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Unerfüllter Kinderwunsch

Geprüft von der Redaktion

Symbolbild zum Thema Unerfüllter Kinderwunsch
Symbolbild zu Unerfüllter Kinderwunsch. KI-generiert.
  • Du bist mit diesem Wunsch nicht allein. Schätzungen zufolge braucht etwa jedes sechste bis zehnte Paar länger oder medizinische Hilfe, um schwanger zu werden.
  • Lasst euch ärztlich untersuchen, wenn ihr nach etwa einem Jahr regelmäßigem Sex ohne Verhütung nicht schwanger geworden seid. Ab 35 Jahren reicht schon ein halbes Jahr.
  • Die Ursachen liegen etwa gleich häufig bei der Frau, beim Mann oder bei beiden. Deshalb werden immer beide untersucht.
  • Die Behandlung reicht von einer Hormontherapie über die Insemination bis zur IVF oder ICSI. Eine IVF gelingt in etwa 15 bis 20 Prozent der Versuche.
  • Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt bei Verheirateten meist die Hälfte der Kosten für drei Versuche. Dazu kommt oft eine Förderung von Bund und Land.

Was du tun kannst, wenn du nicht schwanger wirst

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ist der wichtigste Schritt, sich Klarheit zu holen: eine ärztliche Untersuchung, die zeigt, woran es liegen könnte. In vielen Fällen findet sich eine Ursache, und für die meisten gibt es einen Behandlungsweg. Erste Anlaufstelle ist deine Frauenärztin, danach oft ein Kinderwunschzentrum, das auf die Diagnose und Behandlung spezialisiert ist. Du musst diesen Weg nicht sofort gehen, aber es ist gut zu wissen, dass es ihn gibt.

Vorweg das Wichtigste gegen den Druck im Kopf: Ein unerfüllter Kinderwunsch ist keine Schuld und kein Versagen. Es ist eine medizinische Frage, die sich untersuchen und in vielen Fällen lösen lässt, und es ist zugleich eine seelische Belastung, die du ernst nehmen darfst. Der Kinderwunsch gehört genauso zur Familienplanung wie die Verhütung, nur eben von der anderen Seite, und dieselben Beratungsstellen sind auch dafür da.

Wann ihr euch ärztlich untersuchen lassen solltet

Als Faustregel gilt: Wenn ihr ein Jahr lang regelmäßig und ohne Verhütung Sex hattet und nicht schwanger geworden seid, ist es Zeit für eine Untersuchung. Ist die Frau älter als 35 Jahre, solltet ihr schon nach einem halben Jahr zur Ärztin gehen, weil die Fruchtbarkeit mit dem Alter abnimmt und Zeit dann eine Rolle spielt. Auch wenn es Hinweise auf ein Problem gibt, etwa einen unregelmäßigen Zyklus oder frühere Unterleibsoperationen, lohnt sich der frühere Termin.

Der erste Schritt ist meist ein ruhiges Gespräch, in dem eure Vorgeschichte besprochen wird. Daraus ergibt sich, welche Untersuchungen sinnvoll sind. Nichts davon passiert überstürzt, und ihr entscheidet an jedem Punkt selbst, wie weit ihr gehen wollt. Ein erstes Gespräch verpflichtet euch zu nichts weiter.

Die Ursachen liegen bei beiden Partnern gleich häufig

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass es meist an der Frau liege. Tatsächlich verteilen sich die Ursachen etwa gleichmäßig: bei rund einem Drittel liegt es an der Frau, bei einem Drittel am Mann und beim Rest an beiden oder bleibt zunächst unklar. Deshalb werden immer beide untersucht, und das ist keine Schuldfrage, sondern schlicht der Weg zur richtigen Behandlung.

Bei der Frau können hormonelle Störungen, verschlossene Eileiter, eine Endometriose oder ein PCO-Syndrom eine Rolle spielen. Beim Mann geht es meist um die Zahl und Beweglichkeit der Spermien, was ein Spermiogramm zeigt. Dazu kommen bei beiden Faktoren wie Alter, Gewicht, Rauchen und Stress. Manche davon lassen sich beeinflussen, andere nicht. Bei der Frau geben Blutwerte wie das AMH einen Anhaltspunkt für die Reserve an Eizellen, sie sind aber nur ein Baustein unter mehreren.

Was ihr selbst tun könnt

Nicht jeder unerfüllte Kinderwunsch braucht sofort eine Behandlung. Ein Teil hat mit dem Lebensstil oder dem Zeitpunkt zu tun, und daran lässt sich etwas ändern. Wer schwanger werden möchte, sollte nicht rauchen, wenig bis keinen Alkohol trinken und auf ein gesundes Gewicht achten, denn sowohl starkes Über- als auch Untergewicht kann den Zyklus stören. Der Frauenärztin ist zudem wichtig, dass du schon vor einer Schwangerschaft Folsäure nimmst, das schützt das spätere Kind.

Hilfreich ist auch, die fruchtbaren Tage zu kennen. Der Eisprung liegt bei einem regelmäßigen Zyklus etwa in der Mitte, und die Tage davor sind die fruchtbarsten. Es lohnt sich aber nicht, den Sex zum Termindruck zu machen. Regelmäßige Nähe über den Zyklus verteilt bringt oft mehr als das Warten auf den perfekten Tag. Und wenn all das nicht hilft, ist das kein Grund für Selbstvorwürfe, sondern der Moment, ärztlichen Rat zu holen.

Von der Hormonbehandlung bis zur künstlichen Befruchtung

Die Reproduktionsmedizin geht meist von der sanftesten wirksamen Methode aus und steigert sich nur, wenn nötig. Welcher Weg passt, hängt von der Ursache ab. Die wichtigsten Verfahren im Überblick:

VerfahrenWas dabei passiertWann es eingesetzt wird
Hormonelle StimulationHormone regen die Eierstöcke an, damit Eizellen heranreifen und der Eisprung ausgelöst wirdBei Zyklus- oder Eisprungstörungen
Insemination (IUI)Aufbereitete Spermien werden zum Eisprung direkt in die Gebärmutter eingebrachtBei leicht eingeschränkter Spermienqualität oder unklarer Ursache
IVFEizellen werden entnommen und im Labor mit Spermien zusammengebracht, der Embryo wird eingesetztBei verschlossenen Eileitern oder wenn einfachere Wege nicht helfen
ICSIEin einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle gespritztBei stark eingeschränkter Spermienqualität

Eine IVF führt in etwa 15 bis 20 Prozent der Versuche zu einer Schwangerschaft, oft braucht es also mehr als einen Anlauf. Die ICSI ist heute die am häufigsten angewandte Form der künstlichen Befruchtung. Welche Methode für euch infrage kommt, bespricht ihr in Ruhe mit dem Kinderwunschzentrum.

1Untersuchung und Diagnose2Hormonelle Stimulation3Insemination4IVF oder ICSI
Der übliche Weg der Kinderwunschbehandlung, von der Diagnose zur sanftesten wirksamen Methode und nur bei Bedarf weiter Bild: KI generiert.

Was die Behandlung kostet und wer zahlt

Eine künstliche Befruchtung ist teuer, aber du zahlst sie in der Regel nicht allein. Eine IVF kostet je nach Zentrum etwa 2.400 bis 3.800 Euro pro Versuch, dazu kommen 500 bis 1.500 Euro für die Medikamente. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt bei verheirateten Paaren meist die Hälfte der Kosten für bis zu drei Versuche. Voraussetzung ist üblicherweise, dass beide Partner mindestens 25 Jahre alt sind, die Frau jünger als 40 und der Mann jünger als 50 Jahre ist und die Ei- und Samenzellen vom Paar selbst stammen. Vor Beginn muss der Behandlungsplan bei der Kasse eingereicht und genehmigt werden.

Über die Krankenkasse hinaus gibt es in vielen Bundesländern eine zusätzliche Förderung von Bund und Land, die einen weiteren Teil deiner Eigenkosten für den ersten bis vierten Versuch übernimmt. In einigen Ländern gilt sie inzwischen auch für unverheiratete Paare. Manche Kassen haben ihre Beteiligung freiwillig erhöht und bieten zusätzliche Leistungen an, deshalb lohnt sich der direkte Vergleich. Weil die Regeln je nach Wohnort und Kasse unterschiedlich sind, lohnt sich der Blick auf das Förderprogramm deines Bundeslandes und ein Beratungsgespräch, bevor die Behandlung beginnt. Wie die Finanzierung rund um ein späteres Kind weitergeht, steht im Überblick zu den finanziellen Hilfen in der Schwangerschaft.

Die seelische Belastung ernst nehmen

Ein unerfüllter Kinderwunsch zehrt an den Nerven, an der Beziehung und am Selbstwert. Der monatliche Wechsel aus Hoffnung und Enttäuschung, die Fragen im Bekanntenkreis, das Gefühl, der eigene Körper mache nicht mit: All das ist eine echte Last, und sie hat nichts damit zu tun, wie stark du bist. Rede darüber, mit dem Partner, mit Vertrauten oder mit einer Beratungsstelle.

Es gibt Beratung, die genau auf dieses Thema spezialisiert ist. Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland vermittelt psychosoziale Fachleute, und auch pro familia berät zu unerfülltem Kinderwunsch. Eine solche Begleitung hilft, Entscheidungen ruhiger zu treffen, etwa wie viele Versuche ihr gehen wollt und wann ein anderer Weg wie Adoption oder ein Leben ohne eigenes Kind für euch dazugehört. Diese Fragen darfst du dir stellen, in deinem Tempo. Wenn du wiederholte Fehlgeburten erlebt hast, gehört das eng zu diesem Thema, und behutsame Begleitung dafür findest du im Beitrag nach einer Fehlgeburt.

So geht ihr den unerfüllten Kinderwunsch an

Diese Reihenfolge gibt euch Orientierung, ohne dass ihr alles auf einmal entscheiden müsst.

  1. Sprecht offen miteinander, was ihr euch wünscht und wie weit ihr gehen wollt.
  2. Vereinbart einen Termin bei der Frauenärztin, um die ersten Fragen zu klären.
  3. Lasst euch bei Bedarf an ein Kinderwunschzentrum überweisen, wo beide untersucht werden.
  4. Klärt vor Behandlungsbeginn die Kostenübernahme mit der Krankenkasse und dem Förderprogramm eures Bundeslandes.
  5. Nehmt euch für die seelische Seite Unterstützung, etwa über das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland oder pro familia.

Nimm dir Zeit für Entscheidungen und lass dich nicht drängen, weder von außen noch von dir selbst. Eine spezialisierte Beratung kostet in der Regel nichts und hilft, Ruhe in die vielen Fragen zu bringen. Wenn dich die Belastung stark bedrückt, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 116 123 erreichbar.

Was das Alter für die Chancen bedeutet

Beim weiblichen Körper spielt das Alter eine größere Rolle als beim männlichen, weil die Zahl und die Qualität der Eizellen mit den Jahren abnehmen. Bis Anfang dreißig sind die Chancen pro Zyklus am höchsten, ab Mitte dreißig sinken sie spürbar, und ab vierzig deutlich. Das ist keine Wertung, sondern Biologie, und es erklärt, warum Ärztinnen ab 35 Jahren früher zur Untersuchung raten. Wer den Kinderwunsch aus beruflichen oder persönlichen Gründen aufschieben möchte, kann sich über das Einfrieren von Eizellen beraten lassen, das sogenannte Social Freezing. Es ist eine Selbstzahlerleistung und keine Garantie, aber für manche eine Option.

Wenn ein anderer Weg dazugehört

Nicht jeder Kinderwunsch erfüllt sich über die Medizin, und das ist keine Niederlage. Manche Paare entscheiden sich irgendwann für eine Adoption oder ein Pflegekind, andere finden nach einer langen Zeit des Ringens ihren Frieden mit einem Leben ohne eigenes Kind. Beide Wege sind vollwertig und verdienen dieselbe Sorgfalt wie eine Behandlung. Für die Adoption sind die Jugendämter und anerkannte Adoptionsvermittlungsstellen zuständig, für ein Pflegekind der Pflegekinderdienst deiner Kommune. Wann und ob ihr diesen Gedanken zulasst, entscheidet ihr allein und in eurem Tempo. Eine psychosoziale Beratung hilft, diese großen Fragen ohne Druck zu sortieren.

Genauso legitim ist es, eine Behandlung zu pausieren oder ganz zu beenden. Der Weg durch die Reproduktionsmedizin kann Körper und Beziehung stark fordern, und es ist kein Aufgeben, irgendwann zu sagen, dass es genug ist. Vereinbart am besten schon vor dem Start, wie viele Versuche ihr gehen wollt und wann ihr innehaltet, um neu zu überlegen. Eine solche Absprache nimmt dem monatlichen Auf und Ab einen Teil seiner Wucht, weil ihr die Kontrolle behaltet, statt euch von jedem einzelnen Zyklus treiben zu lassen.

Häufige Fragen

Ab wann spricht man von einem unerfüllten Kinderwunsch?

Von einem unerfüllten Kinderwunsch spricht man, wenn ein Paar ein Jahr lang regelmäßig und ohne Verhütung Sex hatte und nicht schwanger geworden ist. Ist die Frau über 35 Jahre alt, gilt schon ein halbes Jahr als Anlass, sich untersuchen zu lassen.

Liegt es meist an der Frau, wenn es nicht klappt?

Nein. Die Ursachen verteilen sich etwa gleichmäßig: rund ein Drittel liegt bei der Frau, ein Drittel beim Mann und der Rest bei beiden oder bleibt zunächst unklar. Deshalb werden bei der Diagnose immer beide Partner untersucht.

Wie hoch sind die Chancen bei einer künstlichen Befruchtung?

Eine IVF führt in etwa 15 bis 20 Prozent der Versuche zu einer Schwangerschaft. Oft braucht es deshalb mehrere Anläufe. Die genauen Chancen hängen unter anderem vom Alter der Frau und von der Ursache ab.

Was zahlt die Krankenkasse bei einer Kinderwunschbehandlung?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt bei verheirateten Paaren in der Regel die Hälfte der Kosten für bis zu drei Versuche. Voraussetzung ist meist, dass beide Partner mindestens 25 Jahre alt sind, die Frau unter 40 und der Mann unter 50 Jahre. Dazu kommt in vielen Bundesländern eine zusätzliche Förderung von Bund und Land.

Bekommen auch unverheiratete Paare eine Kostenübernahme?

Die gesetzliche Kassenleistung ist meist an eine Ehe geknüpft. In einigen Bundesländern gilt die zusätzliche Förderung von Bund und Land inzwischen auch für unverheiratete Paare. Weil die Regeln je nach Wohnort verschieden sind, frag beim Förderprogramm deines Bundeslandes nach.

Wo bekomme ich Hilfe für die seelische Belastung?

Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland vermittelt psychosoziale Fachleute, die auf dieses Thema spezialisiert sind. Auch pro familia berät kostenlos zu unerfülltem Kinderwunsch. Eine solche Begleitung hilft, Entscheidungen in Ruhe zu treffen.

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