Nach einer Fehlgeburt
Geprüft von der Redaktion

- Was du verloren hast, ist ein echter Verlust, und deine Trauer ist angemessen, egal in welcher Woche es passiert ist.
- Eine Fehlgeburt ist häufig: 11 bis 15 von 100 festgestellten Schwangerschaften enden so. Fast immer liegt es an einer frühen Störung, nicht an dir.
- Auch nach einer Fehlgeburt steht dir eine Hebamme zu. Sie hilft dir durch die Rückbildung und die erste Zeit.
- Seit dem 1. Juni 2025 gibt es einen gestaffelten Mutterschutz nach einer Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche, ohne dass du dich krankschreiben lassen musst.
- Wenn die Trauer dich überwältigt, sprich mit einem Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar.
Du hast einen echten Verlust erlebt, und du bist nicht schuld
Was auch immer du gerade fühlst, es darf so sein. Nach einer Fehlgeburt zu trauern ist keine Übertreibung, sondern die angemessene Reaktion auf den Verlust eines Kindes, auf das du dich eingestellt hattest. Oft entsteht die Bindung zum Ungeborenen schon in den ersten Wochen, und deshalb ist der Schmerz real, unabhängig davon, in welcher Woche die Schwangerschaft endete. Niemand darf dir sagen, es sei ja noch früh gewesen oder du solltest schon weiter sein. Deine Zeit ist deine Zeit.
Und bitte glaub den Gedanken nicht, die dir jetzt Schuld zuschieben. Die allermeisten Fehlgeburten haben mit etwas zu tun, das sich deiner Kontrolle vollständig entzieht. Du hast nichts falsch gemacht.
Fehlgeburten sind häufig, und fast nie selbst verschuldet
Eine Fehlgeburt ist viel häufiger, als die meisten denken, weil kaum jemand offen darüber spricht. Von allen festgestellten Schwangerschaften enden 11 bis 15 Prozent mit einer Fehlgeburt, die meisten in den ersten zwölf Wochen. Der häufigste Grund ist eine grundlegende Störung schon bei der Befruchtung oder der Einnistung. Wenn im Bauplan des Embryos etwas nicht stimmt, bricht die Entwicklung von selbst ab. Das ist ein Vorgang, den kein Mensch steuern kann.
Das bedeutet: Es lag nicht an dem, was du gegessen, gehoben oder gefühlt hast. Es lag nicht an Stress im Job und nicht an einer durchtanzten Nacht Wochen zuvor. Diese Erklärung nimmt dir die Trauer nicht, aber vielleicht die Last der Selbstvorwürfe.
Manchmal bemerkt eine Frau die Fehlgeburt nicht sofort. Bei der sogenannten verhaltenen Fehlgeburt hört das Kind auf zu wachsen, ohne dass es zu Blutungen kommt, und die Ärztin stellt es erst bei einer Untersuchung fest. In diesem Fall besprichst du mit ihr, ob der Körper von selbst nachfolgt, ob Medikamente helfen oder ob ein kleiner Eingriff nötig ist. Für alle drei Wege gibt es gute, sichere Verfahren, und du bekommst Zeit, dich zu entscheiden, solange es medizinisch vertretbar ist.
Wie sich dein Körper erholt
Die körperliche Erholung nach einer Fehlgeburt dauert in der Regel einige Wochen. Wie lange genau, hängt davon ab, in welcher Woche die Schwangerschaft endete und wie sie verlief. Es kann zu Blutungen und Nachwehen kommen, ähnlich wie bei einer Periode oder einem kleinen Wochenbett. Deine Frauenärztin schaut nach, ob sich die Gebärmutter zurückbildet und alles vollständig abgegangen ist.
Wichtig und vielen unbekannt: Auch nach einer Fehlgeburt hast du Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme, egal ob früh oder spät. Sie begleitet dich durch die Rückbildung, achtet auf Anzeichen von Komplikationen und ist auch für die Seele da. Trau dich, sie anzurufen. Genau dafür ist sie da, und die Krankenkasse zahlt es. Wie du eine Hebamme findest, auch jetzt noch, steht im Beitrag eine Hebamme finden.
Trauer hat viele Gesichter und keinen Zeitplan
Es gibt kein richtiges Trauern und keinen Fahrplan, den du abarbeiten musst. Trauer kann sich als tiefe Traurigkeit zeigen, als Wut, als Leere, als Schuldgefühl oder als das Bedürfnis, einfach zu funktionieren. All diese Gefühle sind normal, auch wenn sie sich widersprechen und von Tag zu Tag wechseln. Manche Frauen und Paare spüren das ganze Ausmaß erst Wochen später, wenn der Alltag zurückkehrt und der Körper sich beruhigt.
Lass dir Zeit und nimm dir die Rituale, die dir helfen. Manche Eltern geben ihrem Kind einen Namen, bewahren das Ultraschallbild auf oder gestalten einen Ort der Erinnerung. Für ein verstorbenes Kind unter 500 Gramm besteht in Deutschland keine Bestattungspflicht, aber du hast das Recht, es bestatten zu lassen. Viele Friedhöfe haben eigene Grabfelder für diese Kinder, oft Sternenkinder genannt, und Kliniken bieten eine gemeinsame Bestattung an. Ab 500 Gramm gilt das Kind rechtlich als Totgeburt und wird ins Personenstandsregister eingetragen, wenn du das möchtest. Was dir Halt gibt, ist richtig, und was dir nicht liegt, musst du nicht tun.
Mutterschutz und Hebammenhilfe stehen dir auch jetzt zu
Seit dem 1. Juni 2025 gibt es einen gestaffelten Mutterschutz nach einer Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche. Du musst dich dafür nicht mehr krankschreiben lassen. Die Schutzfrist gilt von selbst, es sei denn, du erklärst dich ausdrücklich bereit zu arbeiten, weil dir das guttut. Während der Schutzfrist hast du Anspruch auf Mutterschaftsleistungen. So sieht die Staffelung aus:
| Fehlgeburt ab | Schutzfrist danach |
|---|---|
| 13. Schwangerschaftswoche | bis zu 2 Wochen |
| 17. Schwangerschaftswoche | bis zu 6 Wochen |
| 20. Schwangerschaftswoche | bis zu 8 Wochen |
Bei einer Fehlgeburt vor der 13. Woche greift dieser Mutterschutz noch nicht, aber deine Ärztin kann dich krankschreiben, so lange du Zeit brauchst. Zwing dich zu nichts. Ob du früh wieder arbeiten willst, weil dir die Ablenkung hilft, oder ob du Ruhe brauchst, entscheidest du. Die genauen Regeln und wie sich der Mutterschutz sonst zusammensetzt, stehen im Beitrag zum Mutterschutz.
Auch dein Partner trauert, oft anders
Wenn du in einer Beziehung lebst, trauert dein Partner oder deine Partnerin mit, auch wenn es von außen manchmal nicht so aussieht. Männer und Partnerinnen ziehen sich häufiger zurück, stürzen sich in Arbeit oder wollen stark sein für dich, statt eigene Gefühle zu zeigen. Das ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern eine andere Art zu trauern. Sprecht miteinander, so gut es geht, und gebt euch gegenseitig das Recht, unterschiedlich zu fühlen. Wenn das Reden schwerfällt, kann eine gemeinsame Beratung helfen, wieder zueinanderzufinden.
Wieder schwanger werden, wenn du so weit bist
Vielleicht beschäftigt dich schon die Frage, ob und wann eine neue Schwangerschaft möglich ist. Rein körperlich ist das oft nach kurzer Zeit wieder der Fall, meist sobald der Zyklus sich eingependelt hat. Wichtiger ist aber, dass du dich seelisch bereit fühlst, und dafür gibt es keinen festen Zeitpunkt. Manche Frauen wollen schnell wieder Hoffnung fassen, andere brauchen viele Monate. Beides ist richtig. Sprich mit deiner Frauenärztin darüber, wann eine neue Schwangerschaft aus medizinischer Sicht sinnvoll ist, besonders wenn es mehrere Fehlgeburten hintereinander gab. Ab drei Fehlgeburten in Folge spricht die Medizin von wiederholten Fehlgeburten, und dann kann eine genauere Untersuchung sinnvoll sein, etwa der Hormone, der Gerinnung oder der Gebärmutter. Eine Fehlgeburt bedeutet in den allermeisten Fällen nicht, dass du keine gesunden Kinder bekommen kannst. Wenn sich ein Kinderwunsch über längere Zeit nicht erfüllt, findest du Wege im Beitrag zum unerfüllten Kinderwunsch.
Wann du dir Hilfe von außen holst
Trauer braucht Zeit, aber sie sollte mit den Wochen langsam leichter tragbar werden. Wenn du merkst, dass die Schwere bleibt oder zunimmt, dass du dich völlig zurückziehst, nicht mehr schlafen kannst oder die Bilder des Erlebten dich immer wieder überfallen, dann hol dir Unterstützung. Manche Menschen entwickeln nach einer Fehlgeburt eine Depression oder eine posttraumatische Belastungsstörung. Wenn der Verlust nach der Geburt eines lebenden Kindes geschah oder sich mit einer Wochenbettdepression mischt, hilft dir zusätzlich der Beitrag zur Wochenbettdepression. Beides ist behandelbar, und Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke.
Wenn dich die Trauer überwältigt oder du das Gefühl hast, nicht mehr weiterzukönnen, bist du nicht allein. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar. Bei dunklen Gedanken, dir etwas anzutun, wähle im Notfall 112. Für den Austausch mit anderen betroffenen Eltern gibt es Selbsthilfegruppen wie die Initiative Regenbogen. Und auch deine Hebamme oder eine Schwangerschaftsberatungsstelle vermittelt dir Trauerbegleitung. Du musst diese Zeit nicht allein durchstehen.
Was dir jetzt helfen kann
Es gibt keine Reihenfolge, die für alle stimmt. Sieh diese Punkte als Angebote, nicht als Aufgabenliste. Nimm dir, was gerade passt.
- Erlaube dir zu fühlen, was da ist, ohne es zu bewerten. Trauer darf laut oder still sein.
- Ruf deine Hebamme an, sie begleitet dich durch die körperliche Erholung und hört zu.
- Sprich mit einem Menschen, dem du vertraust, über deinen Verlust. Sag ruhig, dass du gerade keinen Rat brauchst, sondern Zuhören.
- Such bei anhaltender Belastung eine Trauerbegleitung, eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe wie die Initiative Regenbogen.
- Klär mit deiner Ärztin oder deinem Arbeitgeber, welche Schutzfrist oder Krankschreibung dir zusteht, damit du Zeit hast.
Zurück in den Alltag und ins Umfeld
Irgendwann kehrt der Alltag zurück, und damit die Frage, wie du mit den Menschen umgehst, die nichts wissen oder nicht wissen, was sie sagen sollen. Du musst niemandem Rechenschaft ablegen und nichts erklären, wenn du nicht möchtest. Für die Arbeit reicht eine Krankschreibung ohne Diagnose, dein Arbeitgeber erfährt den Grund nicht. Manchen hilft es, einer vertrauten Kollegin oder dem Chef offen zu sagen, was war, damit die Rückkehr nicht mit belanglosem Smalltalk beginnt. Beides ist richtig, du entscheidest.
Schwer sind oft die gut gemeinten Sätze anderer, die trösten wollen und doch verletzen. Es ist in Ordnung, ein Gespräch abzubrechen oder um Zuhören statt um Ratschläge zu bitten. Und es ist normal, wenn dich Monate später ein Geburtstermin, ein Babybauch im Bus oder ein Datum unerwartet einholt. Solche Wellen werden mit der Zeit seltener und flacher. Wenn sie nicht abklingen, ist das ein guter Moment, dir Begleitung zu suchen.
Häufige Fragen
Wie häufig sind Fehlgeburten wirklich?
Von allen festgestellten Schwangerschaften enden 11 bis 15 Prozent mit einer Fehlgeburt, die meisten in den ersten zwölf Wochen. Fehlgeburten gehören damit zu den häufigen Ereignissen einer Schwangerschaft, auch wenn selten offen darüber gesprochen wird.
Habe ich die Fehlgeburt durch etwas selbst verursacht?
In aller Regel nicht. Die meisten Fehlgeburten entstehen durch eine grundlegende Störung schon bei der Befruchtung oder Einnistung, die niemand beeinflussen kann. Sie hat nichts damit zu tun, was du gegessen, gehoben oder gefühlt hast.
Steht mir nach einer Fehlgeburt eine Hebamme zu?
Ja, auch nach einer Fehlgeburt hast du Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme, egal ob früh oder spät. Sie begleitet dich durch die körperliche Rückbildung und ist auch seelisch für dich da. Die Kosten trägt die Krankenkasse.
Gibt es Mutterschutz nach einer Fehlgeburt?
Seit dem 1. Juni 2025 gilt ein gestaffelter Mutterschutz ab der 13. Schwangerschaftswoche: bis zu 2 Wochen ab der 13. Woche, bis zu 6 Wochen ab der 17. und bis zu 8 Wochen ab der 20. Woche. Du musst dich dafür nicht krankschreiben lassen. Vor der 13. Woche ist eine Krankschreibung durch die Ärztin möglich.
Kann ich mein Kind bestatten lassen, auch bei einer frühen Fehlgeburt?
Ja. Für ein Kind unter 500 Gramm besteht keine Bestattungspflicht, du hast aber das Recht auf eine Bestattung. Viele Friedhöfe haben eigene Grabfelder, und Kliniken bieten oft eine gemeinsame Bestattung an. Ab 500 Gramm gilt das Kind als Totgeburt und kann ins Personenstandsregister eingetragen werden.
Wann sollte ich mir professionelle Hilfe suchen?
Such dir Unterstützung, wenn die Trauer über Wochen nicht leichter wird, du dich völlig zurückziehst, nicht mehr schlafen kannst oder die Erinnerungen dich immer wieder überwältigen. Manche entwickeln danach eine Depression oder eine Belastungsstörung, beides ist gut behandelbar.
Wie kann ich meinem Partner in der Trauer beistehen?
Gebt euch gegenseitig das Recht, unterschiedlich zu trauern. Partner ziehen sich oft zurück oder wollen stark sein, das ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Sprecht miteinander, so gut es geht, und holt euch bei Bedarf eine gemeinsame Beratung.
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