über ungewöhnliche Wege wie Auslandsüberweisung, Gutscheinkarten oder Kryptowährung bezahlt werden. Kommen zwei oder drei dieser Zeichen zusammen, ist Vorsicht angebracht.
Bekomme ich mein Geld nach einem Liebesbetrug zurück?
Ob du dein Geld nach einem Liebesbetrug zurückbekommst, hängt vom Zahlungsweg ab. Bei Überweisung, Bargeldtransfer und Kryptowährung sind die Chancen leider gering, deshalb ruf sofort deine Bank an und bitte, die Zahlung zu stoppen. Bei einer Überweisung zählt jede Stunde. Erstatte zusätzlich Anzeige, weil du das Aktenzeichen häufig als Nachweis brauchst.
Bin ich selbst schuld, wenn ich auf einen Romance-Scam hereingefallen bin?
Nein, du bist nicht schuld. Die Täter täuschen Gefühle planvoll und über Wochen und nutzen gezielt den Wunsch nach Nähe aus. Darauf fallen kluge und vorsichtige Menschen jeden Alters herein. Die Schuld liegt allein bei der Person, die dich getäuscht hat, denn das ist eine Straftat. Scham hält viele vom Handeln ab, und genau darauf setzen die Täter.
Soll ich der Person eine letzte Chance geben, wenn sie um Geld bittet?
Nein, sende auch kein letztes Mal Geld. Wer dich online kennengelernt hat, sich nie persönlich zeigt und dann um Geld bittet, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Betrüger. Jede Zahlung bestätigt den Tätern, dass du zahlst, und führt zu neuen Forderungen. Brich den Kontakt ab, blockiere die Person und sichere die Beweise für eine Anzeige.
Wie kann ich prüfen, ob ein Profil echt ist?
Ob ein Profil echt ist, kannst du mit einer umgekehrten Bildersuche prüfen: Lade das Profilfoto bei einer Suchmaschine hoch und schau, ob dasselbe Gesicht unter anderen Namen auftaucht. Achte außerdem darauf, ob die Person ein Treffen oder einen Videoanruf immer wieder vermeidet. Ein echtes Interesse zeigt sich auch daran, dass jemand von sich preisgibt und nicht nur nach dir und deinem Geld fragt.
Was tue ich, wenn ich für die Person Geld empfangen und weitergeleitet habe?
Wenn du für eine Online-Bekanntschaft Geld empfangen und weitergeleitet hast, brich den Kontakt sofort ab, informiere deine Bank und erstatte Anzeige. Das Weiterleiten fremden Geldes kann als Geldwäsche strafbar sein, auch wenn du getäuscht wurdest. Genau deshalb ist das offene Gespräch mit der Polizei wichtig, denn dass du Opfer einer Täuschung warst, fließt in die Bewertung ein.
Verwandte Ratgeber aus Digitale Krisen
Weitere Artikel zum selben Themenbereich, die dir hier weiterhelfen können.
- Bilder von dir aus dem Netz löschen lassen
- Cybermobbing: Hilfe und Gegenwehr
- Digitale Krisen: schnell handeln bei Betrug, Hass und Datenverlust
- Digitaler Nachlass und Konten Verstorbener
- E-Mail- oder Social-Media-Konto gehackt
- Erpressungssoftware und Datenverlust
- Fake-Shop: Geld weg, was jetzt hilft
- Handy- und In-App-Abofalle
- Hass im Netz und was dagegen hilft
- Identitätsdiebstahl im Netz
- Kinder im Netz schützen
- Kreditkarten- und Bankbetrug online
- Online-Betrug erkennen und handeln
- Phishing-Mails und Betrugs-SMS erkennen
- Sextortion und Erpressung mit Bildern
- Sichere Passwörter und Passwortmanager
- Vom Datenleck betroffen: was tun
Verwandte Bereiche
Themen, die oft zusammenhängen und dir ebenfalls weiterhelfen können.