Verhütung und Beratung
Geprüft von der Redaktion

- Es gibt nicht die eine beste Verhütung. Welche passt, hängt von deiner Gesundheit, deinem Alltag und deiner Lebensphase ab.
- Wie sicher eine Methode ist, zeigt der Pearl-Index: je kleiner die Zahl, desto sicherer. Spirale und Hormonimplantat sind am sichersten, das Kondom hängt stark von der richtigen Anwendung ab.
- Nur Kondome schützen zusätzlich vor sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV, Syphilis oder HP-Viren.
- Bis zum vollendeten 22. Lebensjahr zahlt die gesetzliche Krankenkasse verschreibungspflichtige Verhütung. Ab 22 zahlst du in der Regel selbst.
- Die Pille danach gibt es seit 2015 rezeptfrei in jeder Apotheke. Je früher du sie nimmst, desto besser wirkt sie.
Welche Verhütung zu dir passt, und wo du dich beraten lässt
Die passende Verhütung ist die, die zu deinem Leben passt, und nicht die mit der besten Zahl auf dem Papier. Ob eine tägliche Pille, eine Spirale für Jahre, das Kondom oder eine natürliche Methode: Jede hat Vorteile und Nachteile, und was für deine beste Freundin ideal ist, kann für dich unpraktisch sein. Deshalb lohnt sich ein Beratungsgespräch, bei deiner Frauenärztin oder kostenlos und vertraulich bei pro familia. Dort schaut ihr gemeinsam auf deine Gesundheit, deinen Alltag und deine Wünsche und findet heraus, was für dich funktioniert.
Eine Sache vorweg, weil sie oft untergeht: Nur das Kondom schützt gleichzeitig vor einer Schwangerschaft und vor Infektionen. Alle anderen Methoden verhindern nur die Schwangerschaft. Deshalb ist es keine Schwäche, beides zu kombinieren, sondern schlicht die sicherste Lösung, solange ihr euch nicht beide auf Infektionen habt testen lassen. Verhütung ist ein Teil der Familienplanung, in der du selbst bestimmst, ob und wann du Kinder bekommst.
Wie sicher die einzelnen Methoden sind
Die Sicherheit einer Verhütung misst man mit dem Pearl-Index. Er sagt, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr trotz der Methode schwanger werden. Je kleiner die Zahl, desto sicherer. Wichtig ist der Unterschied zwischen der Theorie und dem Alltag: Die Pille ist bei perfekter Einnahme sehr sicher, aber wenn man sie mal vergisst, steigt die Zahl deutlich. Methoden, bei denen man nichts falsch machen kann, sind im Alltag am zuverlässigsten.
| Methode | Pearl-Index (etwa) | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Hormonimplantat (Stäbchen) | 0 bis 0,05 | Wirkt bis zu drei Jahre, nichts zu vergessen |
| Hormonspirale | etwa 0,16 | Wirkt mehrere Jahre, wenig Aufwand |
| Kupferspirale | 0,3 bis 0,8 | Ohne Hormone, wirkt mehrere Jahre |
| Pille | 0,1 bis 0,9 bei perfekter Einnahme, im Alltag bis 7 | Muss täglich zuverlässig genommen werden |
| Kondom | 2 bis 12 | Bei richtiger Anwendung deutlich sicherer, schützt vor Infektionen |
Neben der Sicherheit spielt eine zweite Frage eine große Rolle: mit oder ohne Hormone. Hormonelle Methoden wie Pille, Spirale, Implantat oder Ring sind sehr sicher, greifen aber in den Zyklus ein und passen nicht zu jeder Frau, etwa bei bestimmten Vorerkrankungen. Hormonfreie Wege sind die Kupferspirale, das Kondom und die natürlichen Methoden, bei denen du deinen Zyklus beobachtest. Es gibt hier kein richtig oder falsch, nur das, was zu deinem Körper und deinem Leben passt. Genau das ist der Punkt, an dem eine gute Beratung den Unterschied macht.
Nur Kondome schützen zusätzlich vor Infektionen
Spirale, Pille und Implantat sind auf den Schwangerschaftsschutz ausgelegt, mehr nicht. Gegen sexuell übertragbare Infektionen wie HIV, Syphilis, Chlamydien oder HP-Viren helfen sie nicht. Diesen Schutz bietet allein das Kondom, und das Femidom als weibliche Variante. Gerade bei einem neuen Partner oder wechselnden Kontakten ist deshalb die Kombination sinnvoll: eine sichere Methode gegen die Schwangerschaft und zusätzlich das Kondom gegen Infektionen. Das nennt man Doppelschutz, und es ist kein Misstrauen, sondern Fürsorge für euch beide.
Verhütung ohne Hormone und natürliche Methoden
Wer keine Hormone möchte, hat mehr Auswahl, als viele denken. Die Kupferspirale und die Kupferkette wirken mehrere Jahre ohne Hormone. Barrieremethoden wie Kondom, Diaphragma und Femidom greifen nur im Moment und lassen den Zyklus in Ruhe. Und dann gibt es die natürlichen Methoden, bei denen du deinen Körper beobachtest.
Am zuverlässigsten unter ihnen ist die symptothermale Methode: Du misst jeden Morgen die Aufwachtemperatur und beobachtest den Schleim am Muttermund, um die fruchtbaren Tage sicher zu bestimmen. Richtig angewendet ist sie überraschend sicher, sie verlangt aber Regelmäßigkeit und etwas Übung. Zykluscomputer und Apps können dabei helfen, ersetzen aber nicht das Wissen darüber, wie die Methode funktioniert. In dieser Zeit verhütest du an den fruchtbaren Tagen zusätzlich mit Kondom oder verzichtest auf Sex. Eine Beratung, etwa bei pro familia, zeigt dir, ob eine natürliche Methode zu deinem Alltag passt.
Welche Methode in welcher Lebensphase passt
Die richtige Verhütung ändert sich mit dem Leben, und das ist völlig normal. Als junger Mensch mit wechselnden Beziehungen zählt vor allem der Doppelschutz mit Kondom, oft ergänzt durch die Pille. Wichtiger als die perfekte Methode ist in dieser Phase, dass du sie zuverlässig und ohne Stress anwenden kannst.
Nach einer Geburt und in der Stillzeit sind nicht alle Methoden geeignet. Östrogenhaltige Mittel wie die klassische Pille werden in dieser Zeit meist nicht empfohlen. Gut geeignet sind dann die Minipille, die Hormonspirale oder die hormonfreie Kupferspirale. Deine Hebamme oder Frauenärztin berät dich, ab wann und womit du wieder verhüten solltest, denn schwanger werden kannst du auch beim Stillen. Ist die Familienplanung abgeschlossen und du bist dir ganz sicher, kommt auch eine Sterilisation infrage, bei der Frau oder beim Mann. Sie ist dauerhaft und lässt sich nur schwer rückgängig machen, deshalb gehört ihr immer ein ausführliches Beratungsgespräch voraus. Wenn sich umgekehrt ein Kinderwunsch nicht erfüllt, findest du Wege im Beitrag zum unerfüllten Kinderwunsch.
Was Verhütung kostet und wer sie bezahlt
Bis zum vollendeten 22. Lebensjahr übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für ärztlich verordnete, verschreibungspflichtige Verhütungsmittel wie die Pille oder die Spirale. Unter 18 Jahren ist das für dich kostenlos, zwischen 18 und 22 zahlst du nur eine kleine Zuzahlung von etwa 5 bis 10 Euro. Ab dem 22. Geburtstag trägst du die Kosten in der Regel selbst, außer die Verhütung ist aus medizinischen Gründen nötig.
Wenn Geld knapp ist, sprich das offen an, bei der Ärztin oder bei einer Beratungsstelle. In vielen Städten und über pro familia gibt es Fonds, die Verhütung für Menschen mit geringem Einkommen oder im Bürgergeldbezug ganz oder teilweise bezahlen. pro familia hat einen solchen Zugang in mehreren Städten erprobt, und die Politik prüft, ihn bundesweit auszuweiten. Kondome bekommst du günstig in Drogerie, Supermarkt und Apotheke, und die Preise pro Stück sinken bei größeren Packungen deutlich.
Die Pille danach, wenn etwas schiefgegangen ist
Wenn die Verhütung versagt hat, das Kondom gerissen oder die Pille vergessen wurde, gibt es die Pille danach. Sie verschiebt oder verhindert den Eisprung und wirkt umso besser, je früher du sie nimmst, am besten innerhalb weniger Stunden. Seit 2015 bekommst du sie ohne Rezept in jeder Apotheke, sie kostet je nach Wirkstoff etwa 12 bis 25 Euro. Bis zum 22. Geburtstag übernimmt die Krankenkasse die Kosten, wenn eine Ärztin sie verschreibt. Die Pille danach ist eine Notlösung für den Einzelfall, keine regelmäßige Verhütung. Sie ist außerdem kein Schwangerschaftsabbruch: Sie wirkt nur, bevor eine Schwangerschaft entstanden ist, und beendet keine bestehende. Den Unterschied und die Wege bei einer bestehenden Schwangerschaft erklärt der Beitrag zum Schwangerschaftsabbruch. Nach der Anwendung ist ein Beratungsgespräch sinnvoll, um eine dauerhafte Methode zu finden.
Wo du dich kostenlos und vertraulich beraten lässt
Du musst die Entscheidung nicht allein treffen. Beratungsstellen wie pro familia beraten dich kostenlos, vertraulich und ergebnisoffen, auch als Jugendliche und ohne dass deine Eltern davon erfahren müssen. Sie kennen alle Methoden, ihre Vor- und Nachteile und die aktuellen Kosten. Deine Frauenärztin berät dich ebenfalls und kann Rezepte ausstellen oder eine Spirale einsetzen. Und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bietet über familienplanung.de einen neutralen Überblick zum Nachlesen. Nutze diese Angebote ruhig, bevor du dich festlegst, denn Verhütung darf sich im Lauf des Lebens ändern.
Ein Beratungsgespräch lohnt sich auch, wenn du mit deiner bisherigen Methode unzufrieden bist. Vielleicht verträgst du die Pille nicht gut, vergisst sie im Alltag zu oft oder wünschst dir etwas ohne Hormone. Nichts davon musst du aushalten. Es gibt genug Alternativen, und der Wechsel ist meist unkompliziert. Sag der Ärztin oder der Beraterin einfach, was dich stört, dann findet ihr gemeinsam eine Methode, die besser passt.
So findest du deine passende Verhütung
Mit diesen Schritten kommst du zu einer Methode, die wirklich zu dir passt.
- Überleg dir, was dir wichtig ist: Sicherheit, ohne Hormone, wenig Aufwand oder Schutz vor Infektionen.
- Verschaff dir einen Überblick über die Methoden und ihren Pearl-Index.
- Vereinbare ein Beratungsgespräch bei pro familia oder deiner Frauenärztin.
- Klär dabei, ob und wie lange die Krankenkasse die Kosten übernimmt.
- Probiere deine Wahl aus und wechsle ohne schlechtes Gewissen, wenn sie im Alltag nicht passt.
Verhütungsberatung bei pro familia ist kostenlos und vertraulich, auch für Jugendliche. Wenn du dir eine Methode aus Kostengründen nicht leisten kannst, frag gezielt nach Unterstützungsfonds für Menschen mit geringem Einkommen. Es ist keine peinliche Frage, sondern eine, die die Beratungsstellen oft hören und beantworten können.
Verhütung ist auch Männersache
Verhütung wird oft allein als Frauenthema behandelt, dabei können Männer einen großen Teil tragen. Die beiden verlässlichen Wege für Männer sind das Kondom und die Sterilisation, die sogenannte Vasektomie. Beim Kondom liegt der Vorteil im doppelten Schutz vor Schwangerschaft und Infektionen. Die Vasektomie ist ein kleiner ambulanter Eingriff, sehr sicher und deutlich einfacher rückgängig zu machen oder zu umgehen als eine Sterilisation bei der Frau, aber dennoch als dauerhaft zu planen.
Die Kosten für eine Sterilisation trägst du in der Regel selbst, gleich ob bei Mann oder Frau, weil sie meist keine medizinische Notwendigkeit hat. Bei der Frau ist der Eingriff aufwendiger als beim Mann. Weil beide Wege auf Dauer angelegt sind, gehört ihnen immer ein ausführliches Beratungsgespräch voraus, in dem ihr gemeinsam prüft, ob eure Familienplanung wirklich abgeschlossen ist. In einer Partnerschaft lohnt es sich, die Frage der Verhütung offen zu zweit zu besprechen, statt sie stillschweigend einer Seite zu überlassen.
Häufige Fragen
Welche Verhütungsmethode ist die sicherste?
Am sichersten sind das Hormonimplantat mit einem Pearl-Index von 0 bis 0,05 und die Spirale. Bei ihnen kann man im Alltag nichts falsch machen. Die Pille ist bei perfekter Einnahme ebenfalls sehr sicher, verliert aber an Schutz, wenn man sie vergisst.
Schützt die Pille vor sexuell übertragbaren Infektionen?
Nein, die Pille schützt nur vor einer Schwangerschaft. Vor Infektionen wie HIV, Syphilis oder HP-Viren schützt allein das Kondom. Sinnvoll ist deshalb oft der Doppelschutz aus einer sicheren Methode und dem Kondom.
Zahlt die Krankenkasse die Pille?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt verschreibungspflichtige Verhütung bis zum vollendeten 22. Lebensjahr. Unter 18 ist sie kostenlos, zwischen 18 und 22 fällt nur eine kleine Zuzahlung an. Ab 22 zahlst du in der Regel selbst, außer es liegen medizinische Gründe vor.
Wo bekomme ich die Pille danach und was kostet sie?
Die Pille danach gibt es seit 2015 rezeptfrei in jeder Apotheke, sie kostet je nach Wirkstoff etwa 12 bis 25 Euro. Nimm sie so früh wie möglich, denn dann wirkt sie am besten. Bis zum 22. Geburtstag übernimmt die Krankenkasse die Kosten, wenn eine Ärztin sie verschreibt.
Ist die Verhütungsberatung auch für Jugendliche vertraulich?
Ja, Beratungsstellen wie pro familia beraten dich kostenlos und vertraulich, auch wenn du noch minderjährig bist. Deine Eltern müssen davon nicht erfahren. Auch beim Frauenarzt gilt die Schweigepflicht.
Was kann ich tun, wenn ich mir Verhütung nicht leisten kann?
Sprich das offen bei der Beratungsstelle oder der Ärztin an. In vielen Städten und über pro familia gibt es Fonds, die Verhütung für Menschen mit geringem Einkommen oder im Bürgergeldbezug ganz oder teilweise bezahlen.
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